Für Kurator Moritz Küng gibt es eine fünfte Moderne und die Secession hat eine fünfte Stütze im Hauptraum. So punktgenau als möglich landet er mit einer Gruppe von zehn Künstlern zwischen den Zeiten und Ausstellungen, die der Kunsttempel erlebt hat.
Die Renovierung des Hauses in den Jahren 1985/86 spielt eine Rolle, denn damals entstanden die von Architekt Adolf Krischanitz entworfenen vier Säulen im Hauptraum aus Chromstahl mit unterem Messingabschluss. Das Zitat nach Otto Wagner wie seinem Schüler Josef Maria Olbrich war im White Cube später störend, wurde verbaut und war ab 1991 weiß überstrichen. Zur Revitalisierung lässt Küng als fünfte Säule schwarze Doppelstäbe von Peter Downsbrough mitwirken.
Dazu wird die Personale von Heimo Zobernig 1995 mit einer erst heute vollendeten Skulptur aus dem Spanplatten-Display des Hauses zitiert, sowie sein vom Vorstand abgelehntes Logo von 1992 "Sezession" (nach Friedrich Kiesler) am Katalog. 1998 kam der Schriftzug einmal einen Katalog von Herbert Brandl zur Anwendung - dieser wird im Grafischen Kabinett neben Künstlerbüchern von Downsbrough und einer Vitrine von Joëlle Tuerlinckx zu einer Performance im November präsentiert. Tuerlinckx lässt im Hauptraum ein Blitzlicht in Kadenzen aufleuchten und hat Wandmalereien im ganzen Haus vorgenommen, die wie die "Schattenecke Superwhite" oder die Teefarbe zu Krischanitz Planzeichnung der Säule immer wieder mit dem Haus und den anderen Projekten korrespondieren.
Irreale Atmosphäre
Guillaume Leblon zieht eine Kante der Apsis mit Messingfarbe als "Correction" nach und legt einen großen Teppich in blauer Industriefarbe, weiß bestrichen und gefaltet, in den Hauptraum. Er verweist auf die Teppichwurst, die auf dem Foto der Beteiligten der Beethovenausstellung von 1902 zu sehen ist, und soll die Hartkantigkeit der Architekturtheorie nach Küng abschwächen. Luz Broto gibt dem Hauptraum Außentemperatur, um Kunst und Leben zu vereinen. Dora Garcia schreibt mit goldenen Lettern "Die Zukunft muss gefährlich sein" an die Wand - ein Verweis auf den Slogan des Hauses und wohl auch auf dessen Demontage durch die Nationalsozialisten.
Der Kunst ihre "Konstellation" schenkt in besonderer Weise Cerith Wyn Evans mit seinen Mobiles, von der Decke hängenden, verchromten Tonskulpturen. Das fließende Remix an verschiedenen Musikstücken (wie Johann Strauss verkehrt herum) gibt als unfassbarer Ton dem Raum eine irreale Atmosphäre. Im Keller montiert Evans eine kleine Neonskulptur auf Tuerlinckx Silberwand: "Sozusagen" verbindet die kuratierten mit den im Haus vorhandenen Zusammenhängen und weist uns klar in die Schranken von Spiel und Sprache: alles ist subjektiv - wie die Secession sich in persönlichen Blicken spiegelt. Ferdinand Schmatz beweist dies im Katalog. Die Katalogfotos stammen von Margherita Spiluttini, die Fotografin hat das Haus seit 1986 dokumentiert. Der Mensch als Lampenschirm ist Zobernigs Ironie auf die kunstsoziologischen Beobachtungen, die in Küngs "fünfter" Moderne angekommen sind.
Was eine Retrospektive zum 70. Geburtstag des Malers und Fotografen Manfred Bockelmann werden sollte, reduziert sich jetzt auf zwei Serien mit...weiter
"Die Arbeit mit Papier ist ein starkes sinnliches Erlebnis. Beim Illustrieren ist es ähnlich; verschiedene Techniken erfordern verschiedene...
weiter
"Die Künstlerin geht in ihrer zeichnerischen und skulpturalen Arbeit meist von vorgefundenen Materialien und Objekten aus...
weiter
"Erst im Licht- oder Elektronenmikroskop zeigt sich diese verborgene kleine Welt in ihrer wahren Größe und Formenfülle...
weiter