St. Pölten. Mit Beifall war zu rechnen. Als Hermann Nitsch 2007 sein eigenes Museum in Mistelbach erhielt, Arnulf Rainer wenig später das seine in Baden, schwollen nicht nur die Künstlerbrüste vor Stolz. Die Gemeinden, auch das subventionierende Bundesland durften sich kunstsinniger Pioniertaten rühmen.
Dieser Gründerzeitglanz aber ist ermattet - jedenfalls nach Meinung von Kritikern. Für respektable Publikumszahlen lägen die Häuser zu abseitig, das Angebot sei zu gleichförmig. Wobei interessante Pläne auch daran scheitern würden, dass die Hauspatrone ihr OEuvre nicht vom Glanz fremder Werke überstrahlt sehen wollen.
Zu diesem Befund passt jedenfalls, dass an beiden Häusern Personal wechselt. Im Rainer-Refugium waltet ab Juli ein neuer Geschäftsführer; die Vorgängerin hatte ihren Rückzug überraschend verlautet. Im Museumszentrum Mistelbach (MZM) wiederum, zu dem die Nitsch-Pilgerstätte gehört, ist mehr in Bewegung. Seit Februar hat das Zentrum einen neuen operativen Chef, bis 2014 soll sich die Grundausrichtung ändern. Präsentierte das MZM bisher die "Lebenswelt Weinviertel", soll es mit dem nahen Urgeschichtemuseum in Asparn an der Zaya fusionieren. Das Nitsch-Museum bleibt zwar, erhielt aber eine neue Führungsfigur: Seit 1. April ist Michael Karrer, Chef der Nitsch-Foundation in Wien, für das Ausstellungsmanagement verantwortlich.
Symptom des Scheiterns sei das aber nicht, sagt Paul Gessl von der niederösterreichischen Kulturwirtschaft. Der Neuzugang bei Nitsch solle für bessere Koordination sorgen, nachdem bei Wiener Ausstellungen Synergiepotenziale ungenutzt blieben. Laut Gessl hatte das Nitsch-Domizil im Vorjahr 24.000 Besucher, das Rainer-Refugium 12.000. Keine Straßenfeger, aber das Land bleibt gewogen: Quote sei nicht alles. Aber würde eine weniger abseitige Lage nicht mehr Publikum liefern? Wie Gessl selbst zugibt, hat das Forum Frohner zumindest gleich viel Gäste wie das Rainer-Haus, weil es Teil der Kunstmeile Krems (Gesamtbesucherzahl 2011: 140.000) ist. Aber: Die Biografien von Rainer und Nitsch seien mit ihren Museumsorten verknüpft. Und es sei auch Aufgabe von Kulturpolitik, etwas abseits der Zentren aufzubauen.
Dass die Personalunion von Künstler und künstlerischem Chef Herausforderungen birgt, lässt dafür Roswitha Straihammer durchklingen - die scheidende Geschäftsführerin des Rainer-Museums, das sie quasi "auf der grünen Wiese" aufgebaut hat. Zwar geht sie nicht im Zorn. Die gemeinsame Ausstellung von Werken des Hausherrn und Georg Baselitz (noch bis 23. April) aber "war nicht ganz einfach durchzusetzen".
Es kommt wie das Amen im Gebet. Wenn der Computerkonzern Apple eine Pressekonferenz macht, dann folgt die Meldung: "Apple-Fans verärgert"...
weiter