• vom 08.03.2017, 16:02 Uhr

Kultur

Update: 24.03.2017, 17:55 Uhr

Filmkritik

In neuem Licht




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Von Susanne Veil

  • Oscar-Gewinner "Moonlight" erzählt poetisch von wenig glamourösem Terrain.

Juan (Mahershala Ali, oscarprämiert als Bester Nebendarsteller) und Chiron/Little (Alex Hibbert) in Barry Jenkins "Moonlight". - © Thimfilm

Juan (Mahershala Ali, oscarprämiert als Bester Nebendarsteller) und Chiron/Little (Alex Hibbert) in Barry Jenkins "Moonlight". © Thimfilm

Farbfilm wurde ursprünglich für weiße Haut entwickelt. Von den 1940ern bis in die 1990er Jahre war die von Kodak und Fujifilm geschaffene Farbe nur dafür ausgelegt, bestimmte, hellere Hautschattierungen perfekt auszuleuchten. In "Moonlight" bringt Barry Jenkins nun die oscarnominiserten Bilder seines Kameramanns James Laxton zum Leuchten. Gefilmt in Cinemascope, setzt Jenkins in seiner zweiten Filmarbeit unter Zuhilfenahme digitaler Technik seine gesamte Schauspielerriege ins richtige Licht.

Dass dies eine zentrale Rolle spielt, wird bereits im Titel deutlich: "Im Mondlicht sehen schwarze Jungs blau aus", wird Chrion gesagt. Er wächst im armen Stadtteil Liberty City von Miami auf. Der Film erzählt in drei Kapiteln von den Begegnungen, die Chrions Kindheit und Jugend prägen. Genannt Little (Alex Hibbert), ist der zehnjährige Bub ein sensibles, verschlossenes Kind, das von anderen Jungs in eine Abrisswohnung gejagt wird, wo ihn Drogendealer Juan (Mahershala Ali) findet. Bei ihm und dessen Freundin Teresa (Janelle Monáe) existiert ein behüteteres Umfeld als daheim bei seiner drogensüchtigen Mutter (Naomie Harris).

Information

Drama
Moonlight, USA 2016
Regie: Barry Jenkins
Mit: Alex Hibbert, Ashton Sanders, Trevante Rhodes

Drei Darsteller, eine Figur

Ein Kapitel weiter spürt Chiron (Ashton Sanders) als Jugendlicher die volle Wucht der Ablehnung, wie sie in der Schule allen entgegenschlägt, die anders sind. Er verliebt sich in seinen Jugendfreund Kevin (André Holland), der seine große Liebe werden soll. Als Erwachsener nennt er sich Black (Trevante Rhodes) und muss mit den Wunden umgehen, die ihm Menschen, mit denen er aufwuchs, geschlagen haben. Dazu hat er sich eine Rüstung aus Muskeln und goldenen Zähnen zugelegt. Es ist erstaunlich, wie die drei Darsteller des Chiron, ohne sich besonders ähnlich zu sehen, allein durch Gestik und Mimik einen Charakter entstehen lassen.

Regisseur Barry Jenkins ist selbst in Miami geboren und in Liberty City aufgewachsen. Sein Drehbuch, für das er mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, ist eine Mischung aus dem Stück "In Moonlight Black Boys Look Blue" von Tarell Alvin McCraney und eigenen Kindheitserinnerungen.

Chirons schwierige Kindheit hält sich von Plattitüden fern und doch lassen die Farben den Ort und dessen Menschen schön aussehen. Damit gelingt es Jenkins, nachzubilden, wie Erinnerungen eben oft in wärmerem Licht erscheinen. Gleichzeitig verklärt er nichts. In schonungslos präzisen Dialogen wird nicht viel gesprochen, dafür sitzt jedes Wort. In einer Welt zwischen Gewalt und Drogen, fehlenden Vätern und Kindern, die viel zu früh auf sich selbst aufpassen müssen, gibt es nicht viel zu sagen. Manchmal übernimmt stattdessen die oscarnominierte Musik von Nicholas Britell das Reden. Ausgezeichnet wurde auch Mahershala Ali, völlig zu Recht als bester Nebendarsteller, sein Charisma ist praktisch mit den Händen greifbar.

Als Oscar-Gewinner ist "Moonlight" nicht vor allem deswegen bemerkenswert, weil es mit einem schwarzen Cast um die Geschichte eines schwulen schwarzen Buben geht, sondern weil es ein Milieu auf die Leinwand hebt, dem sonst wenig Poesie zugetraut wird.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-03-08 16:05:11
Letzte ─nderung am 2017-03-24 17:55:20



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