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Kultur

Update: 09.03.2017, 14:16 Uhr

Filmkritik

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Von Susanne Veil

  • Vier gealterte Crackhelden in "Trainspotting 2".

Ewan McGregor kehrt in die Rolle zurück, die ihn vor 20 Jahren bekannt machte.

Ewan McGregor kehrt in die Rolle zurück, die ihn vor 20 Jahren bekannt machte.© Sony Pictures Ewan McGregor kehrt in die Rolle zurück, die ihn vor 20 Jahren bekannt machte.© Sony Pictures

Eigentlich hat sich gar nichts verändert. Was ist passiert? Seit "Trainspotting" Ende der 90er Jahre vier junge Junkies so unbarmherzig wie einfühlsam abbildete, sind 20 Jahre vergangen.

Renton (Ewan McGregor) kehrt zurück nach Edinburgh, um seine alten Kumpel praktisch konserviert vorzufinden: Spud (Ewen Bremner) hat das Besuchsrecht bei seinem Sohn verloren, weil er zugedröhnt die Zeitumstellung nicht mitbekam, Sick Boy (Jonny Lee Miller) ist stolzer Besitzer einer Bar ohne Gäste und Begbie (Robert Carlyle), frisch aus dem Gefängnis geflohen, um seinen rechtschaffenen Sohn in neue kriminelle Aktivitäten zu verwickeln.

Information

Drama
T2 Trainspotting, GB 2016
Regie: Danny Boyle
Mit: Ewan McGregor, Ewen Bremner, Jonny Lee Miller

Regisseur Danny Bolye scheint überzeugt: Wir verändern uns nicht, genauso wenig, wie die Welt um uns herum es tut. Ob wir unsere Zeit heute auf Facebook vergeuden oder anderswo, ist auch schon egal. So wie die vier als 20-Jährige das spießige Leben mit Reihenhaus, Zahnversicherung und Elternabenden ablehnten, blieb ihnen konsequenterweise auch gar nichts anderes übrig, als weiter gegen die Spielregeln der Gesellschaft zu spielen. Spud tut dies aus reinem Unvermögen, Begbie aus Bosheit und Sick Boy vielleicht mit Absicht. Nur Renton scheint in die Spur gekommen zu sein oder sich ergeben zu haben, je nach Standpunkt. Doch sein Eindruck täuscht und bald sind die vier wieder mehr oder weniger vereint. Der neue Plan der Gang: "Ein künstlerisch angehauchtes Bed and Breakfast mit saisonalen Bioprodukten." So soll ein Puff den Geldgebern verkauft werden.

Mittvierziger im Rausch

Letzten Endes ist es wie vor 20 Jahren: "Zuerst ergibt sich die Gelegenheit, dann kommt es zum Verrat." Also rennen sie immer noch. Nur Spuds Geschichte ist tatsächlich mehr als eine von Mittvierzigern in die Midlife-Crisis verlängerte Revolte: Zwischen Lethargie und Kampfgeist, Scheitern und Entzug, sind die Szenen zwischen ihm und Sick Boys neuer Flamme Veronika (Anjela Nedyalkova) wirklich berührend. Danny Boyle inszeniert launisch, wie es den gealterten Crackhelden in ihren 40ern ergeht. Das ist immer noch witzig, rasant, originell erzählt und macht Spaß beim Zusehen, die Hörner abgestoßen hatte sich die Idee aber bereits 1996. Boyle weiß das eigentlich, denn in einer Szene erklärt Renton der etwa 20 Jahre jüngeren Veronika, was mit ihrem Slogan "Sag ja zum Leben" heute gemeint ist: "Sag ja zu billigen Klamotten, Facebook-Freundschaften und einer Zukunft." Im Jahr 2017 aber entlockt die Ironie seinem Gegenüber nur noch ein müdes Schulterzucken. Die vier sind noch die Gleichen, nur wir sind abgeklärter geworden.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-03-08 16:05:06
Letzte ─nderung am 2017-03-09 14:16:07



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