• vom 28.08.2012, 21:46 Uhr

Kulturpolitik


Intendant Bernhard Kerres räumt das Feld, nach eigenen Angaben freiwillig

Personeller Paukenschlag im Wiener Konzerthaus




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Von Christoph Irrgeher

  • Matthias Naske könnte nach der 100. Saison der neue Chef werden.

"Superdatum" für den Abgang: Klassik-Manager Bernhard Kerres geht 2013. - © apa/Harald Schneider

"Superdatum" für den Abgang: Klassik-Manager Bernhard Kerres geht 2013. © apa/Harald Schneider

Wien. Man soll gehen, wenn es am schönsten ist, sagt ein altes Sprichwort. Bernhard Kerres führt es derzeit sinngemäß auf den Lippen. In einem "Kurier"-Interview überraschte er mit der Ankündigung, die Leitung des Wiener Konzerthauses nach der kommenden Saison, der insgesamt 100. der Spielstätte, abzugeben. Warum? Es sei ein "Superdatum" für einen Abtritt, weil die Jubiläumssaison einen Höhepunkt darstelle, versucht sich Kerres der "Wiener Zeitung" zu erklären. Ohnedies habe er nur eine rund zehnjährige Intendanz angepeilt. Womit er kräftig aufrundet: Kerres leitet das Haus erst seit 2007.


Für die Zukunft habe er schon ein Angebot, dürfe darüber aber noch nicht reden. Der 45-Jährige, der vor seiner Intendanz Vorstandsvorsitzender eines deutschen Konzerns war, will nicht in die Wirtschaft zurück, sondern in der Kulturwelt internationales Programm machen. Das Konzerthaus - an dem ihm laut "News" Matthias Naske nachfolgen soll - verlasse er aus freien Stücken.

"Keine Zwistigkeiten"
Letzteres glaubt aber nicht jeder. Zwar ist von Konzerthaus-Präsidentin Theresa Jordis keine Wortmeldung zu erhaschen: Sie ist auf Urlaub, heißt es lapidar. Ein Mitglied der Direktion verrät dann allerdings, dass es der Wille des Präsidiums gewesen sei, den bisher jährlich verlängerten Vertrag mit Kerres nicht mehr fortzusetzen. Man wolle eine Weichenstellung für eine neue Ära. Zwistigkeiten mit Kerres habe es nicht gegeben.

Folgt man dem Konzerthaus-Chef, trifft dies aber auch nicht so ganz zu. Einige Mitglieder des Direktoriums könnten seinen Abgang durchaus begrüßen, gesteht der Intendant ein. Er hat bereits am Beginn seiner Amtszeit polarisiert: Mehrere Mitarbeiter schieden damals im Unfrieden. Einer davon will heute dank guter Kontakte wissen, dass sich Kerres den Unwillen der Obrigkeit nicht zuletzt durch eine üppige Budgetplanung für die Jubiläumssaison zugezogen habe. Der Intendant relativiert dies: Wohl habe es Debatten über diese Kosten gegeben - die 100. Saison wird etliche Gastspiele bescheren -, allerdings in weiter Ferne eines Eklats.

Künstlerische Differenzen?
Möglich auch, dass sich das Präsidium an Kerres’ künstlerischem Kurs stieß. Sieht man von der Jubel-Saison ab, war die Angebotspalette des Konzerthauses zuletzt solide, allerdings wenig spektakulär gestaltet. Als sich in der 99. Saison - wohl auch zugunsten der nächsten - Einsparungen bemerkbar machten, verwies Kerres aufs leidige Thema Geld: Man arbeite "ohne Sicherheitsnetz"; eine schlecht verkaufte Saison könne den Konkurs bedeuten. Das Haus wird weiterhin von Schulden belastet, die der Umbau unter Vorgänger Christoph Lieben-Seutter nach sich zog. Es müssen jedoch nur die Zinsen bedient werden.

Sollte Matthias Naske der nächste Chef werden, handelt es sich jedenfalls nicht um einen Schnellschuss ins Intendanten-Blau: Naske, 1963 in Wien geboren, leitete die Jeunesse Österreich, war bereits für das Konzerthaus im Gespräch und führt derzeit einen nicht unähnlichen Betrieb: Die Philharmonie Luxemburg bietet ebenfalls ein Mehrsparten-Programm mit Klassik, Jazz und Weltmusik. Der Vertrag des Wieners, der für eine Stellungnahme bisher nicht erreichbar war, ist dort jedoch bis Ende 2014 verlängert worden.



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Dokument erstellt am 2012-08-28 21:53:05



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