• vom 04.10.2017, 16:34 Uhr

Kultur


Blade Runner 2049

Nur zweimal gegähnt




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Von Matthias Greuling

  • "Blade Runner 2049" ist das bildgewaltige - und lange - Sequel eines Filmklassikers.

Konfliktgeladene Unterhaltung in der Retro-Disco: Ryan Gosling (l.) und Harrison Ford lauschen hier (Spoiler!) sogar Elvis Presley. - © Sony

Konfliktgeladene Unterhaltung in der Retro-Disco: Ryan Gosling (l.) und Harrison Ford lauschen hier (Spoiler!) sogar Elvis Presley. © Sony

Irgendwann in diesem Film beginnt das nervöse Zucken im linken Arm. Man will ihn heben, um endlich auf die Uhr zu sehen, wie lange der stoisch ruhige, beinahe meditative Rundgang von Ryan Gosling durch eine dystopische Welt noch dauert. Zugleich aber spürt man eine nervöse Gegentendenz in Form bleierner Schwere in der Hand, die den gelangweilten Blick auf die Uhr einfach nicht zulassen will, weil die ganze Welt Denis Villeneuves "Blade Runner 2049" derzeit zu einem Meisterwerk erklärt. Das es aber nicht ist. So, jetzt ist es raus. Wir trauen uns was!

Zwar haben hier alle Beteiligten ganze Arbeit geleistet, vor allem Kameramann Roger Deakins, der sein visuelles Meisterstück abliefert und der blau-düsteren Welt des lebensunwerten Los Angeles der nahen Zukunft die gleißend orange Wüstenruine Las Vegas gegenüberstellt, in der die Helden des Rätsels Lösung suchen. Doch was ist das Rätsel überhaupt? Genau das - soll nicht verraten werden. Regisseur Villeneuve ließ vor allen Pressevorstellungen die Bitte verlesen, möglichst keine Inhaltsdetails des Scripts von Hampton Fancher zu spoilern, und man kann sich auch recht einfach daran halten, denn allzu viel passiert in den 163 Filmminuten ohnehin nicht.


Das elegische Farbenspiel mit Gosling und dem Ur-Blade-Runner Harrison Ford, der 35 Jahre nach Ridley Scotts Teil eins wieder in seine Rolle als Rick Deckard schlüpft, besteht zu einem Gutteil aus atmosphärischen Bildern und Klängen, gut durchzogen mit vielen humorigen Miniaturen. Von Philip K. Dicks Originalvorlage des ersten Teils sind nur die Figuren übriggeblieben.

Ein Hochglanzkino, dem es
auf die Ästhetik ankommt

Es ist eine neue Form des entschleunigten Hochglanzkinos, das der Kanadier Villeneuve hier vorlegt: Auch sein mindestens ebenso exaltierter dänischer Kollege Nicholas Winding Refn hat sich in "The Neon Demon" darin versucht, wenngleich er dort eine völlig andere Geschichte erzählte. Aber die Stimmung, der extrem langsame Duktus und die Überbetonung der Ästhetik ähneln sich frappant.

Der LAPD Blade Runner K (Gosling) geht auf die Jagd nach alten Replikanten, also Robotern in Menschengestalt, die vereinzelt noch existieren, während neuere Modelle wie der "Nexus 9" vom Industriellen Niander Wallace (Jared Leto) wieder hergestellt werden dürfen. K sucht Hilfe bei Deckard, um ein gut gehütetes Geheimnis (das wir eben nicht verraten) zu lüften. Den Alltag versüßt ihm eine virtuelle Zugehfrau (Ana de Armas), die ebenfalls aus Wallace’ Schmiede stammt.

Villeneuve arbeitet sich an den seit "Star Wars" aufgebrochenen Genre-Regeln ab, in der Zukunft müsse alles nur in blitzblanker Klavierlackoptik erstrahlen; hier darf das Exterieur auch mal richtig "dirty" sein, in bester Used-Optik. Zugleich präsentiert er aalglatte Figuren, in deren (Replikanten-)Dasein sich einige allzu menschliche Wesenszüge einschleichen - und zwar nicht die besten. Unterm Strich ist "Blade Runner 2049" also genau das, was man von einem Regisseur wie Villeneuve erwarten kann: Ein Sci-Fi-Abenteuer ohne Abenteuer, sondern eher ein Film zum Chillen, jedoch mit einigen gut eingearbeiteten Ecken und Kanten, einerseits höchst effektiv komponiert und durchdacht, andererseits quälend langsam und zugleich wunderschön anzusehen. Ein humanistisches Werk über den Menschen und seine leider sehr vorhersehbare Zukunft.

Ganz im Sinne von Villeneuve sei hier nun Schluss mit Informationen über dieses wunderbare Nicht-Meisterwerk, das sein Publikum mit Sicherheit finden wird. Der beste Indikator dafür: Man gähnt nur zweimal.

Science Fiction

Blade Runner 2049, USA

Regie: Denis Villeneuve.
Mit: Ryan Gosling, Harrison Ford, Jared Leto, Ana de Armas, Sylvia Hoeks, Robin Wright




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Dokument erstellt am 2017-10-04 16:39:09



Kommentar

Bitte jetzt nicht mitbeten, Kinder!

Ordnung muss ein. Und diese Ordnung muss mit entsprechenden Verordnungen gesichert sein. Wo kämen wir da sonst hin... weiter





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