• vom 30.11.2012, 17:45 Uhr

Kulturpolitik

Update: 30.11.2012, 17:48 Uhr

Roland Geyer

"Unverschämte Desavouierung"




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Von Christoph Irrgeher

  • Roland Geyer schießt nach Vorwürfen der Ex-Kammeroper-Leiter zurück
  • Der Leiter des Theaters an der Wien über den Belvedere-Gesangswettbewerb und die neue Kammeroper.

Wien. Nachdem das Theater an der Wien die Kammeroper übernommen hat, setzten deren Ex-Chefs diese Woche einen überraschenden Schritt: Das Finale des renommierten Belvedere-Gesangswettbewerbs, den das Team weiterhin veranstaltet, findet künftig nicht mehr in Wien statt. Roland Geyer, Chef des Theaters an der Wien, über vereitelte Pläne und die Zukunft der Kammeroper.

Kein "Big Brother" an der Kammeroper: Geyer.

Kein "Big Brother" an der Kammeroper: Geyer.© Priska Ketterer Kein "Big Brother" an der Kammeroper: Geyer.© Priska Ketterer

"Wiener Zeitung":Das Finale des Belvedere-Wettbewerbs soll nicht mehr in Wien, sondern "an den wichtigen Opernhäusern der Welt" stattfinden. War es unmöglich, sich mit Ihren Kammeroper-Vorgängern Isabella Gabor und Holger Bleck zu einigen? Letzterer sagt, er habe "Interesse in Wien vermisst" . . .


Roland Geyer:"Interesse in Wien vermisst" ist eine unverschämte Desavouierung des Kulturstadtrates. Ganz im Gegenteil: Es gab schon Ende 2011 eine Absprache zwischen Bleck, Gabor, Stadtrat Andreas Mailath-Pokorny und mir, dass 2013 - zum 60. Geburtstag von Hans Gabors Gründung - der Wettbewerb weiter in Wien durchgeführt werden sollte und ab 2014 dieser vom Theater an der Wien veranstaltet wird. Es gab dabei sogar Überlegungen, dass Frau Gabor Ehrenmitglied des neuen Wettbewerbs sein soll. Im Spätfrühjahr hat sich dann aber schon gezeigt, dass Bleck und Gabor still und heimlich den Wettbewerb aus Wien fortschaffen wollen. Mehrere Gesprächsversuche von Sebastian Schwarz (dem neuen künstlerischen Leiter der Kammeroper) haben diese freundlich lächelnd unbeantwortet gelassen.

Veranstaltet das Theater an der Wien trotzdem ab 2014 einen eigenen Wettbewerb, wie Sie ankündigten?

Ja, wir arbeiten bereits an einem neuen Konzept.

Als Ihr Haus heuer die Kammeroper übernahm, hatten manche den Eindruck, die Bühne am Fleischmarkt wäre gekapert worden.

"Ich bin der Usurpator." - Mit dem Satz kann ich leben. Wobei ich nicht sagen will, dass ich das wirklich bin. Die Situation war simpel: Durch den Rückzug des Bundes als Subventionsgeber war die Kammeroper dem Tod geweiht. Das hatte noch nichts mit mir zu tun. Bleck hatte zwar die Idee, das Haus mit freien Gruppen zu bespielen. Das Modell war am Papier interessant, hätte real aber nie stattgefunden. Finanziell wäre sich das nie ausgegangen. Es gibt nur wenige, die über eine mehrjährige Förderung verfügen. Dadurch hätte man wieder das gleiche Problem gehabt: eine ungesicherte Finanzierung. Es würde sofort ein Loch in die Finanzen reißen, wenn die erhoffte Förderung für eine freie Gruppe nicht kommt. Vor zwei Jahren, als klar war, dass sich der Bund zurückzieht, kam Mailath-Pokorny zu mir und fragte, ob ich eine Idee habe. Da hab ich gesagt, ich suche schon seit 2006/07 nach einem zweiten Spielort, und Wien fehlt ein junges Opernensemble.

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Dokument erstellt am 2012-11-30 17:32:04
Letzte Änderung am 2012-11-30 17:48:37



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