Wer braucht schon Schnee? Blut ist das neue Weiß auf Österreichs Bergen, das wird nicht nur Marvin Krens nächste Genre-Arbeit "Glazius" zeigen, die er vor kurzem in Südtirol gedreht hat und die nächstes Jahr ins Kino kommen soll: Ein sogenanntes "Creature Feature" über einen Techniker, der auf einer Bergstation Zeuge erschreckend ausartender Genmutationen wird, vereint der Film Elemente des Horrorgenres, des Science-Fiction-Films, des Ökothrillers - und irgendwie auch des österreichischen Autorenfilms. Denn "der Autorenfilm in seiner ursprünglichen Definition als ein Film mit einer partikulären Handschrift" ist es, der hierzulande vor allem den österreichischen Produzenten Helmut Grasser interessiert. Grasser, Chef der Produktionsfirma Allegro Film, hatte vor sechs Jahren die bis dahin erste wirklich erfolgreiche österreichische Horror-Genre-Arbeit "In drei Tagen bist du tot" produziert. Regisseur Andreas Prochaska tat darin das Naheliegende, von dem er sich selbst nicht erklären kann, "warum niemand früher drauf gekommen ist": ein klassisches Slasher-Setting in die österreichische Landschaft zu transferieren. Der Traunsee im schönen Salzkammergut wurde dadurch seiner viel adäquateren Bestimmung zugeführt, als er es als seelenloses Postkartenmotiv je sein könnte: ein stilles Wasser, tief genug für Teenagerleichen.
In mehr als 40 Länder wurde der Film verkauft und man freute sich zu Recht über die gelungene Idee eines "Horrorfilms auf Österreichisch". Die Darsteller dabei so reden zu lassen, wie sich ihr regionales Umfeld in ihnen jeweils manifestiert hat, war und ist ein wesentlicher Bestandteil dieses Autoren-Horrors im besten Sinn.
Blut und Berge
Dass sich dagegen österreichischer Humor und internationaler Erfolg nicht ganz optimal vertragen, scheint mittlerweile erwiesen, und hat sich in den vergangenen Jahren in der heimischen Genre-Film-Produktion ganz allgemein viel getan, muss sich die hiesige Komödie dem emporkommenden Horrorfilm geschlagen geben, was den Publikumserfolg jenseits der Alpen und das Genre-immanente Innovationspotenzial angeht. - Dennoch ist auch der sogenannte "Schmäh" bereits ein typisches Merkmal eines österreichischen Horrorfilms - weil da eben auch Lachen im Keller geht.
Das heißt nicht, dass Filme wie "In drei Tagen bist du tot" und sein Sequel nicht ernst gemeinte und ernst zu nehmende Genre-Beispiele sind, im Gegenteil: Prochaska hat damit den Schritt Richtung Genre-Identität getan, ein in Österreich noch relativ unbestelltes Feld. Kren, der 2010 mit seinem für das Kleine Fernsehspiel des ZDF produzierten und international sehr erfolgreichen "Rammbock" dem Zombiefilm einen österreichischen Stempel verpasste, gehört mit Prochaska zu jenen Regisseuren, die zeigen, dass im österreichischen Genrefilm viel Kreativpotenzial liegt.
Ian Hunter, Professor für Maschinenbauwesen am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT), vermittelt seinen Studenten ein Denken über...
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