
Wien."Die Leute glauben, die Bundestheater leben in Saus und Braus. Dabei wird hier jede Klopapierrolle verrechnet. Es gibt null Spielraum!", empört sich ein Mitarbeiter der Staatsoper, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Noch mehr stört ihn aber das Verhalten der öffentlichen Hand. Es sei ein "Skandal", dass die Oper jährlich die gleiche Subventionssumme erhalte, während die Löhne stetig emporklettern.
Eine solche Steigerung steht wieder vor der Tür. Beschlossen ist noch nichts, sagt Georg Springer, Chef der Bundestheater-Holding. Wie man hört, sollen die Verhandlungen aber zu einem Ende gekommen sein: Analog zum Beamtenabschluss (an dem sich die Theater stets mehr oder minder orientieren) werde eine Steigerung von 2,56 Prozent plus 11,10 Euro für die aktuelle Saison angepeilt - was von den Aufsichtsräten noch abgesegnet werden muss.
"Ohne mich"
Solche Kosten treiben die Bühnen allmählich in die Bredouille - und womöglich in die roten Zahlen. Zwar wurde die Gesamtsubvention für die drei Bundestheater (Staats-, Volksoper und Burgtheater) seit 1999 moderat gesteigert, sie beträgt derzeit 144,4 Millionen Euro. Die Personalkosten wuchsen im gleichen Zeitraum aber um 16,7 Prozent und machten im Vorjahr schon deutlich mehr als die Subvention aus: 165,9 Millionen.
Darunter ächzt nicht zuletzt die personalkostenintensive Staatsoper. Und: Wie Direktor Dominique Meyer sagt, erhält das Haus seit 1999 die gleiche Summe - 54,6 Millionen Euro, die inflationsbedingt rund 15 Prozent an Wert verloren. Zwar liefert das Haus am Ring musterschülerhafte Zahlen, erzielte etwa 2010/11 einen Einnahmen- und Auslastungsrekord. Eine ausgeglichene Bilanz war damals aber nur mehr durch die Auflösung von Reserven möglich.
Heute sind diese Rücklagen dahin. Und die aktuelle Spielzeit dürfte die letzte sein, die mit schwarzen Zahlen endet - also falls es nicht zu einer "wesentlichen Erhöhung" der Subvention kommt, wie dies Meyer fordert. Aus eigener Kraft lasse sich nämlich nichts mehr verbessern: Der Maßnahmenkatalog aus der Bundestheater-Evaluierung sei komplett abgearbeitet (samt einer Kartenpreiserhöhung), die Auslastung (fast 100 Prozent) nicht zu toppen.
Doch was, wenn die Aufbesserung nicht kommt? Dafür gibt es ein düsteres Worst-Case-Szenario, das zuletzt in der "Stretta" auftauchte, dem Magazin der Wiener Staatsopernfreunde: Das Haus könnte, so lautet das Ondit, nur noch fünf Tage die Woche spielen. "Das würde ich persönlich aber nicht machen", kommentiert Meyer das Gedankenspiel - und kündigt für diesen Fall mehr oder minder unverhohlen seinen Abgang an. Denn dies wäre "ein Sündenfall gegen die Wiener Kulturgesellschaft".
Veto von außen
Freilich versucht Meyer, dessen Vertrag bis 2020 läuft, eine solche Misere nach Kräften zu vereiteln. Wie er bestätigt, hat er der Kulturministerin Claudia Schmied in einem Brief die wirtschaftliche Problemlage auseinandergesetzt. Und: Es hätte auch schon eine Holding-interne Einigung gegeben. Der Konsens, über den Meyer im Interview nicht sprechen will, sei dann allerdings am Aufsichtsrat der Holding GmbH gescheitert - einem Gremium, das auch mit Vertretern aus verschiedenen Ministerien bestückt ist. "Das war aber nur eine Etappe", ist Meyer um Optimismus bemüht. Die nächsten Jahre nennt er eine "spannende Zeit".
Weniger diplomatisch tönt es aus dem Betriebsrat des Hauses. "Bereits jetzt schafft es die Staatsoper nur noch mit Hängen und Würgen." Sollte die Fünf-Tage-Woche tatsächlich kommen, wäre das nicht nur ein massiver Prestigeverlust für die "Musikstadt Nummer eins", sondern auch ein monetärer. Stichwort Tourismus und Umwegrentabilität: "Dann sitzen die Hoteliers beim Bürgermeister am Tisch!"
Ian Hunter, Professor für Maschinenbauwesen am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT), vermittelt seinen Studenten ein Denken über...
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