• vom 10.05.2017, 16:14 Uhr

Kultur

Update: 10.05.2017, 16:31 Uhr

Rückkehr nach Montauk

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    Man hätte sich - in Zeiten wie diesen - vielleicht einen Film mit mehr gesellschaftspolitischer Relevanz von jemandem wie Volker Schlöndorff erwartet, doch für "Rückkehr nach Montauk" nimmt sich der Altmeister der Literaturverfilmung ausgerechnet eine Elegie über die Liebe aus der Feder von Max Frisch her; aus der Zeit gefallen und essayistisch berichtet der Dichter darin von einer Liebe zwischen einem betagten Herren und einer jungen Frau. Es ging in Wahrheit um die Liebe von Max Frisch zu der jungen Ingeborg Bachmann.

    Nun hat auch Schlöndorff eine verblichene Liebe im Talon, die auf Aufarbeitung wartet. Zufällig führte Amor auch bei dieser Liaison im eleganten New York Regie, genau wie bei Frisch. Umso passender also, dass sich Schlöndorff von Frisch das Skelett der Erzählung borgt, um es mit seiner eigenen Geschichte anzureichern. Eigentlich: Um einzutauchen in einen Strom aus Gefühlen und Stimmungen, die ihn bis heute umtreiben, wenn er an seine Zeit im New York der Achtziger denkt.

    Und so ist sein Held, der an der Liebe leidet und das zugleich mit chauvinistischen Zügen zu kaschieren sucht, der fiktive Schweizer Schriftsteller Max Zorn (Stellan Skarsgård), der auf Lesereise in der Stadt ist und im Trubel seine einstige Geliebte Rebecca (Nina Hoss) wiedertrifft, mit der er ein paar unbeschwerte Momente in Montauk auf Long Island durchlebt, ganz "wie früher".

    Zugleich aber plagt ihn die Gewissheit, mit Clara (Susanne Wolff) eine umsichtige Lebensgefährtin zu haben, und überhaupt: Das mit dem Betrügen, das ist halb so wild, vor allem, wenn es um den eigenen Seelenfrieden geht. Schlöndorffs Männerfigur ist vorderhand eine Hommage an den Macho-Mann, zugleich aber auch an seine über Gebühr geschundene Seele, die sich, es hilft ja nix, nun einmal ganz anders an Liebesschmerz erinnert, als es seine Weggefährtinnen tun.

    "Rückkehr nach Montauk" kippt als dialogreiches Klagelied über die verflossene Liebe bald in den Dauertrauermodus über das Verpasste, Vertane, Vergebene. Was zu Beginn noch wie eine Entdeckungsreise von Max Zorn wirkt, mündet in nur mehr schlecht kaschiertes Selbstmitleid. Wie viele Versuche über die Liebe, muss auch dieser als gescheitert angesehen werden.





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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-05-10 16:18:13
    Letzte ─nderung am 2017-05-10 16:31:38



    Kommentar

    Verschieben wir’s auf morgen!

    Der Begriff Prokrastinieren hat keinen guten Ruf. Völlig zu Unrecht. Das Aufschieben von eigentlich anstehenden Tätigkeiten wird oft als eine Art... weiter





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