• vom 14.02.2012, 17:30 Uhr

Kunst

Update: 14.02.2012, 17:33 Uhr
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Anlässlich des 80. Geburtstags von Gerhard Richter zeigt die Neue Nationalgalerie in Berlin eine Werkschau

Die Zukunft bringt kleine Bilder


Von Stefan May

Kein Schiff, nur Himmel und Meer, die Orientierung geht verloren: Gerhard Richters "Seestück (See-See)" aus dem Jahr 1970.

Kein Schiff, nur Himmel und Meer, die Orientierung geht verloren: Gerhard Richters "Seestück (See-See)" aus dem Jahr 1970.© bpk / Nationalgalerie im Hamburg Kein Schiff, nur Himmel und Meer, die Orientierung geht verloren: Gerhard Richters "Seestück (See-See)" aus dem Jahr 1970.© bpk / Nationalgalerie im Hamburg

Schon die Pressekonferenz war ein Indikator des Interesses: Es waren mehrere hundert Medienvertreter, die sich zur Vorstellung der Schau in der Berliner Neuen Nationalgalerie drängten. Immerhin geht es um Deutschlands wohl bedeutendsten lebenden Maler. Am 9. Februar ist er 80 Jahre alt geworden. Aus diesem Grund wird ein Querschnitt seines Schaffens gezeigt: Abstrakt und figural, jenes Nebeneinander in seinem Schaffen, für das Richter bekannt ist. 140 Gemälde und einige Installationen werden gezeigt.

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Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit dem Centre Pompidou und der Tate Modern erarbeitet. In Berlin, Paris und London, den Stationen der Schau, werden die Werke in jeweils unterschiedlichen Bezügen zueinander zu sehen sein, wie die Kuratorin Dorothée Brill, ankündigte. In Berlin sei der Dialog mit der Architektur der von Mies van der Rohe geschaffenen Nationalgalerie wichtig: "Das bedeutet: nicht zu viele Räume und Abteilungen", sagte Brill.

Monochrome Bilder und Quasi-Fotografien
Und so ziehen sich, wie in einem Schaufenster oder als Fries, entlang der mächtigen Fenster des Museumskubus über 200 Meter Länge die "4900 Farben", aus Farbquadraten wie Pixelbilder bestehende Quadratbilder, und korrespondieren mit den streng geometrischen Linien der Stahlkonstruktion. Wer in den Ausstellungsraum tritt, begegnet unmittelbar den jüngsten Werken von Gerhard Richter: Silbern leuchtenden Tafeln, als wären sie abgeschabt worden.

Zwischen einzelnen Monochromen hängen die typischen figuralen Arbeiten: Ob es das Vermeer-Zitat der "Briefleserin" ist oder das "Waldhaus" von 2004, sie ähneln Ausblicken unter Tränen oder durch beschlagenes Glas, aber auch verschwommenen Fotografien.

Letzteres trifft besonders für seine 15-teilige Serie "18. Oktober 1977" zu, seinen bekanntesten Zyklus mit schwarz-weißen Bildern der RAF-Täter, der auch als eine neue Form der Historienmalerei bezeichnet wird. Aus diesem Grund sind diese Bilder gleichzeitig zur Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie in der Alten Nationalgalerie zu sehen.

Ob ihn diese Auslagerung störe? "Nee", sagt der 80-jährige Künstler. "Das ist ja ganz nahe dran. Mit dem Taxi ist man in zehn Minuten dort." Gerhard Richter scheint bei der Präsentation im Blitzlichtgewitter fast unterzugehen. Was er denn zu all den Lobeshymnen über sich sage? "Missachtet zu werden, wäre auf jeden Fall schlimmer", meint er. Ob ihm die Bilder, auf denen Frau und Tochter abgebildet sind, besonders nahestünden? Richter lacht kurz sein oft zitiertes keckerndes Lachen und sagt: "Die Bilder gehören mir gar nicht, aber ich mag sie." Einige ganz besonders in der Ausstellung, etwa das "Gehöft": Ein kleines Bild von 1999, strenge gerade Strukturen bäuerlicher Architektur, die sich in den linear gezeichneten Baumstämmen daneben fortsetzen.

Bilder für einen zweiten Blick
In Zukunft werde er nur noch kleine Bilder malen, kündigt Richter noch an. 6 von 42 Bildern hinter Glas aus dem Jahr 2010 sind tatsächlich so etwas wie Miniaturen der Ausstellung. Richter ist ein Künstler des zweiten Blicks, man muss sich, wie es der Direktor der Nationalgalerie, Udo Kittelmann, gesagt hatte, auf seine Werke einlassen: So schälen sich erst langsam die beiden Tiere aus dem Bild "Tourist (mit zwei Löwen)". Auch der "Spiegel", der fürs Erste auch von Ikea stammen könnte, wirft bei längerem Betrachten unmerklich Wellen. Selbst vor dem "Seestück" von 1970 - grauer Himmel über grauem Meer, beides windzerzaust, kein Land in Sicht, kein Schiff, kein Anhaltspunkt - lässt sich lange verweilen.

Ob es die "ägyptische Landschaft" (1962) ist, deren Unschärfe den vier Bildern etwas von vergilbten Ansichtskarten gibt, oder die "Mustang Staffel" von 1964, quer über den Himmel jagende Flugzeuge, die ein schwindelerregendes Raumgefühl erzeugen: Gerhard Richter lässt sich nicht festmachen, ist ein Meister des Variantenreichtums - nachzuprüfen ab sofort in Berlin.

Ausstellung
Gerhard Richter: Panorama Neue Nationalgalerie Berlin
Bis 13. Mai




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-02-14 16:08:07
Letzte Änderung am 2012-02-14 17:33:04


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