Wien.

"Demoralisierende Wirkung"
Der Leiter der Viennale, die am Donnerstag in ihre 49. Auflage startet, forderte eine "handlungsfähige" Kulturpolitik in der Causa Matt. "Ich glaube, wenn die Kulturpolitik in diesen Punkten nicht sehr wach ist, dann wird das eine sehr demoralisierende Wirkung haben auf die gesamte Kulturszene, auf Institutionen und Personen." Gerade wenn man jeden Tag lese, was für eine "Unkultur auf höchster politischer Ebene" praktiziert werde, sei es wichtig, "dass es in der Kulturpolitik eine gewisse Haltung gibt und gewisse Dinge nicht möglich sind. Und da würde ich mir von einem Kulturstadtrat oder einer Ministerin erwarten, dass ihr Verhalten auch moralisches Gewicht hat. Vielleicht klingt es naiv oder altmodisch, aber ich denke, dass gerade in der Kulturpolitik ein hohes Maß an Sensibilität und praktischem Verantwortungsbewusstsein gegeben sein muss. Und, ganz ehrlich, es gibt viele Wege, dem Strache in die Hand zu spielen. Die Gefahr für die Demokratie geht nicht von Strache aus, sondern von jenen Leuten, die an der Macht sind und ihre Macht missbräuchlich verwenden."
"Fantasielosigkeit"
Von Kulturministerin Claudia Schmied (S) zeigte sich Hurch indes schwer enttäuscht. "Ich habe das Gefühl, dass so etwas wie eine Kulturpolitik des Bundes gar nicht mehr existiert. Die Jahre Claudia Schmied werden verlorene Jahre der Kulturpolitik gewesen sein." Er orte eine grundsätzliche Haltung, die im Grunde mit Kunst und Kultur nichts anzufangen wisse. "Diese Fantasielosigkeit, dieser völlige Mangel an Ideen, Visionen oder größeren Konzepten, das habe ich in den letzten zwanzig Jahren, seit ich im Kulturbetrieb tätig bin, nicht erlebt." Als Beispiele nannte Hurch die Nichtbefolgung einer Empfehlung des Rechnungshofs, der die Berufung von Leuten in Filmförderinstitutionen kritisiert hatte, die massive Eigeninteressen haben, sowie die fehlende Veröffentlichung einer Studie zum finanziellen Gebaren und möglichen Einsparungspotenzialen bei den Bundestheatern. "Ich glaube, dass man mit solchen Handlungsweisen in der Kulturpolitik auch ein politisches Klima der Intransparenz und Verantwortungslosigkeit befördert."
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