• vom 17.10.2011, 11:15 Uhr

Kulturpolitik

Update: 17.10.2011, 11:31 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Hans Hurch: "Verlorene Jahre der Kulturpolitik


Von Daniel Ebner/APA

  • Viennale-Chef kritisiert "politische Unkultur" in Österreich: "Es gibt viele Wege, Strache in die Hand zu spielen".
  • Kulturpolitik in Causa Matt dringend gefordert.

Wien.

Hans Hurch geht mit Ministerin Schmied hart ins Gericht.

Hans Hurch geht mit Ministerin Schmied hart ins Gericht.APAweb / Andreas Pessenlehner Hans Hurch geht mit Ministerin Schmied hart ins Gericht.APAweb / Andreas Pessenlehner

Angesichts der neuen Vorwürfe gegen Kunsthallen-Leiter Gerald Matt sieht Viennale-Direktor Hans Hurch die Wiener Kulturpolitik dringend gefordert. Wie das Nachrichtenmagazin "profil" berichtet, soll
Matt private Dienstleistungen mit Geldern der Kunsthalle bezahlt haben.
"Ganz offensichtlich ist der Verein Kunsthalle nicht willens, seiner Kontrollaufgabe nachzukommen", sagte Hurch im Gespräch mit der APA zur Causa Matt, "und spätestens dann muss es der Kulturstadtrat sein." Es reiche nicht aus zu sagen, diese Aufgabe hätten - vom Kontrollamt bis zum Staatsanwalt - andere, sondern es gebe auch eine kulturpolitische, moralisch-ethische Verantwortung. "Kulturpolitik fängt nicht an, wenn die Handschellen klicken."
Kein gutes Haar ließ Hurch auch an der allgemeinen "politischen Unkultur" und speziell der Kulturpolitik des Bundes: "Die Jahre Claudia Schmied werden verlorene Jahre der Kulturpolitik gewesen sein."

Werbung

"Demoralisierende Wirkung"

Der Leiter der Viennale, die am Donnerstag in ihre 49. Auflage startet, forderte eine "handlungsfähige" Kulturpolitik in der Causa Matt. "Ich glaube, wenn die Kulturpolitik in diesen Punkten nicht sehr wach ist, dann wird das eine sehr demoralisierende Wirkung haben auf die gesamte Kulturszene, auf Institutionen und Personen." Gerade wenn man jeden Tag lese, was für eine "Unkultur auf höchster politischer Ebene" praktiziert werde, sei es wichtig, "dass es in der Kulturpolitik eine gewisse Haltung gibt und gewisse Dinge nicht möglich sind. Und da würde ich mir von einem Kulturstadtrat oder einer Ministerin erwarten, dass ihr Verhalten auch moralisches Gewicht hat. Vielleicht klingt es naiv oder altmodisch, aber ich denke, dass gerade in der Kulturpolitik ein hohes Maß an Sensibilität und praktischem Verantwortungsbewusstsein gegeben sein muss. Und, ganz ehrlich, es gibt viele Wege, dem Strache in die Hand zu spielen. Die Gefahr für die Demokratie geht nicht von Strache aus, sondern von jenen Leuten, die an der Macht sind und ihre Macht missbräuchlich verwenden."

"Fantasielosigkeit"

Von Kulturministerin Claudia Schmied (S) zeigte sich Hurch indes schwer enttäuscht. "Ich habe das Gefühl, dass so etwas wie eine Kulturpolitik des Bundes gar nicht mehr existiert. Die Jahre Claudia Schmied werden verlorene Jahre der Kulturpolitik gewesen sein." Er orte eine grundsätzliche Haltung, die im Grunde mit Kunst und Kultur nichts anzufangen wisse. "Diese Fantasielosigkeit, dieser völlige Mangel an Ideen, Visionen oder größeren Konzepten, das habe ich in den letzten zwanzig Jahren, seit ich im Kulturbetrieb tätig bin, nicht erlebt." Als Beispiele nannte Hurch die Nichtbefolgung einer Empfehlung des Rechnungshofs, der die Berufung von Leuten in Filmförderinstitutionen kritisiert hatte, die massive Eigeninteressen haben, sowie die fehlende Veröffentlichung einer Studie zum finanziellen Gebaren und möglichen Einsparungspotenzialen bei den Bundestheatern. "Ich glaube, dass man mit solchen Handlungsweisen in der Kulturpolitik auch ein politisches Klima der Intransparenz und Verantwortungslosigkeit befördert."




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2011-10-17 11:03:11
Letzte Änderung am 2011-10-17 11:31:46


Werbung




Kommentar

Sex und Unsex des Flanellhemds

"Dieser Körper ist zu fett für Abercrombie & Fitch." Im Netz verbreiten sich derzeit Fotos von üppiger gebauten Damen... weiter



Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

Es sollte die Suche nach dem Ursprung des Universums werden - oder zumindest etwas Ähnliches. Medienkünstler Peter Weibel lud zum Auftakt in den Klangraum Minoritenkirche, um sich einem "3D-Rausch-Konzert" hinzugeben. Ostern ist zwar schon vorbei, aber der Hase hat nach wie vor Saison. (Probenfoto)

Kein Engel, sondern Justin:  Ein Countdown auf dem Bühnen-Screen kündigte gegen 21.00 Uhr den  Pop- und Social Media-Stars an, rund 14.000 Fans kreischten  im Minutentakt  Das Museumsquartier war am Sonntag Schauplatz der weltweiten Live-Premiere des 13. Albums "Delta Machine" der britischen Synthie-Popper "Depeche Mode".


Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

20.5.2013: Ein tibetischer Mönch hält ein Schild neben einem Plakat, das Gedhun Choekyi Nyima, den elften Penchen Lama zeigt, der vom Dalai Lama anerkannt wird. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung