Seit 15 Jahren arbeitet der Kurator Florian Steininger mit dem Künstler Herbert Brandl an einer großen Werkschau, die nun endlich im Kunstforum der Bank Austria zu sehen ist. Die Ausstellung bringt zusätzlich zu 60 Werken, die seit den 1980er Jahren entstanden sind, eine Reihe von eigens für das Kunstforum gemalten monumentalen Formaten. Diese Bilder sind raumgreifend und fügen sich harmonisch in den Ausstellungsraum.
Ein gewisser Überraschungseffekt gelingt Brandl mit kleinen Skulpturen, die nicht zufällig bis auf zwei seltsame Raubtierwesen von 2011 gemeinsam mit Franz West entstanden sind. Das betont coole Outfit des Künstlers auf Katalog, Plakat und Einladung ist eine Montage von Loys Egg und vermittelt erst auf den zweiten Blick eine darin mitschwingende ironische Anspielung auf die Metapher der "Malerpratze".
Postmoderner Faktor
Im Hintergrund das vier Meter hohe Gemälde von 2008 mit dünn aufgetragener, zuweilen fast lasierender Malerei in breitem Pinsel, ein Farbfeld von leuchtendem Rot auf Schwarz, das in Wien für Kunsthistoriker sofort die Verbindung zu einem Doppelporträt von Peter Paul Rubens im Kunsthistorischen Museum herstellt. Spanische Hoftracht vor glühendem Rot. Es sind jedoch keine Erinnerungsbilder mit weggelassenen Figuren. Brandl nennt seine Variante "Gefundenes", ein Reiz, der von intensiv Gesehenem bleibt.
Diese Reize lösen bei ihm viele alte Meister aus, neben Tizian Goya und El Greco, neben Veronese, William Turner und August Strindberg auch Albrecht Altdorfer. Die früheren weißen Gemälde und auch die Phase der dunklen Kompositionen können aber ebenso Verwandte im abstrakten Expressionismus finden sowie bei Namen wie Per Kirkeby und Gerhard Richter. Doch ist dies nur der postmoderne Faktor, Bezüge nicht mehr abzustreiten, da genug Eigenes bleibt.
Selbst die frühe, rotzige Serie der Sonnenblumen nach Vincent van Gogh zeigt eher eine Zeitbezogenheit auf die Aktionisten - auch Otto Muehl malte nach Van Gogh - als auf den "alten Wilden". Das "Neuwilde" war zu Beginn bei Brandl eine Konfrontation mit der Dichte der Farbpaste, mit dem Bild als Objekt, mit dem Hang zum Zwitter, auch kombiniert mit Holzobjekten wie im "Primitivismus".
1986 zeigen sich in der dichten, trockenen, rauen Maloberfläche dann die ersten bergartigen Landschaftssujets, als er noch Wests disparaten Objekten Farbe verpasste. Die eigentliche Serie der bekannten Bergmotive, nicht vor Ort, sondern nach Fotos gemalt, kamen später, ab 2000, als sich immer konkretere Gipfel aus der Farbmaterie herausschälten. Damit ging er auf die Biennale nach Venedig, nachdem er mit den frühen Farbfeld- und Flecken- wie Spurenbildern auch 1992 auf der Documenta IX in Kassel vertreten war. Auch im Kunstforum sind die Berge so eindrucksvoll wie zahlreich.
Der 1959 in Graz geborene Brandl hatte das Glück, an der Angewandten prägenden Persönlichkeiten zu begegnen, die ihm - aufgestiegen in die internationale Kunstszene - immer die Treue hielten. Diese Zugehörigkeit zu einer wichtigen Seilschaft soll seine hohe Qualität als Maler nicht schmälern, aber beide Seiten befinden sich natürlich im sicheren Fahrwasser: der Künstler und das Kunstforum. Zum Gipfel der Kunstberge aufzusteigen würden auch weniger bekannte verdienen, wie Martha Jungwirth, Thomas Reinhold und Helmut Swoboda, deren Werke ebenfalls zwischen Abstraktion und Figuration changieren. Doch das Glück ist in Österreich bekanntlich ein Vogerl. So sieht sich Brandl auch mit bösem Humor als den Berg besteigenden Seher mit ständiger Gefahr, vom Gemälde "abgeworfen" zu werden. Doch erst einmal hat er die Malerei mit seiner Abneigung des Mittagslichts ein Stück weiter geführt.
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