• vom 27.09.2017, 15:47 Uhr

Kultur


Filmkritik

Rasante Folklore




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Von Matthias Greuling

  • Üppig: Emir Kusturicas "On the Milky Road".

Zehn Jahre ist der letzte Spielfilm von Emir Kusturica her. Der serbische Regisseur und zweimalige Gewinner der Goldenen Palme hat mit "On the Milky Road" seine bisher rasanteste Arbeit vorgelegt, die sich in ihr Sujet nicht nur verliebt, sondern geradezu hineinsteigert. Kusturica stand immer schon für aufgeregtes Balkankino, das voller Folklore und mit lauter Musik und heiterem Tanz die Mentalität dieser Nation widerspiegelt. Diesmal aber hat er deutlich übertrieben und serviert ein Zehn-Gänge-Menü, wo man doch eigentlich nur Appetit auf einen Snack hat.

Der Film erzählt von dem Milchmann Kosta (Kusturica selbst), der im Ex-Jugoslawien zur Zeit des Bürgerkriegs immer wieder zwischen die Fronten gerät, wenn er seine Milch ausliefert. Er verliebt sich in eine schöne Italienerin (Monica Bellucci), die neu ist in der Gegend, dummerweise aber schon dem Bruder von Kostas Braut Milena versprochen wurde. Weshalb Kosta und seine Flamme kurzerhand durchbrennen.


Entlang dieser Turbulenzen arbeitet sich Kusturica stilistisch überbordend und mit endlosen Kamerafahrten an seinem Faible fürs bunte Balkanleben ab; dem Zuschauer kann dabei richtig schwindelig werden, so rasant geht es hier zu. Auch, wenn "On the Milky Road" eigentlich die Spielarten der Liebe feiert: Inhaltlich überstrahlt diese Arbeit der bittere Beigeschmack, den sich Kusturica vor einigen Jahren erwarb, als er seine proserbische Haltung im Nationalitätenkonflikt Ex-Jugoslawiens formulierte.

drama

On the Milky Road, SRB 2016

Regie: Emir Kusturica. Mit: Emir Kusturica, Monica Bellucci, Sloboda Micalovic




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Dokument erstellt am 2017-09-27 15:51:11



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