• vom 16.11.2011, 17:10 Uhr

Kunst

Update: 16.11.2011, 17:32 Uhr

"Der Kompass im Auge": Reisefotos von Henri Cartier-Bresson im Kunst Haus Wien

Mit Kopf, Herz und Linse




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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

"Der entscheidende Augenblick": Die Reisefotos im Kunsthaus zeigen Henri Cartier-Bresson von einer weniger bekannten Seite. Im Bild: "USA, 4. Juli 1947, Unabhängigkeitstag".

"Der entscheidende Augenblick": Die Reisefotos im Kunsthaus zeigen Henri Cartier-Bresson von einer weniger bekannten Seite. Im Bild: "USA, 4. Juli 1947, Unabhängigkeitstag".© ©Henri Cartier-Bresson / Magnum "Der entscheidende Augenblick": Die Reisefotos im Kunsthaus zeigen Henri Cartier-Bresson von einer weniger bekannten Seite. Im Bild: "USA, 4. Juli 1947, Unabhängigkeitstag".© ©Henri Cartier-Bresson / Magnum

Er galt als das "Auge des Jahrhunderts", der Fotograf Henri Cartier-Bresson (1908-2004), der als Industriellensohn sein Erbe ausschlug und zum Rebellen und Künstler wurde. Nach einem Studium der Malerei bei dem Kubisten André Lhote, trat er den Surrealisten bei und begann 1931 in Afrika zu fotografieren.

Information

Bildende Kunst
Henri Cartier Bresson:
Der Kompass im Auge
Kurator: Andreas Hirsch
Kunst Haus Wien bis 26. Februar


Dazu war er Filmregisseur, assistierte Jean Renoir. Ab 1966 war er fast ausschließlich als Zeichner tätig und nur mehr selten für die von ihm mitbegründete Fotoagentur Magnum. Die Agentur von Weltruhm und seine Stiftung existieren noch heute und sind auch Leihgeber für etwa 214 Fotoabzüge aus fünf Jahrzehnten.

Fotografie als Waffe
Das Kunst Haus Wien konzentriert sich mit der Ausstellung "Henri Cartier-Bresson: Der Kompass im Auge" auf drei Reisedestinationen des auch politisch engagierten Fotografen - Amerika, Indien und die ehemalige Sowjetunion. Mehrmals bereiste der wohl bekannteste Fotograf der klassischen Moderne diese Länder und dokumentierte das Leben in allen Facetten. Es ging ihm nicht um technische Präzision, sondern um die Menschen. Deshalb blieb er für Zeitungsreportagen immer mehrere Monate im Land. Seine Kamera war klein und stets griffbereit, um einen Augenblick festzuhalten.

Die Pressefotografie war für Cartier-Bresson auch eine Waffe gegen den Faschismus, dem er als Kommunist seit dem spanischen Bürgerkrieg entgegentrat. Für sein Engagement wurde er im Gefängnis Ludwigsburg inhaftiert und verbüßte eine dreijährige Gefängnisstrafe, 1943 gelang sein dritter Ausbruchsversuch.

Während zahlreicher Amerikareisen ab 1935 entstanden einige seiner wichtigsten Porträts: Der nachdenkliche Martin Luther King, die Autoren Ezra Pound, Truman Capote oder William Faulkner, der Physiker Robert Oppenheimer, Marilyn Monroe am Filmset von "Misfits", der Plastiker Alexander Calder oder der Musiker Igor Strawinski.

In der Nachkriegszeit entstanden berühmte Aufnahmen, in denen er die Armut in den USA dokumentierte. 1968 setzte er sich unter dem Titel "Man and Machine" mit den ersten Computern in Cape Canaveral auseinander. In Amerika machte Henri Cartier-Bresson Karriere durch Ausstellungen im New Yorker Museum of Modern Art (Moma) und gründete Magnum im Café des Museums mit seinen Kollegen Robert Capa, David Seymour, William Vandivert und George Rodger.

Seine wohl intensivsten Aufnahmen gelangen Cartier-Bresson jedoch in Indien. Die Hoffnung auf eine friedliche Politik durch Mahatma Gandhi zog ihn an, er dokumentierte etwa auch dessen gewaltsamen Tod. Weiters widmete er sich in feinsinnigen Beobachtung dem Alltagsleben indischer Frauen, die verschiedenen Religionen angehören. Er selbst neigte zum Zen-Buddhismus, wie übrigens viele Künstlerkollegen der Moderne.

Der Mensch vor der Kamera
1954, nach dem Tod Stalins, bereiste er zum ersten Mal die Sowjetunion. Er nahm die Propagandabilder auf, besuchte Museen in Leningrad und lichtete das karge Dasein in den Gebieten bis zum Kaukasus ab. 1971 kehrte er zurück, um sein Bild zu erneuern.

Er erhob in seiner Arbeit den Anspruch, mit der Kamera Kopf, Herz und Auge auf eine Linie zu bringen. Sein Ausspruch, "your compass must be in your eye", gab der Ausstellung den Titel, reduziert seine Haltung aber zu sehr auf das Technische, wobei dem französischen Staatspreisträger für Fotografie Perfektion gewiss nicht fremd war. Seine oft schwarz umrandeten Aufnahmen archivierte er in strenger Auslese.

Doch sein eigentliches Interesse galt dem Menschen vor der Kamera. In seinen klaren Perspektiven schwingen daher Humor und Melancholie mit.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2011-11-16 17:17:20
Letzte Änderung am 2011-11-16 17:32:52



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