• vom 31.05.2017, 16:49 Uhr

Kulturpolitik

Update: 31.05.2017, 17:02 Uhr

Mörbisch-Intendanz

Kurswechsel im Operettenreich




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Von Christoph Irrgeher

  • In Mörbisch wird nun doch nicht Gerald Pichowetz, sondern Peter Edelmann Intendant.

Auf den Intendanten-Sessel aufgerückt: Peter Edelmann, Sänger und Institutsleiter, wird Intendant in Mörbisch.

Auf den Intendanten-Sessel aufgerückt: Peter Edelmann, Sänger und Institutsleiter, wird Intendant in Mörbisch.© Landespressedienst Burgenland Auf den Intendanten-Sessel aufgerückt: Peter Edelmann, Sänger und Institutsleiter, wird Intendant in Mörbisch.© Landespressedienst Burgenland

Eisenstadt. In Mörbisch werden die Weichen neu gestellt: Gerald Pichowetz, im Vorjahr als künftiger Mörbisch-Intendant vorgestellt, übernimmt nun doch nicht das Operettenfestival im Burgenland. Stattdessen wird Peter Edelmann mit der Aufgabe betraut. Edelmann, 1962 in eine Wiener Musikerfamilie geboren, hat in seiner Heimatstadt Gesang studiert und war später im Ensemble der Deutschen Oper Berlin tätig. Seit 2014 steht der Bariton dem Institut für Gesang und Musiktheater der Wiener Musikuniversität vor. Die Seefestspiele kennt er seit längerem: Im Jahr 2000 trat er dort als Graf Homonay im "Zigeunerbaron" auf. 2016 bewarb er sich dann für die Leitung des Festivals - die fünfköpfige Jury reihte ihn auf den zweiten Platz.

Dass Pichowetz damals an der Spitze landete, sorgte unter Beobachtern für gemischte Gefühle: Der Leiter einer kleinen Vorstadtbühne (Gloria Theater in Wien Floridsdorf) habe keine Erfahrung mit der großen Bühne und sei auch im Musiktheaterbereich relativ unerfahren. Die fünfköpfige Jury versicherte gleichwohl, dass Pichowetz "eindeutig" als Sieger aus dem Hearing hervorgegangen sei. In einer Pressekonferenz versicherte der Komödienspezialist, der in den 90er Jahren durch die Rolle des "5er" in der Serie "Kaisermühlen Blues" einige Bekanntheit erlangte, er würde für Mörbisch "brennen" und könne seine künftige Aufgabe kaum erwarten.


Früher Katzenjammer
Ein halbes Jahr später sehen die Dinge anders aus. Pichowetz sei "gefeuert" worden, vermeldeten am Mittwochmorgen die "Kronenzeitung" und das Gratis-Blatt "Heute" exklusiv. Der kolportierte Grund: Der Intendant in spe habe versucht, Schauspieler seiner Gunst mit hohen Gagen nach Mörbisch zu locken, darunter Otto Schenk, aber auch Barbara Wussow und Albert Fortell. Zudem hätten Pichowetz’ Reformpläne für das Areal wenig Zustimmung gefunden: So hätte er den - bereits im Jahr 2013 veränderten - Gastronomie-Sektor neu überarbeiten lassen wollen und sich für einen neuen Auftrittsort des Orchesters starkgemacht - obwohl das erst vor wenigen Jahren einen eigenen, wettersicheren Saal erhielt, aus dem sein Klang auf die Tribüne übertragen wird.

Am Mittwochnachmittag hielt Helmut Bieler, Landeskulturrat und Präsident des Festivals, dann eine eilig anberaumte Pressekonferenz ab. Es stimme zwar, dass Pichowetz den Posten nicht übernehmen werde; man habe sich aber im Einvernehmen getrennt. Grund dafür seien "unterschiedliche Auffassungen über die Zukunft der Seefestspiele Mörbisch" gewesen, heißt es.

Aber wie war es möglich, dass Pichowetz ein Hearing gewinnt, in der Praxis aber gleich auf Widerstand stößt? In einer schriftlichen Stellungnahme an die "Wiener Zeitung" heißt es dazu: "Man hat beim Hearing nur über Ideen für die künstlerische Ausrichtung von Mörbisch gesprochen, es wurden jedoch keine fertigen Konzepte gefordert oder präsentiert und schon gar nicht abgenommen." Dies wäre auch gar nicht möglich gewesen ohne vorherige Abstimmung mit dem Vorstand und den leitenden Mitarbeitern der Seefestspiele. "Diese Gespräche fanden erst nach dem Hearing und der vorläufigen Bestellung von Herrn Pichowetz statt" - und dabei hätten sich dann erst die Auffassungsunterschiede herausgestellt. Hat Pichowetz hohe Honorare vereinbart und muss das Festival nun Abschlagszahlungen leisten? Nein, heißt es dazu, "weil mit den Künstlern keine Verträge abgeschlossen wurden und es nach unseren Informationen keine mündlichen Vereinbarungen mit Herrn Pichowetz gab, die einen Vertrag begründet hätten".

"Mariza" folgt "Vogelhändler"
Heuer ist jedenfalls noch Dagmar Schellenberger Intendantin des Festivals und wird ab 7. Juli den "Vogelhändler" zeigen. Edelmann, so viel ist bereits bekannt, wird seine Intendanz im Jahr darauf mit der "Gräfin Mariza" beginnen; 22 Vorstellungen sind geplant. Ob Edelmann den Besucherrückgang bei dem Festival stoppen kann, wird sich weisen. Bereits in den letzten Jahren des legendären Intendanten Harald Serafin waren die Kartenverkäufe rückläufig, Schellenberger konnte sie - zuletzt mit der ausgefallenen Operette "Viktoria und ihr Husar" - stabil halten, aber keine Trendwende einleiten.




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Mörbisch-Intendanz

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-05-31 16:54:06
Letzte nderung am 2017-05-31 17:02:40



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