• vom 11.08.2017, 17:49 Uhr

Kulturpolitik


Kunst-Eklat

Ein Blockbuster als Zoll-Zankapfel




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Diese Alternative scheint das Wiener Museum, jedenfalls anfangs, bevorzugt zu haben. In einer Mail an einen Belvedere-Mitarbeiter vom 9. März 2017 dankt ein chinesischer Logistiker für das eben geführte Telefonat und erläutert die Details zu diesem "zweiten Weg". Er antwortet zudem auf einen Wunsch, den der Belvedere-Mann offenbar geäußert hat. Leider - es sei nicht möglich, den Preis zu drücken. Der Vertrauensmann beim Zoll sei "nicht gewillt, den Betrag zu reduzieren, er denkt, dass er ein sehr hohes Risiko auf sich nimmt, um uns zu helfen, das Problem auszuräumen". Einige Stunden später bedankt sich der Museumsangestellte per Mail bei dem chinesischen Logistiker und schreibt: "Könntest du mich bitte wissen lassen, bis wann wir zahlen sollen."

Nun wurde es angeblich aber erst richtig kompliziert. Laut Informant vollzog das Belvedere zwei Tage später nämlich eine Kehrtwende und wollte nichts mehr wissen von dem "zweiten Weg". Der Logistikpartner vor Ort hätte diesen Plan aber schon erfolgreich in die Tat umgesetzt und wollte die dafür ausgelegten 22.000 Dollar refundiert haben - was das Belvedere angeblich strikt verweigerte.

Patt im
Container-Schach

Die Folge: eine Pattsituation. Die Container, so heißt es, steckten ab Anfang März in einem Lager von Tianjin, einer Hafenstadt vor Peking, fest. Zwar soll der Zoll das Frachtgut rasch freigegeben haben. Die Fronten aber waren verhärtet. Der chinesische Logistiker wollte angeblich nur liefern, wenn seine Geldforderung erfüllt würde. Die Belvedere-Mitarbeiter wiederum sollen auf die paktierte Zustellung an Tang Contemporary gedrängt und ihrerseits Druck gemacht haben: Das Kunstwerk drohe am Hafen zu verrotten und damit ein exorbitanter Schaden zu entstehen.

Die vierte Partei in diesem Patt: eine deutsche Speditionsfirma. Sie war vom Belvedere mit dem Transport zwischen Peking und Wien betraut worden; der chinesische Logistiker arbeitete ihr als Vertretung vor Ort zu. Diese deutsche Firma soll ab März angeblich die Lagerkosten in Tianjin gezahlt haben - angeblich freiwillig als Ausgleich dafür, dass ihr das fehlerhafte Datum im Zolldokument nicht aufgefallen sei. Diese Kompensation wurde aber teurer und teurer. Die Container prangten, wie es heißt, bis zum 9. Juni in Tianjin. Dann lieferten die Logistiker - je nach Lesart als Geste des guten Willens oder angesichts der Kosten - immerhin fünf der sechs Behältnisse an ihren Zielort.

Das Belvedere soll aber weiterhin nicht willens gewesen sein, der Geldforderung nachzukommen. Auch ein Kompromiss-Angebot änderte angeblich nichts. Der kolportierte Vorschlag: Die Bezahlung des "extra money" würde auf alle involvierten Parteien aufgeteilt, das Belvedere solle nur 5000 Dollar schultern. Doch auch das wollte das Museum angeblich nicht. Der sechste Container ist bis heute nicht an seinem Bestimmungsort bei Tang Contemporary angekommen. Die "Wiener Zeitung" hat der Galerie mehrmals Mails zu dem Thema geschickt - eine Reaktion blieb aus. Auf telefonische Nachfrage erklärte ein Mitarbeiter nur, "vielleicht wird das jemand prüfen und antworten".

Belvedere spricht von "erhöhten Zolleinfuhrkosten"
Bei der Geschäftsführung des Belvederes fragte die "Wiener Zeitung" am Freitag nach. Das Haus bestätigt Probleme bei der Wiedereinfuhr in China, stellt die Geschichte aber anders dar. Dass es zu Schwierigkeiten kam, sei die Schuld des chinesischen Logistikpartners, der die Frist für den erlaubten Ausfuhrzeitraum nicht verlängert habe. Das Belvedere spricht lediglich von "erhöhten Zolleinfuhrkosten", die Höhe des Betrags weist man zurück. Was das Belvedere bestätigt: Dass seit fast einem halben Jahr immer noch ein Ai-Weiwei-Container beim Frächter lagert. Aber: "Wir sind mit unserem Vertragspartner in laufenden Gesprächen und erwarten uns eine baldige Lösung."

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Dokument erstellt am 2017-08-11 17:54:08



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