• vom 27.12.2017, 17:28 Uhr

Kultur

Update: 27.12.2017, 17:28 Uhr

Loving Vincent

Lichtspiele in Ölfarben




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Von Susanne Veil

  • "Loving Vincent" zeigt das Leben des Malers Vincent van Gogh in bewegten Gemälden.

Louise Chevalier (Helen McCrory) ist eine der Figuren aus van Goghs Leben, die in "Loving Vincent" in Bewegung gerät. - © lunafilm

Louise Chevalier (Helen McCrory) ist eine der Figuren aus van Goghs Leben, die in "Loving Vincent" in Bewegung gerät. © lunafilm

Dass Vincent van Gogh auch ein passionierter Briefeschreiber war, ist möglicherweise gar nicht so bekannt. Diese Tatsache jedoch macht sich der Film "Loving Vincent" nun zunutze. Aus seinen Briefen und durch seine Bilder erzählt er von den letzten Tagen des Malers. Der Sohn des Briefträgers, Armand Roulin (Douglas Booth), in Arles soll 1891 einen letzten aufgetauchten Brief des ein Jahr zuvor verstorbenen Vincent van Gogh (Robert Gulaczyk) an seinen Bruder Theo zustellen. Er macht sich widerwillig auf die Suche und trifft dabei auf Menschen, die Vincent gemalt hat: den Farbenverkäufer Tanguy in Paris (John Sessions), die Hausdame des Doktors Gachet (Helen McCrory), die Tochter seines Wirts in Auvers-sur-Oise, Adeline Ravoux (Eleanor Tomlinson), die Tochter des Doktors, Marguerite Gachet, oder Doktor Gachet selbst, den Arzt und Vertrauten van Goghs. Sie erzählen ihm ihre Versionen der Geschichte des Malers, der mit 28 Jahren zum ersten Mal einen Pinsel in die Hand nahm und damit die Moderne einläutete, bevor er acht Jahre und 800 Bilder später starb. Er hatte sich draußen auf den Feldern in den Bauch geschossen und erlag nach zwei Tagen seinen Verletzungen. Armand will es nicht glauben und geht den genauen Umständen von Vincent van Goghs Tod nach.

Animationsfilm aus Ölgemälden

Information

DRAMA
Loving Vincent, GB/PL 2017
Regie: Dorota Kobiela, Hugh Welchman. Mit: Douglas Booth, Saoirse Ronan, Chris O’Dowd, Jerome Flynn

So rekonstruiert Armand nach und nach aus Erzählungen van Goghs Leben und seine letzten Tage. Er reist durch die Landschaften, besucht die Orte aus van Goghs Bildern: Auvers-sur-Oise, Arles, Montmartre. "Loving Vincent" ist ein Animationsfilm der besonderen Art, für ihn wurden Ölgemälde animiert, gemalt nach den Bildern van Goghs. Nur Rückblenden in die Vergangenheit sind in schwarz-weißen Gemälden gehalten und entziehen sich der Perspektive des Malers. Dabei entsteht ein impressionistisches Bild, das, anstatt einer genauen Biografie, Eindrücke vermittelt und die Schwierigkeiten nachvollziehbar macht, mit denen van Gogh in seinem Malerleben zu kämpfen hatte. In einem Brief schrieb er: "Wir können durch nichts anderes sprechen als durch unsere Bilder." Daran hält sich auch der Film, der es erlaubt, in diese Bilder regelrecht einzutauchen.

In der polnisch-britischen Koproduktion übernahm die Malerin Dorota Kobiela gemeinsam mit dem Filmemacher Hugh Welchman die Regie. Die eigentliche Geschichte wird vom Pinsel erzählt. Jahrelang haben über 100 Künstler an den handgemalten Gemälden gearbeitet, aus denen sich der Film zusammensetzt: 66.000 Bilder in Ölfarben. Ihnen ist es gelungen, van Goghs berühmte Kompositionen mit der Geschichte verschmelzen zu lassen. Besonders lebendig sind die einzelnen Porträts. Schauspieler übernahmen dafür die Figuren aus Vincents Leben, um gemalt und dann mit Computeranimation in Bewegung versetzt zu werden. Wenn sich das Auge daran gewöhnt hat, dass sich die berühmten Motive mit den ausdrucksstarken Pinselstrichen bewegen, entsteht ein Augenschmaus.

Vincent van Gogh hat seine Briefe mit "Your Loving Vincent" unterschrieben. Der Film wiederum ist eine gemalte Liebeserklärung als Antwort.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-12-27 16:29:08
Letzte nderung am 2017-12-27 17:28:39



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