• vom 08.01.2014, 16:37 Uhr

Kultur

Update: 08.01.2014, 16:40 Uhr

All is lost

Treibgut ohne Namen




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Von Alexandra Zawia

  • Robert Redford brilliert als alter Mann im Meer in J. C. Chandors "All Is Lost".

Unser Mann ist Robert Redford, und er ist in Seenot. Zumindest eine Nominierung für den Oscar scheint ihm dafür sicher. - © Constantin Film

Unser Mann ist Robert Redford, und er ist in Seenot. Zumindest eine Nominierung für den Oscar scheint ihm dafür sicher. © Constantin Film

Erst im Abspann bekommt der Haupt-, nein, der einzige Darsteller in J. C. Chandors "All Is Lost" so etwas wie einen Namen. "Unser Mann" steht da neben "Robert Redford", und für jemanden wie ihn, mit seiner Karriere, passt diese Bezeichnung doch. Es ist eben auch diese "Vertrautheit" mit einem (so hat es das Star-Prinzip an sich) schier unbesiegbar scheinenden Redford, die seiner verletzlichen Leinwand-Persona hier noch zusätzliche Eindringlichkeit verleiht: Unser Mann ist in Seenot, und er wird es nicht überleben.

Information

Drama
All Is Lost, USA 2013
Regie: J. C. Chandor
Mit: Robert Redford

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Dies ist, genau genommen, kein Spoiler, weil der finale Höhepunkt in diesem Film ein kalkuliert zweideutiges Ende ist. Das letzte Bild, in dem wir den Seemann nach einer Hand aus dem Nichts greifen sehen, mag einem (noch) nicht sichtbaren Retter gehören, oder es könnte ein Todestraum sein, eine gnädige aber fatale Halluzination. Die leicht surreale Qualität dieser Szene lässt es offen, und genau genommen spielt es auch keine Rolle mehr, so viel haben wir bis dahin über das Leben gelernt.

Einer gegen alles
Dabei wird in diesem Film kaum gesprochen; bis auf die Eröffnungssequenz, in der wir einen riesigen Container im Meer treiben sehen, der später in das Boot unseres Mannes krachen und ihm irreparablen Schaden zufügen wird, hören wir Redford fast nichts sagen. Hier aber liest er in einem Voiceover einen Brief vor; an wen, das wissen wir nicht, und wofür er sich darin entschuldigt, auch nicht. Dieser Beginn, inhaltlich ganz nah am Ende der Geschichte, bereitet eine Reflexion vor, die schließlich wie ein starker Sog wirkt, der manchmal allegorisch ist und immer eine Demontierung von Sicherheiten.

In einer Szene muss unser Mann mit einem aus einem Besenstiel improvisierten Hebel Wasser aus seinem Boot pumpen (und pumpen und pumpen und pumpen und pumpen), und in Redfords Gesicht sieht man echte Erschöpfung. Rein physisch wird hier alles kommuniziert, was es zu sagen gibt: Der Tod ist für uns alle unausweichlich und der Kampf dagegen wird mit dem Alter schwieriger. Und doch geht unser Mann zuerst immer wieder methodisch vor: Versuchen, das Leck zu stopfen. Die Segel drehen. Die Seile kappen, die ihn über Bord ziehen könnten. Aber er wird dieses Boot mitten im Indischen Ozean nicht vor dem Sinken bewahren. Ein paar Mal fahren große Schiffe aus einer anderen Welt vorbei, die diesen "kleinen", einzigen Menschen übersehen.

Trotzdem steht der an Deck und blickt in die untergehende Sonne, so als wäre das ein glücklicher Moment und als wäre er nicht dem Tode geweiht. Wir wissen fast nichts über diesen Mann, aber er ist scheinbar gern allein. Er bereut einige Dinge. Er besitzt einen starken Lebenswillen.

Als die Sonne sinkt und die Bedingungen noch rauer werden, weicht seine Entschlossenheit langsam dem Horror der Verzweiflung. Chandor zeigt immer nur so viel wie nötig und (nur) so lange es braucht, um unerbittlich zu sein. Präzise und bestimmt von absoluter Kontrolle seiner Mittel, ist dies aus all den kürzlichen Überlebensszenarien ("Gravity", "127 Hours", "Captain Phillips" etc.) nicht weniger als der beste Film.


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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2014-01-08 16:17:05
Letzte Änderung am 2014-01-08 16:40:14


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