• vom 14.01.2016, 13:14 Uhr

Kulturpolitik

Update: 14.01.2016, 15:10 Uhr

Diskussion

"Kulturhauptstadt muss auch wehtun"




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Von WZ Online, APA

  • Diskussion zum Auftakt einer Ausstellung im Architekturzentrum Wien, Österreich 2024 wieder an der Reihe.

Wien/Bregenz. Der Kulturhauptstadt-Titel ist kein flottes Marketinginstrument, kein von der EU finanziertes Label zur Tourismus-Förderung, sondern eine lohnende Anstrengung, über deren Herausforderungen man sich im Klaren sein muss. Darüber herrschte gestern bei einer Podiumsdiskussion im Architekturzentrum Wien (Az W) Einigkeit. Österreich darf 2024 zum dritten Mal eine Kulturhauptstadt stellen.

"Kulturhauptstadt muss auch wehtun", brachte es Rudolf Scheuvens, Dekan der Fakultät für Architektur und Raumplanung an der TU Wien, auf den Punkt. Auch Christina Schraml, Assistentin im Studienzweig Social Design an der Universität für angewandte Kunst fand klare Worte. "Nicht der Platz im internationalen Städteranking und die Standortpolitik sollten im Vordergrund stehen, sondern gesellschaftliche Themenstellungen", so Schraml. "Es geht um ein Miteinander und nicht um einen Wettkampf um Touristen und Nächtigungen."

Die TU Wien und die Universität für angewandte Kunst sind zwei von acht österreichischen Universitäten,die an einer - von Elisabeth Leitner (TU) initiierten - gemeinsamen Lehrveranstaltung teilnehmen. Mehr als 100 Studierende und 25 Lehrende haben 44 Konzepte und Szenarien zum Thema "Kulturhauptstadt Europas" entwickelt. Bis 1. Februar sind die Projekte nun im Az W ausgestellt.

Falsche Erwartungen 

Bei der bestens besuchten Diskussion zur Ausstellungseröffnung warnte Elisabeth Vitouch (SPÖ), vom Ausschusses der Regionen nominiertes Mitglied der Kulturhauptstadt-Jury, vor falschen Erwartungen bei einer Bewerbung: Rund 60 Millionen Euro müsse man durchschnittlich für die Ausrichtung eines Kulturhauptstadt-Jahres rechnen. "Dieses Geld gibt's nicht von der EU!" Allenfalls den mit 1,8 Mio. Euro dotierten Melina-Mercouri-Preis könne man einkalkulieren, den Rest müsse man über Regional- und Strukturfonds, Sponsoring, Crowdfunding oder andere Quellen lukrieren. Sie warnte auch vor grenzüberschreitenden regionalen Gemeinschaftsbewerbungen, da diese komplizierte Kommunikations- und Abstimmungsmechanismen benötigten und überdies laut geltenden Statuten eine Stadt im Zentrum der Bewerbung stehen müsse. Die bisherige Zusammensetzung der 13-köpfigen Auswahl-Jury (sechs lokale Experten, sieben von EU-Gremien gestellte internationale Mitglieder) werde ab 2020 durch ein Gremium aus 13 unabhängigen Experten ersetzt, so Vitouch: "Man versucht, den politischen Einfluss rauszunehmen."

"Fragestellungen, an denen man sich reiben kann"

Bewerbungen für 2024 müssten sich konzeptionell in jedem Fall mit den zu erwartenden Herausforderungen etwa im Bereich von Zuwanderung und Integration auseinandersetzen, urgierte etwa Robert Temel, der Sprecher der Plattform Baukulturpolitik: "So ein Projekt könnte neue Impulse geben." In gleiche Horn stieß Scheuvens, der mit seiner Arbeit an der Internationalen Bauausstellung Emscher Park einen wichtigen Impuls für die Neuentdeckung der Kulturlandschaft des Ruhrgebiets (2010 Kulturhauptstadt) gegeben hatte. Es brauche "Fragestellungen, an denen man sich reiben kann".

Die Kulturhauptstadt Linz09 habe tatsächlich immer wieder wehgetan, meinte Klemens Pilsl, Geschäftsführer der oberösterreichischen Kulturplattform KUPF. In diesen Momenten habe sie auch am besten ihre Funktion erfüllt. "Am langweiligsten war sie, wenn sie als bloßes Marketinginstrument begriffen wurde." Für Pilsl stellt die Kulturhauptstadt 2024 eine große Chance dar, bei der Findung einer neuen Identität im 21. Jahrhundert mitzuwirken: "Denn die nächsten 30 Jahre werden nicht wie die letzten 30 Jahre."

Bewerbungen dafür, wer nach Graz 2003 und Linz 2009 im Jahr 2024 gemeinsam mit einer estnischen Stadt als dritte österreichische Kommune die Europäische Kulturhauptstadt ausrichten will, müssen 2018 eingereicht werden. Geprüft wird derzeit etwa in Vorarlberg eine gemeinsame Bewerbung der vier Städte im Rheintal, nämlich Bregenz, Dornbirn, Hohenems und Feldkirch.





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Dokument erstellt am 2016-01-14 13:16:53
Letzte ─nderung am 2016-01-14 15:10:27



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