• vom 14.07.2017, 16:23 Uhr

Kulturpolitik

Update: 14.07.2017, 16:30 Uhr

Restitution

Ein Klimt zu viel restituiert




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  • Gustav Klimts "Apfelbaum II" könnte an die falsche Erbenfamilie zurückgegeben oder gar zu unrecht restituiert worden sein.

Gustav Klimt "Apfelbaum II" aus dem Jahr 1916 wird von Experten auf mindestens 30 Millionen Euro geschätzt.

Gustav Klimt "Apfelbaum II" aus dem Jahr 1916 wird von Experten auf mindestens 30 Millionen Euro geschätzt.© Belvedere, Wien Gustav Klimt "Apfelbaum II" aus dem Jahr 1916 wird von Experten auf mindestens 30 Millionen Euro geschätzt.© Belvedere, Wien

Wien. 2001 wurde Gustav Klimts "Apfelbaum II" von der Republik Österreich an die Erben nach Nora Stiasny zurückgegeben. Dies ist fälschlicherweise geschehen, hält der Kunstrückgabebeirat nun fest. Demnach sei das Bild womöglich gar nicht beziehungsweise an die Lederer-Erben zu restituieren gewesen. Alfred Noll, damals Anwalt der Stiasny-Erben, sieht daraus aber keine rechtlichen Konsequenzen erwachsen. Da es sich bei der Restitution letztlich um eine Schenkung der Republik gehandelt hat, könne man keine Ansprüche stellen. Noll sehe sie jedenfalls nicht: "Aber ich habe auch mit diesen Mandanten keinen Kontakt mehr. Es ist lange her. Was man schon sagen kann: Es war eine Mehrzahl von Erben, die das Bild damals veräußert und den Verkaufserlös aufgeteilt haben." Wo sich das Gemälde heute befindet, ist daher noch unklar.

Noll sieht "keine Rechtsgrundlage für irgendetwas": "Das war ein Verfahren, das die Republik durchgeführt hat, ohne die Erben - die haben weder ein Antragsrecht noch ein Anhörungsrecht gehabt. Die Republik hat das ganz aus Eigenem gemacht, es gab eine Empfehlung des Beirates. Die Ministerin (Elisabeth Gehrer, Anm.)ist dieser Empfehlung gefolgt."


Drozda lässt Rechtslage prüfen
Kulturminister Thomas Drozda, der laut "Kurier" die Finanzprokuratur um Einschätzung der Rechtslage gebeten hat, sieht derzeit keine Ansätze für ein schuldhaftes Verhalten des Ministeriums. Noll pflichtet ihm bei: "Was damals gemacht wurde, entsprach dem Kenntnisstand, den der Beirat hatte. Sonst wäre er nicht zu diesem Ergebnis gekommen."

Das Problem in der Causa ist, dass es offenbar mehr "Apfelbaum"-Gemälde gegeben hat, als angenommen. Diesbezüglich hat Klimt-Experte Tobias Natter im Auftrag des Bundeskanzleramts ein Gutachten erstellt. "Manche sind heute verschollen, vor allem aber erhöhte sich die Zahl der ‚Apfelbaum‘-Bilder, weil etliche davon zwar von den Zeitgenossen als solche angesprochen wurden, doch tragen sie heute abweichende Bildtitel". Das ist nun auch dem aktuellen Bericht des Kunstrückgabebeirats zu entnehmen. Darin wird das Fazit gezogen, dass "Apfelbaum II" nicht als ehemaliges Eigentum von Nora Stiasny angesehen werden kann. Stattdessen sei das im Pariser Musee d’Orsay befindliche Gemälde "Rosen unter Bäumen" ihr zuzuschreiben. "Apfelbaum II" hingegen könnte, wie bereits einmal angenommen, aus der Sammlung Lederer stammen - aber auch das ist nicht gesichert.

Für Natter ist es letztlich nur konsequent, dass die Finanzprokuratur den Sachverhalt noch einmal prüft. Die entscheidende Frage dabei: "Gibt es die Möglichkeit einer Rückgabe, die eigentlich bestehen sollte? Es kann nicht sein", betont Natter, "dass sich das jetzt plötzlich in Luft auflöst und zwei grobe Irrtümer sich aufheben."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-07-14 16:27:06
Letzte nderung am 2017-07-14 16:30:48



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