Wien/Bregenz. (irr) Wenn sich zwei streiten, freut sich angeblich der Dritte. Mitunter kann aber das Gegenteil passieren. Wie im Fall von Holger Bleck. Seit die Kammeroper durch den Rückzug des Bundes nur noch am Fördertropf der Stadt hängt, hat der Ko-Direktor ein neues Konzept erarbeitet: Freie Gruppen sollten das Haus nutzen. Nun musste Bleck aber - so sagt er - aus den Medien erfahren, dass sein Konzept obsolet ist.

Der Grund: Theater-an-der-Wien-Chef Roland Geyer, der aufgrund künstlerischer Differenzen nun doch nicht Intendant der Bregenzer Festspiele ab 2015 wird, soll die Kammeroper mitübernehmen. Gemeinsam mit Walter Kobéra, Leiter der freien Gruppe Neue Oper Wien, werde er ab September einem neuen Trägerverein vorstehen. Vier Produktionen sollen vom Theater an der Wien kommen, ein bis zwei von der freien Szene, erläuterte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny. Die ausschließliche Bespielung durch die freie Szene sei "nicht finanzierbar".
Bei Bleck sorgen die Pläne für Verwunderung - nicht nur, weil das Haus am Fleischmarkt (bisher) nicht der Stadt gehört. Mit ihm habe niemand über diesen Konzeptwechsel geredet, sagt Bleck. Zudem sei sein Konzept sehr wohl finanzierbar: Bis Jahresende würde die Kammeroper schuldenfrei sein. Dass Geyers Theater an der Wien das Haus übernehmen könnte, war schon länger im Gespräch. Die jähe Ankündigung steht, jedenfalls für Bleck, im Zusammenhang mit Geyers "Schlappe in Bregenz". Blecks Vermutung: Geyer wäre nun in Wien vorgeprescht, Mailath hätte nachgezogen.
Das Büro des Stadtrats verbannt solche Hypothesen nach Utopia. Bleck, so heißt es, sei in den gesamten Entscheidungsprozess eingebunden gewesen, die Erweiterung von Geyers Aufgabenfeld ohne Bezug zu Bregenz. Angesichts der geringen Fördersummen der freien Gruppen sei Blecks Konzept nicht finanzierbar.