• vom 21.04.2017, 16:19 Uhr

Kulturpolitik

Update: 21.04.2017, 16:27 Uhr

Biennale Venedig

Ohne Lobby keine Kunst




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  • Im Vorfeld der 57. Kunstbiennale in Venedig spitzt sich eine Debatte über Österreichs Beitrag zu.

Der Österreich-Pavillon in Venedig wurde nach Plänen von Josef Hoffmann und Robert Kramreiter 1934 offiziell eröffnet. - © apa/Georg Petermichl

Der Österreich-Pavillon in Venedig wurde nach Plänen von Josef Hoffmann und Robert Kramreiter 1934 offiziell eröffnet. © apa/Georg Petermichl

Wien/Venedig. Eigentlich sollte an diesem Donnerstagabend die Kunst im Zentrum stehen, beziehungsweise die Künstler. Die Kunsthalle Krems und das Land Niederösterreich luden in Wien zu einer Podiumsdiskussion, um sich dem heurigen Biennale-Beitrag von Brigitte Kowanz und Erwin Wurm aus unterschiedlichen Perspektiven anzunähern. Letztlich dominierten jedoch die Bedingungen, unter denen Kunst heute entsteht, gefördert und bewertet wird. Noch-Belvedere-Vize Alfred Weidinger nutzte die Gelegenheit, die Finanzierung des Pavillons als "letztklassig" anzuprangern.

Weidinger, der ab August Direktor des Museums der bildenden Künste in Leipzig wird, wetterte gegen die Finanzierung durch die öffentliche Hand. Er habe den Beitrag von Kowanz und Wurm im Vorfeld filmisch dokumentiert, das Ergebnis werde in Venedig zu sehen sein. "Eigentlich hätten wir eine dritte oder vierte Kamera gebraucht, um die Umstände einzufangen. Man geht mit den Künstlern und den Kommissären schlecht um. 400.000 Euro sind eine Frechheit. Die Künstler haben in die eigenen Taschen gegriffen und gehen damit ein großes Risiko ein", so Weidinger. "Politiker sind nicht bereit, das Budget nachzubessern." "Gnadenhalber" habe das Bundeskanzleramt 30.000 Euro mehr zugeschossen. Weidinger: "Ich habe noch nie erlebt, dass Künstler so schlecht behandelt werden, wie bei dieser Biennale."


Neue Organisationsformen
Auch die Kriterien zur Kür des Kommissärs hinterfragte Weidinger und dachte laut über eine neue Lösung für den Findungsprozess nach, etwa durch junge Kuratoren und die Zusammenarbeit mit Museen. Eine neue Organisationsform könne er sich ebenfalls vorstellen, etwa eine Betriebs-GesmbH. Schließlich hafte die heurige Kommissärin Christa Steinle, von 1998 bis 2011 Leiterin der Neuen Galerie in Graz, hinter der keine Institution stehe, mit ihrem eigenen Vermögen. "Man lässt sie alleine stehen", so Weidingers Fazit, der eine Aufstockung auf 1 Million Euro pro Biennale-Beitrag sowie ein stärkeres Engagement von Frauen anregte. "Von 1948 bis 2017 waren es (ohne Peter Weibels Beiträge) 149 männliche Künstler und sechs Frauen. So viel zur Quote." Überhaupt habe noch keine einzige Frau die Chance gehabt, den Pavillon allein zu bespielen.

"Viva Arte Viva" lautet das Motto der 57. Kunstbiennale, die heuer von 13. Mai bis 26. November im Arsenale sowie den Giardini in Venedig stattfindet.

Peter Weibel, vierfacher Kommissär des österreichischen Pavillons der Biennale (1993 bis 1999) und Vorstand des Zentrums für Kunst und Medien Karlsruhe, widmete sich anschließend den Mechanismen des Kunstbetriebs, konkret: der Preisvergabepolitik der Biennale in Venedig, die er als Ergebnis von "Cultural Engineering" beschrieb. Die beiden diesjährigen Künstler, "haben Genie", startete Weibel seine Abhandlung über die Etymologie des Begriffs: "Genius bedeutete ursprünglich auch, einen wachsamen und beschützenden Begleiter zu haben", so Weibel, der damit zur Tatsache überleitete, dass Kowanz und Wurm nur dank großer finanzieller Eigenleistungen sowie zahlreicher Sponsoren ihre Arbeiten in Venedig realisieren konnten. Der seit Jahren konstante Betrag des Bundes von 400.000 Euro reiche bei Weitem nicht aus, den österreichischen Beitrag zu realisieren. "Genius hat einen Namen - Christa Steinle. Oder die Sponsoren. Sie sind die Grundlage für den Erfolg", unterstrich Weibel, der sich im Anschluss der Frage widmete, wie man auf der Biennale zu einem "Goldenen Löwen" komme. Sein Fazit: "Die Genies heißen heute Lobbyisten."

Nägel für die Kunst
Auch die beiden Künstler kamen am Podium zu Wort, verrieten jedoch keine Neuigkeiten zu ihren jeweiligen Vorhaben. Kowanz wird - wie bereits bekannt - einen Zubau im Garten bespielen, Erwin Wurm den Pavillon selbst. Wurm kritisierte lediglich die Tatsache, dass der Pavillon "ziemlich sicher nicht mehr zeitgemäß" sei. Er stehe "vollkommen unter Denkmalschutz, man darf dort keine Nägel mehr einschlagen." Auf Nachfrage zu seinem Beitrag meinte er lakonisch: "Sagen wir: Ich habe Nägel eingeschlagen."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-04-21 16:24:04
Letzte ─nderung am 2017-04-21 16:27:04



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