• vom 04.01.2017, 11:04 Uhr

Kulturpolitik

Update: 04.01.2017, 11:35 Uhr

Kulturhauptstadt

Aarhus und Paphos sind Kulturhauptstädte 2017




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, APA

  • Zweitgrößte Stadt Dänemarks und zipriotische Hafenstadt warten mit hunderten Projekten.

Die Europäische Union verleiht den Titel Kulturhauptstadt seit 1985. - © APAweb/dpa, Marcel Kusch

Die Europäische Union verleiht den Titel Kulturhauptstadt seit 1985. © APAweb/dpa, Marcel Kusch

Aarhus/Paphos. Die zipriotische Hafenstadt Paphos und die zweitgrößte dänische Stadt Aarhus sind die Kulturhauptstädte des Jahres 2017.

Aarhus, die zweitgrößte Stadt Dänemarks, setzt im Kulturhauptstadtjahr 2017 auf Beteiligung und Diskurs. Rund um vier "Mega"-Events gruppieren sich zwölf "Full Moon"-Events, insgesamt locken über 350 Projekte in 19 Gemeinden Bewohner wie Besucher zu kulturellen Veranstaltungen. Entwickelt wurde das Programm unter Mitwirkung von 10.000 Menschen aus der Region.

Die gesamte Region Mitteljütland, das Konzerthaus Musikhuset und weitere Orte in Aarhus sind am 20. und 21. Jänner Schauplatz des ersten "Mega"-Events, der Eröffnung: Den Auftakt macht die Kindereröffnung "Land of Wishes", bei der sich die Kleinen der Region treffen, um ihrer Fantasie mit Traumbäumen, Wunschsteinen und Wunschinseln freien Lauf zu lassen. Im Morgengrauen des 21. Jänner bewegt sich dann eine "leuchtende Fahrradparade" durch die Region, abends schreitet man in Aarhus zur offiziellen Eröffnung mit einer spektakulären Show, in der die Wikingerzeit zum Leben erweckt werden soll. Im Konzerthaus kommt die vom Wind und den alten mythologischen Texten der Älteren Edda inspirierten Fanfare des Färöer Komponisten Sunleif Rasmussen zur Uraufführung.

Information

Die Kulturhauptstadt Europas

Die Europäische Union verleiht den Titel Kulturhauptstadt seit 1985. Ziel der Initiative ist es laut EU-Kommission unter anderem, den "Reichtum und die Vielfalt der Kulturen Europas hervorzuheben", den Tourismus zu fördern und das Image der Städte international, aber auch bei den Bewohnern selbst zu verbessern.

Außerdem soll das Gefühl der Europäer gestärkt werden, einem gemeinsamen Kulturkreis anzugehören. Für jede Kulturhauptstadt sind 1,5 Millionen Euro vorgesehen, die im Rahmen des "Melina Mercouri Preises" an die ausgewählten Städte vergeben werden können. Die damalige griechische Kulturministerin Melina Mercouri war Initiatorin des 1985 ins Leben gerufenen Programms.

Erste Kulturhauptstadt war Athen. 2003 war Graz Kulturhauptstadt, 2009 folgte als nächste österreichische Stadt Linz. Das nächste Mal ist Österreich dann wieder 2024 an der Reihe, wobei die auserwählte Stadt derzeit noch nicht feststeht. Kulturhauptstädte heuer sind Aarhus in Dänemark und Paphos auf Zypern.

Die Städte werden schon vier Jahre zuvor formell ernannt. Der Titel wurde bisher mehr als 50 europäischen Städten verliehen.

Zwischen 25. Mai und 1. Juli ist das zweite "Mega"-Event angesiedelt: Im Moesgaard Museum steht die Freiluftvorstellung des Wikinger-Stücks "Röde Orm" auf dem grasbewachsenen Dach auf dem Programm. "The Garden" heißt das zweiteilige Event, das von 8. April bis 10. September im ARoS Art Museum und von 3. Juni bis 30. Juli in der Innenstadt von Aarhus sowie am Hafen stattfindet: Unter dem Untertitel "End of Times, Beginning of Times" wird an den drei Orten darüber reflektiert, "wie Menschen die Natur schildern und verändern", wie es im Programm heißt. Gezeigt werden dabei Werke verschiedenster internationaler Künstler, aufgeteilt in "Vergangenheit", "Gegenwart" und "Zukunft".

Zu den insgesamt zwölf "Vollmond"-Events zählen etwa das interaktive und interästhetische Kunstevent "Set Worship Free", das "den Gottesdienst mithilfe einer kaleidoskopischen Mischung aus Tanz, Theater, Musik, Videoinstallationen, Essen, Debatten und Reflexion neu interpretiert" (18. bis 19. und 21. bis 25. Februar) oder das "Festival of the Century - Europe 1950 - 2000", bei dem ein "kritischer, vorsichtiger und warmherziger Blick" ins vergangene Jahrhundert geworfen werden soll (3. März). Das Komediehuset Horsens zeichnet für das Mond-Event "Freedom Prison" (13. bis 18. und 20. bis 21. Mai) verantwortlich: Vor der Kulisse des charakteristischen Faebgselt, des berüchtigten früheren Gefängnisses von Horsens, versammeln sich 130 Schauspieler, Musiker und Tänzer von Ensembles aus der Region Mitteljütland und aus ganz Europa, um "eine groß angelegte Vorstellung auf der Grundlage europäischer Zusammenarbeit" zu bieten.

Später im Jahr folgt "Watermusic": Am 2. und 3. September verwandelt das Theater "Randers EgnsTeater" den alten Industriehafen in Randers in ein "spektakuläres Totalerlebnis". Die Sängerin "Oh Land" und 600 Personen formen dabei "ein magisches Universum, das den Rahmen einer Geschichte über die Liebe zwischen dem Land und dem Wasser bildet". Eines der größten Volksfeste Dänemarks, die Feuerfestival-Regatta in Solkeborg, wird heuer noch größer und lockt Einheimische wie Touristen von 15. bis 19. August an.

Tanzfans freuen sich auf Ende April, wenn bei der Ballettaufführung von Jonathan Safran Foers "Tree of Codes" die Szenografie von Olafur Eliasson auf eine Choreographie von Wayne McGregor trifft, die von Mitgliedern seiner eigenen Kompanie Seite an Seite mit den Koryphäen des Balletts der Oper Paris getanzt wird. Im Folkets hus in Struer kann man am 1. und 2. April einem Unterwasserkonzert beiwohnen, bei dem die Musiker in einem Aquarium sitzen und gegen den Widerstand des Wassers anspielen. Den Jahresabschluss bildet schließlich ein "Willkommensfest 2018", das weniger als Rückblick denn als Ausblick in die Zukunft dienen soll. Das Publikum wird eingeladen, "erneut zu träumen".

Paphos 2017 - "Offene Kulturwerkstatt" lädt ein

"Die offene Kulturwerkstatt" nennt sich die zypriotische Hafenstadt Paphos heuer, wenn sie parallel mit dem dänischen Aarhus als Kulturhauptstadt Europas fungiert. Niederschwelliger Kulturgenuss und ein Programm, das Brücken zwischen Ost und West schlagen möchte, stehen im Zentrum des Programms, das 300 Projekte rund um die Themen Mythen & Religion, Reisen und Zukunft umfasst.

Das Werkstatt-Motto in Paphos ist auf die Jahrtausende alte Tradition bezogen, Kultur unter freiem Himmel stattfinden zu lassen. Den Auftakt bildet dabei die Eröffnungsfeier am 28. und 29. Jänner, wenn in der gesamten Stadt Musik-, Tanz- und Theatervorführungen stattfinden werden. Das Kulturhauptstadtjahr wird jedoch auch dazu genützt, die kulturellen Hotspots der Stadt zu revitalisieren: So sollen das Markideon Theater und das Othellos-Attikon Kino renoviert werden, zudem sollen die Verbindungswege zwischen den archäologischen Stätten und den Vergnügungsvierteln von Kato Paphos optimiert werden. Die Erneuerung von Plätzen in der Stadt soll dazu dienen, neue Räume für die Bewohner zu schaffen.

Als eines der Herzstücke des Musikprogramms gilt die "reisende Bühne", die über das ganze Jahr durch die Region tingelt und Konzerte bietet. Weitere Highlights sind u.a. ein Konzert der deutschen Sängerin Ute Lemper gemeinsam mit dem Symphonieorchester Zypern im Mai, auf dem Programm stehen dabei Stücke aus Ogden Nashs Musical "One Touch of Venus". Weltberühmte Künstler werden im August zu "Moon & Stars"-Konzerten in der Region eingeladen, die musikalischen Traditionen des östlichen Mittelmeerraums stehen bei einem Symposium im April auf dem Programm.

Dem Tanz wird gleich zu Beginn des Jahres gehuldigt, wenn Compagnien aus ganz Europa bei einem Festival des zeitgenössischen Tanzes zusammenkommen. "Mind your Step" heißt es dann bereits wieder im Mai, wenn Tänzer des Limassol Municipal Dance Centres nach Paphos kommen, um mit Partnern aus Italien, Irland und Zypern "Brücken des Dialogs zwischen urbanem Raum und modernem Tanz zu bauen". Ein weiteres Tanzfestival bringt dann neue Choreografien an Orte der Stadt. Kino gibt es am Strand, und zwar im August im Rahmen des "See Fests", das 2017 unter dem Motto "Weltreisen, Reisende und Migranten" steht. Türkische und griechische Zyprioten, nigerianische und brasilianische Schauspieler finden sich im Mai für "Lysistrata" zusammen, ein Theaterprojekt unter der Leitung von Brian Michaels, der sich die Komödie von Aristophanes vorgenommen hat. Theaterfans freuen sich auch auf das "Monodrama Festival" und das Stück "Die trojanischen Frauen" von Euripides im Odeon von Paphos.

Eine ganze Reihe von Ausstellungen stellt auch die Bildende Kunst in den Fokus. Von Juli bis September werden Künstler aus Kriegsgebieten eingeladen, zum Thema "Target" (Ziel) in den Dialog zu treten und Werke zu schaffen, die im Anschluss in der städtischen Galerie von Paphos zu sehen sein werden. Weitere Projekte sind u.a. "Eco Arts" rund um ökologische Kunst, die Schau "The Many Faces of Venus" rund um mythologische Deutungen der Venus zum Ende des Jahres. Ein großes "Sommer Highlight" soll am 1. Juli am Hafen von Paphos steigen, wo im Laufe der Geschichte zahlreiche Reisende an Land gingen. Versprochen werden u.a. Schiffsflotten, Feuer im Meer und Unterwasserüberraschungen.


Die Liste der Titelträger

Seit 1985 bestimmt die Europäische Union Städte für ein Jahr zur Kulturhauptstadt Europas. Im Millenniumsjahr 2000 teilten sich als Symbol gleich neun Metropolen den Titel, der ab 2001 meist von zwei Städten getragen wird. 2010 kam sogar eine dritte Kulturhauptstadt Europas hinzu - aus dem Nicht-EU-Land Türkei. Diese Beteiligung eines potenziellen Beitrittskandidaten soll ab 2021 Regel werden.

Ein Überblick über die vergangenen, aktuellen und künftigen Europäischen Kulturhauptstädte bis zum Jahr 2021, dem bis dato letzten Jahr, für das die Städte bereits feststehen:

JAHR STÄDTE LAND
2000 Avignon Frankreich
Bergen Norwegen
Bologna Italien
Brüssel Belgien
Helsinki Finnland
Krakau Polen
Prag Tschechien
Reykjavik Island
Santiago de Compostela Spanien
2001 Porto Portugal
Rotterdam Niederlande
2002 Salamanca Spanien
Brügge Belgien
2003 Graz Österreich
2004 Lille Frankreich
Genua Italien
2005 Cork Irland
2006 Patras Griechenland
2007 Luxemburg Luxemburg
Sibiu Rumänien
2008 Liverpool Großbritannien
Stavanger Norwegen
2009 Linz Österreich
Vilnius Litauen
2010 Essen Deutschland
Pecs Ungarn
Istanbul Türkei
2011 Turku Finnland
Tallinn Estland
2012 Guimaraes Portugal
Maribor Slowenien
2013 Marseille Frankreich
Kosice Slowakei
2014 Umea Schweden
Riga Lettland
2015 Mons Belgien
Pilsen Tschechien
2016 Breslau Polen
San Sebastian Spanien
2017 Aarhus Dänemark
Paphos Zypern
2018 Leeuwarden Niederlande
Valletta Malta
2019 Matera Italien
Plowdiw Bulgarien
2020 Galway Irland
Rijeka Kroatien
2021 Timisoara Rumänien
Eleusis Griechenland
Novi Sad Serbien




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-01-04 11:08:45
Letzte nderung am 2017-01-04 11:35:54



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Nicht mit uns"
  2. Kein "Irrer mit der Bombe"
  3. Bob Dylan kommt nach Österreich
  4. Manuel Legris verlässt Staatsballett
  5. Heiter dem Tausender entgegen
Meistkommentiert
  1. Die Kamera als Schutz
  2. "Ohne Polen kollabiert London"
  3. Sophie Rois ärgert sich über "Peniszulage"
  4. Beethoven-Skulptur in Wien enthüllt
  5. Zu kurzsichtig

Werbung




CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey,

Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte. Ein riesiges Medieninteresse begleitete den kurzen Auftritt des österreichischen Hollywood-Exports Christoph Waltz bei seinem Besuch der Viennale.

Viennale-Interimschef Franz Schwartz (links) mit dem Stargast der Eröffnung: Schauspieler John Carroll Lynch zeigte sein Regiedebüt "Lucky" als Eröffnungsfilm der Viennale. Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

Werbung



Werbung