• vom 08.11.2017, 16:29 Uhr

Kultur

Update: 08.11.2017, 16:49 Uhr

Filmkritik

Shakespeare am Zug




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Von Thomas Fanta

  • "Mord im Orientexpress" fokussiert sich auf Branagh.

Als Agatha Christie 1974 die Adaption ihres Krimis "Mord im Orientexpress" von Sidney Lumet vorgeführt bekam, war sie sehr zufrieden. Mit einer Ausnahme: Der Schnurrbart von Albert Finney als Hercule Poirot hätte zum "prächtigsten Moustache von ganz England" werden müssen. Jetzt wäre sie mit dem gewaltigen Gesichtsschmuck von Kenneth Branagh wohl hoch zufrieden. Als "wohl größter Detektiv der Welt" steht sein Poirot fast immer im Mittelpunkt der Neuadaption. Das restliche Promi-Ensemble darf herzlich wenig Tiefe bieten.

Wie bei Branagh zu erwarten, ist Shakespeare gegen Christie am Zug und ersetzt die Figur durch eigene Sicht und Theatralik. Bereits im neu erfundenen Beginn präsentiert er sich als flamboyanter, kauziger Pedant, der sich zum Frühstück ausschließlich zwei exakt große, genau vier Minuten gekochte Eier servieren lässt. Danach löst er den Streit zwischen den Vertretern dreier Religionen in Jerusalem des Jahres 1934, mit links. Als er nach London muss, verschafft ihm ein Freund aus der Eisenbahngesellschaft im voll besetzten Orientexpress ein Abteil. Der Rest der rätselhaften Mordgeschichte dürfte wohl bekannt sein. Ob deswegen wenig Wert auf Spannung gelegt wird? Der Fokus bleibt voll auf Branagh. Bis hin zur Auflösung, die verblüffend dem Abendmahl von Leonardo da Vinci ähnelt. Nicht nur das schrammt hart an Parodie vorbei. Die Bilder des Filmes jedenfalls sind pompös und beeindruckend. Doch wirklich nötig ist dieses Remake nicht.

Information

Krimi
Mord im Orientexpress, USA/GB 2017
Regie: Kenneth Branagh
Mit: Kenneth Branagh, Johnny Depp, Josh Gad





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-11-08 16:32:04
Letzte ńnderung am 2017-11-08 16:49:33



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