• Artikel vom 16.06.2011, 18:19 Uhr

Kunst

Update: 19.06.2011, 13:15 Uhr
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Ausstellung: Gilbert & George Jack Freak Pictures

Ein herrlicher Exzess an Farben und Formen



Linz. (mj) Es sind gewaltige Bildexplosionen, mit denen Gilbert & George das Linzer Publikum im Lentos Kunstmuseum konfrontieren. "Jack Freak Pictures" titelt die 153-teilige, bislang umfangreichste Werkgruppe jenes britischen Duos, das seit den späten 1960ern mit seinem Credo "Art for All" die Kunstwelt erobert. Als "Living Sculptures" und "Singing Sculptures" wurden sie damals bekannt.

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78 großformatige, detailreich und farbstark collagierte Tafeln aus dem Zyklus sorgen nun für den visuellen Overkill im großen Saal des Lentos. Davor war die Schau in umfangreicherem Ausmaß in den Hamburger Deichtorhallen zu Gast. Dem Union Jack, der Flagge Großbritanniens, begegnet man in dieser Ausstellung in variantenreicher Ausprägung: Mal fungiert er als Straßenbelag oder Mauerziegel, mal als Stadtplan, abstraktes Hintergrundmotiv oder Medaillenherz. Als Symbol britischen Nationalstolzes, aber auch als ein im Kontext von Moden und Subkulturen entleerter Zeichenträger findet sich das blau-rot-weiße Mehrfachkreuz auf den herausgestreckten Zungen der Künstler ebenso wieder wie auf deren Anzügen. Gilbert & George inszenieren sich in dieser wie in früheren Serien als Schöpfer einer Welt, die kaum etwas ausschließt. Selbst Jesus bekommt in diesem Kosmos statt des Lendenschurzes die Fahne umgehängt und mutiert so scheinbar zum Symbol für die Verschwisterung von Staat und Kirche.

Freakshow voller Grotesken

Hölzern tänzelt das Anzugduo an anderer Stelle durch sein computergeneriertes Universum, das in der Realität kaum über die Grenzen des eigenen Viertels hinausreicht. Das Konzept der lebenden Skulpturen gelangt in den Bildern, deren Rasterstrukturen an Kirchenfenster erinnern, zur Höchstform: Monströs verformt treten die Gesichter und Körper von Gilbert & George in Erscheinung, verschmelzen mit diversen Versatzstücken im Bild, allen voran dem Union Jack.

Im Gegensatz zu früheren Zyklen umschiffen die Künstler in ihrer aktuellen Präsentation Themen wie Rassismus oder Sex. Katholizismus und Nationalstolz erscheinen als das vordergründige Angriffsziel in den "Jack Freak Pictures". Eine kritische Reflexion über Religion und Nationalismus mag sich dennoch nicht einstellen. Vieles gerinnt hier zum reinen und durchwegs herrlichen Exzess von Formen und Farben, zur Freakshow voller Grotesken und Absurditäten. Die Auseinandersetzung mit dem Chaos des Lebens selbst kommt angesichts dessen allerdings ziemlich geglättet daher.

Ausstellung

Gilbert & George Jack Freak Pictures

Lentos Kunstmuseum Linz

Bis 9. Oktober




Schlagwörter

Ausstellung, Kunst, Lentos

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2011-06-16 18:19:26
Letzte Änderung am 2011-06-19 13:15:48



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Siehe auch: http://bit.ly/JrMvnU

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