• vom 23.05.2017, 16:17 Uhr

Kulturpolitik


Belvedere

Kraftort statt Cash Cow




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Von Judith Belfkih

  • Direktorin Stella Rollig will das Profil des Belvedere schärfen und Besucher länger im Museum halten.

Stella Rollig will das Belvedere vom Tourismusmagneten zum fundierten Museum umbauen.

Stella Rollig will das Belvedere vom Tourismusmagneten zum fundierten Museum umbauen.© apa/Herbert Neubauer Stella Rollig will das Belvedere vom Tourismusmagneten zum fundierten Museum umbauen.© apa/Herbert Neubauer

Wien. Es war weniger ein Sprung ins kalte Wasser denn einer in stürmische See. Als Stella Rollig als neue künstlerische Leiterin des Belvedere bestellt wurde, galt es zuallererst, Wogen zu glätten. Die waren aufgebrandet, da ihre Vorgängerin Agnes Husslein-Arco recht kurzfristig nicht verlängert worden war. Compliance-Vorwürfe standen im Raum, Grabenkämpfe im Team wurden publik. Kulturminister Thomas Drozda zog vergangenen Sommer die Notbremse, schrieb die Leitung des Hauses als Doppelspitze neu aus und zauberte im Herbst ein Leading-Team aus der früheren Lentos-Chefin und Wolfgang Bergmann als kaufmännischen Direktor aus dem Bewerberhut. Seit Anfang des Jahres sind die beiden nun im Amt, haben eine "Zeit des Lernens" hinter sich, wie Rollig es nennt. Eine Zeit, in der sie ihre Vision und ihre Pläne für das Belvedere mit Fakten gefüllt haben. Wie Rollig und Bergmann in den kommenden fünf Jahren, für die sie bestellt sind, "Museum neu denken" und das Belvedere "nicht neu erfinden, aber weiter entwickeln" wollen, darüber sprachen sie am Dienstag erstmals.

Für Stella Rollig ist das Museum "ein Kraftort, ein Instrument der Welt- und Selbsterkenntnis". Ihr vorrangiges Ziel ist es daher, "die Zeit, die Menschen im Museum verbringen, zu verlängern" und zu intensivieren. Dafür soll das Profil der einzelnen Standorte geschärft werden, aber auch die touristische Hauptattraktion, das Obere Belvedere, neu strukturiert werden. Was zähle, seien nicht nur die Besucherzahlen, sondern auch die Frage: "Wie hat das Museum die Besucher verändert?" Denn das Schloss "funktioniert ideal als Torismusort, nicht aber als Museum" - das will die neue Direktorin ändern. Die Sammlung soll dazu neu gehängt und wissenschaftlich tiefergehend beleuchtet und erklärt werden, auch bauliche Neuerungen - von der Adaptierung der Klimaanlage über den Eingang bis zur Gastronomie - denken Bergmann und Rollig in diesem Langzeitprojekt an. Ansprechen wollen sie mit dieser inhaltlichen Aufwertung ihrer "Cash Cow" auch die Wiener und nicht nur ausländische Gäste.


Lebendige Kunsthalle
Das Untere Belvedere bleibt Ort der Wechselausstellungen, zeitgenössische Kunst wird es hier jedoch künftig keine mehr geben. Die soll noch stärker und lokaler im 21erHaus als "lebendige Kunsthalle mit interdisziplinären Formaten" eine Heimat finden - auch als Kunstnahversorger des am Hauptbahnhof neu entstehenden Stadtteiles. Dazu sollen die Öffnungszeiten in den Abend hin ausgeweitet und das Kino stärker genutzt werden. Publikumsfreundlichkeit soll auch die Aufhebung des generellen Fotografierverbotes bringen. Bergmann sieht Fotos aus den Ausstellungen auf Sozialen Medien als begrüßenswerte Werbung für das Haus.

Wie es mit den beiden Standorten im Winterpalais, das an das Finanzministerium zurückgeht, und im Augarten, der derzeit von Francesca Habburg bespielt wird, weitergeht, ist noch offen. Man führe jedoch Gespräche.

"Man merkt, dass das Haus gebeutelt wurde, dass es an Führung gefehlt hat", analysiert Stella Rollig die Lage im Belvedere im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Dass sie auf gute Zusammenarbeit setzt, zeigt eine interne Umstrukturierung: Rollig hat ihr Büro von der repräsentativen Beletage auf die selbe Ebene mit ihren Mitarbeitern verlegt. Ihre Rückkehr von Linz nach Wien, noch dazu in eine exponierte Position, beschreibt Rollig als Veränderung in Sachen Kommunikation. Den "Wiener Rankünen" ausgesetzt musste sie "lernen, dass Menschen mitunter mit einer ,hidden agenda‘ sprechen."

Das kürzlich von Kulturminister Drozda vorgestellte Weißbuch Museen, das eine engere strukturelle und inhaltliche Zusammenarbeit zwischen den Bundesmuseen vorsieht, sieht Rollig entspannt, man tausche sich aus. Die Notwendigkeit, die Profile der einzelnen Häuser zu schärfen, sieht sie nicht: "Die Kulturpolitik kann durch Bestellungen Richtungsentscheidungen treffen. Ich glaube nicht, dass es danach noch Zuordnungen von oben braucht."




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Dokument erstellt am 2017-05-23 16:21:07



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