• vom 29.11.2011, 17:53 Uhr

Kulturpolitik

Update: 30.11.2011, 11:20 Uhr

Kabarett

Wenn ein Hamburger einem Bayern den Österreichischen Kabarettpreis übergibt




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Von Mathias Ziegler / WZ Online

  • Sigi Zimmerschied bekam den Hauptpreis, Christopf Spörk den Programmpreis, Louise Martini in Abwesenheit den Sonderpreis

Förder-/Programmpreisträger Christof Spörk - © Moritz Ziegler

Förder-/Programmpreisträger Christof Spörk © Moritz Ziegler

Was freut Christof Spörk mehr beim Programmpreis des Österreichischen Kabarettpreises: die Ehre oder das Preisgeld? "Ganz ehrlich: einmal hier im Porgy & Bess Jazzclub am Klavier zu sitzen. Wow! Wissen Sie, wer da schon gespielt hat?", sagte der 39-jährige Steirer bei der Übergabe am Montagabend - und machte sich an selbigem Klavier gleich in einem Lied ein wenig über die Zahlenspiele - 5001 Euro für Hauptpreisträger Sigi Zimmerschied, 4999 Euro für ihn selbst - lustig. Undankbar ist er aber nicht. Denn natürlich empfindet es Spörk als fair, dass der Österreichische Kabarettpreis nicht mehr wie in den vergangenen Jahren im Verhältnis 7000 zu 3000 Euro zwischen Haupt- und Förderpreisträger aufgeteilt ist, sondern eben Fifty-fifty - halt mit dem kleinen symbolischen Unterschied von plus/minus 1 Euro.


Wobei bei Spörk Moderator Christoph Wagner-Trenkwitz und Laudatorin Doris Glaser (Ö1) die Frage aufwarfen, ob es angesichts des Alters nicht eher ein Programmpreis als ein Förderpreis ist. Verdient hat ihn Spörk jedenfalls für sein erstes Solo-Kabarettprogramm "Lieder der Berge". Bisher war er mit der Musikergruppe Global Kryner unterwegs. In seinem neuen Programm nimmt Spörk Prominenten-Logorrhoe ("Rededurchfall") ebenso aufs Korn wie Lärmschutzwände der Asfinag oder auch die Finanzwelt. Und so rechnete er im Porgy & Bess auch gleich vor, warum sein fast 5000-Euro-Preis nach Banken- und EFSF-Kalkulation eigentlich 250.000 Euro wert wäre, inklusive Fremdkapital und Aufhebelung.

Auch Banker haben Humor

Hauptpreisträger Sigi Zimmerschied

Hauptpreisträger Sigi Zimmerschied© Moritz Ziegler Hauptpreisträger Sigi Zimmerschied© Moritz Ziegler

Apropos Finanzwelt: Auch die Vertreter der beiden Hauptsponsoren (neben der Stadt Wien) sorgten mit humoristischen Wortmeldungen für Heiterkeit an. Während HDI-Vorstand Günther Weiß sein Unternehmen als "ein bisschen progressiv und chaotisch, also den Kabarettisten durchaus nahe" bezeichnete, bewies der aus Norddeutschland stammende Bawag-PSK-Vorstand Andreas Arndt bei der Übergabe des Hauptpreises an Sigi Zimmerschied für dessen aktuelles Programm "Reisswolf", dass auch Banker Humor haben: "Es ist eine besondere Pointe, wenn ein Hamburger einem Bayern den Österreichischen Kabarettpreis übergibt." Zimmerschied wiederum erklärte, warum ihm als Passauer Österreich fast näher ist als Deutschland, und spielte ebenfalls einen launigen Programmausschnitt. Gewohnt bissig und eckig erläuterte er, warum "der Ratz viel gscheiter ist als der Mensch: Er lässt sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen".

Louise Martini (hier bei ihrem 60. Bühnenjubiläum 2009) war durch eine Erkrankung verhindert

Louise Martini (hier bei ihrem 60. Bühnenjubiläum 2009) war durch eine Erkrankung verhindert© APA/GEORG HOCHMUTH Louise Martini (hier bei ihrem 60. Bühnenjubiläum 2009) war durch eine Erkrankung verhindert© APA/GEORG HOCHMUTH

Dass er als Bayer, der eigentlich wegen seiner Herkunft "ein Drittel Österreicher" sei, den Österreichischen Kabarettpreis bekomme, habe ihn zwar sehr überrascht, bemerkte Zimmerschied, "aber es ist eigentlich nur gerecht, Schließlich hat Josef Hader heuer den Bayrischen Kabarettpreis bekommen", fügte er mit einem Schmunzeln hinzu.

Nur eine fehlte leider an diesem launigen Abend, für den vor allem Moderator Wagner-Trenkwitz - "Ich hoffe auf den Sonderpreis 2014 für mein Lebenswerk, denn da ist es genau 30 Jahre her, dass ich das Kabarett doch noch von mir verschont habe" - sorgte: Die Grande Dame des Nachkriegskabaretts, Louise Martini, konnte krankheitsbedingt den Sonderpreis für ihr Lebenswerk nicht selbst entgegennehmen. An ihrer Stelle wurden ihrer Assistentin der Preis sowie ein Louise-Martini-Porträt überreicht. Laudator Ernst Stankovski streute der großen Künstlerin nicht nur Rosen, sondern zollte ihr vor allem tiefste Bewunderung: "Neben Gerhard Bronner, Georg Kreisler und Helmut Qualtinger zu bestehen - allein dafür gebührt Louise dieser Preis. Und auch, weil sie am Beginn ihrer Karriere ganz zufällig und nebenbei zu einer Wiener Ikone wurde,"

Bei der Übergabe des Preises gestand Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny leichte Nervosität: "Bisher ist der Preis ja schon zweimal zerbrochen, wenn ich ihn überreicht habe", erzählte er. Zuletzt war dies bei Viktor Gernot und Michael Niavarani der Fall - was im Vorjahr für große Erheiterung sorgte. Diesmal ging der kleine Spiegel, der symbolisch den Kabarettisten vorgehalten wird (sonst halten sie ihn ja ihrem Publikum vor) nicht zu Bruch.

Kabarettpreis gestohlen

Ein anderer bekam dafür lange Beine. Für die Fotografen und Kameraleute war nämlich noch ein vierter Preis - ohne Jahreszahl, Kategorie und Namen - ausgestellt worden. Dieser war am Ende des langen Abends verschwunden. Damit ist der vierte (unrechtmäßige) Besitzer des Österreichischen Kabarettpreises 2011 unbekannt . . .




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Dokument erstellt am 2011-11-29 18:00:28
Letzte Änderung am 2011-11-30 11:20:11



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