• vom 03.01.2017, 15:56 Uhr

Kulturpolitik

Update: 03.01.2017, 16:26 Uhr

Kulturpolitik

Das muntere Kunst-Karussell




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Von Judith Belfkih

  • Wer wird wann wo was? Ein Ausblick auf das kulturpolitische Jahr 2017 in Österreich.

Neustart 2017: Markus Hinterhäuser in Salzburg und Stella Rollig im Belvedere (oben), Tomas Zierhofer-Kin bei den Wiener Festwochen und Thomas Edlinger (unten, rechts) beim Donaufestival.

Neustart 2017: Markus Hinterhäuser in Salzburg und Stella Rollig im Belvedere (oben), Tomas Zierhofer-Kin bei den Wiener Festwochen und Thomas Edlinger (unten, rechts) beim Donaufestival.© apa Neustart 2017: Markus Hinterhäuser in Salzburg und Stella Rollig im Belvedere (oben), Tomas Zierhofer-Kin bei den Wiener Festwochen und Thomas Edlinger (unten, rechts) beim Donaufestival.© apa

Wien. Kulturpolitik ist mitunter eine langatmige Sache. Vorlaufzeiten im Theater- und Opernbetrieb machen eine Planung von bis zu fünf Jahren im Vorhinein nötig. Die viel diskutierte gerade erfolgte Bestellung von Bogdan Roščić als Direktor der Wiener Staatsoper etwa wird erst im Herbst 2020 in den Spielplänen Realität. Eine zentrale Entscheidung wird der neue Chef wohl bereits 2017 bekanntgeben - wer künftig den Posten des Generalmusikdirektors bekleiden wird. Doch auch im gerade beginnenden Jahr tut sich einiges in der heimischen Kulturlandschaft. Die politischen Entscheidungen, auf denen die Rochaden beruhen, liegen nicht alle Jahre zurück. Mitunter waren aktuelle Entwicklungen verantwortlich für Neubesetzungen.

Bereits im Jänner übernehmen zwei Frauen Wiener Kultur-Institutionen: Stella Rollig das Belvedere und Angelika Fitz das Architekturzentrum. Während Fitz’ Ablöse des Gründungsdirektors Dietmar Steiner in Ruhe vorbereitet wurde, ging es im Belvedere stürmischer zu. Kurz vor der bereits kolportierten Verlängerung der bisherigen Direktorin der österreichischen Galerie, Agnes Husslein-Arco, war diese aus dem eigenen Haus mit Compliance-Vorwürfen konfrontiert worden. Nach einer medialen Schlammschlacht zog der damals frischgebackene Kulturminister Thomas Drozda die Notbremse und ordnete eine Neuaufstellung an. Stella Rollig holte er vom Linzer Lentos nach Wien und stellte ihr mit Wolfgang Bergmann einen kaufmännischen Chef zur Seite. Rolligs bisherige Direktion im Lentos ist noch bis Mitte Jänner ausgeschrieben. Auch der Posten der Bruckner-Haus-Leitung wird in Linz gerade neu besetzt. Beide Entscheidungen sollen demnächst, spätestens im Frühjahr fallen.


Einen drei Bundesländer umfassenden Domino-Effekt hat die Bestellung von Markus Hinterhäuser als Intendant der Salzburger Festspiele verursacht. Während Hinterhäuser seinen Dreijahresvertrag als Chef der Wiener Festwochen nicht verlängerte, um an die Salzach zurückzukehren, übernahm seine Wiener Intendanz Tomas Zierhofer-Kin, der bisher für das Donaufestival in Krems verantwortlich zeichnete. Als dritter in der Domino-Kette rückte Thomas Edlinger nach, der 2017 erstmals ein von ihm kuratiertes Donaufestival präsentiert.

Während Zierhofer-Kin noch am Festwochen-Programm feilt und bisher nur einige Höhepunkt wie einen neuen "Parsifal" in der Regie von Jonathan Meese und eine "Medea" mit Birgit Minichmayr angekündigt hat, ist das erste Programm von Markus Hinterhäuser bereits bekannt. Gemeinsam mit der neuen Salzburger Schauspielchefin Bettina Hering widmet er sich diesen Sommer den Phänomenologien der Macht - mit zahlreichen prominent besetzten wie künstlerisch spannenden Neuproduktionen. Mit Lukas Crepaz wird es in Salzburg ab April auch wieder einen kaufmännischen Direktor geben, Helga Rabl-Stadler startet im Herbst in einen eben verlängerten Vertrag als Präsidentin des Festivals. Mit dieser Neuaufstellung sollte vorerst Ruhe einkehren in die personell zuletzt recht gebeutelten Salzburger Festspiele.

Mit 1. April sollen auch in der Albertina und im Technischen Museum neue Finanzchefs die künstlerische Leitung unterstützen. Die entsprechenden Entscheidungen sollten demnächst bekannt gegeben werden.

Zentrale Entscheidungen
Neben diesen Dienstantritten stehen 2017 jedoch auch einige kulturpolitische Entscheidungen an. Noch im Jänner soll die Direktion für das "Haus der Geschichte" bestellt werden. Die wichtigste zukunftsweisende Wiener Entscheidung betrifft jedoch das Theater an der Wien, wo Gründungsintendant Roland Geyer angekündigt hat, seinen Vertrag nach 2020 nicht verlängern zu wollen. Auch hier soll die Nachfolge noch im Frühjahr geregelt werden. Somit bekommen die Opernhäuser am Ring und an der Wien zeitgleich im Herbst 2020 neue Führungspersönlichkeiten. Auch die Musical-Sparte der Vereinigten Bühnen ist ausgeschrieben.

Mitte des Jahres wird es für Filmfreunde spannend, wenn die Nachfolge für den langjährigen Viennale-Direktor Hans Hurch ab 2019 ausgeschrieben wird.

In Graz werden gleich drei Spitzenjobs im Kulturbereich neu oder neuerlich vergeben: Veronica Kaup-Haslers Intendanz beim Steirischen Herbst ab 2018, die Direktion des Universalmuseums Joanneum und der Posten des Chefdirigenten der Grazer Oper.

Die heimische, vor allem die Wiener Sprechtheaterlandschaft sieht führungstechnisch einem ruhigen Jahr entgegen. Im Burgtheater wird sich Karin Bergmann bis zum Sommer entscheiden, ob sie eine Verlängerung ihres Vertrages nach dem Jahr 2019 anstrebt. Vor weiteren Veränderungen wird aber auch das Jahr 2017 nicht haltmachen - vor allem vor denen, die das Leben schreibt.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-01-03 16:03:06
Letzte ─nderung am 2017-01-03 16:26:05



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