"Wiener Zeitung":Im Sommer gab es einen seltsamen Nachbarschaftskonflikt. Die Finanzministerin Maria Fekter urlaubte neben Franz Welser-Möst am Attersee - und teilte Ihrem Musikdirektor angeblich mit, die Staatsoper müsse zehn Millionen Euro einsparen. Kurz darauf gab das Kulturministerium dann aber Entwarnung. Wissen Sie, was da los war?
Dominique Meyer: Das war offensichtlich ein Missverständnis. Aber es gibt tatsächlich grundsätzliche Probleme bei den Bundestheaterbudgets, und zwar dass die Regierungen seit Jahren die Tariferhöhungen nicht finanzieren. Und darauf wollte Franz Welser-Möst die Ministerin aufmerksam machen.
Das Kulturministerium hat Ihnen vor längerer Zeit Evaluierer ins Haus geschickt. Die orteten ein "Optimierungspotenzial" von 6,7 Millionen Euro. Wie viele der damit verbundenen Maßnahmen sind nun schon umgesetzt?
Alle. Wir haben nicht gewartet, bis man uns sagte: Tut dieses und jenes. Wir brauchen keinen Unterricht. Wir haben viele Verträge geändert - und die Eintrittspreise schon vor der vergangenen Saison erhöht. Die Einnahmen stiegen um rund drei Millionen Euro; die Auslastung war ja auch mit mehr als 98 Prozent sehr hoch. Um Einsparungen geht es bei dieser "Optimierung" allerdings nicht. Da gibt es kein Einsparungspotenzial, wir sind am Knochen.
Salzburg-Intendant Alexander Pereira bessert sein Budget massiv mit Sponsoren auf. Könnte die Staatsoper da mehr tun?
Wir versuchen es. Wir haben jetzt eine kleine Sponsoring-Abteilung und bauen einen Fördererkreis mit einer Niederlassung in den USA auf. Nur: Wie Sie wissen, ist die wirtschaftliche Situation nicht großartig. Letztendlich denke ich, dass der Staat auch einmal etwas tun muss. Wir bekommen seit 14 Spielzeiten die gleiche Subvention. Wenn sie ebenso gestiegen wäre wie die Preise, hätten wir 14 Millionen mehr. Ein Riesenverlust.
Gefährdet das - wie in Salzburg - Neuproduktionen?
Nein. Ein Haus wie die Staatsoper bedeutet zuerst einmal Personalkosten. Im Vergleich dazu ist der Preis einer Produktion gering. Das heißt aber auch: Selbst ohne Neuproduktionen würde sich das Finanzproblem nicht lösen. Die Personalkosten steigen, weil die Gehälter grundsätzlich den Gehaltserhöhungen im öffentlichen Dienst folgen. Eine Subventionserhöhung ist absolut notwendig. Man kann nicht blind und taub mit 200 km/h in einem Wagen fahren - und wissen, dass man auf eine Mauer zurast. Man muss Augen und Ohren öffnen.
Das Schöne an Institutionen wie dem ORF ist die Konstanz, mit der eingefahrene Muster immer und immer wieder abgespielt werden...
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