• vom 10.04.2012, 18:00 Uhr

Kunst

Update: 10.04.2012, 18:01 Uhr
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Museum Gugging zeigt "Weltallende", eine große Personale zu August Walla (1936 bis 2001)

Götterland im eigenen Universum


Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Symbol-Mischmasch: August Wallas "Zwei Engel" aus dem Jahr 1986.

Symbol-Mischmasch: August Wallas "Zwei Engel" aus dem Jahr 1986. Symbol-Mischmasch: August Wallas "Zwei Engel" aus dem Jahr 1986.

"Der Gott der Finsternis ist ein Nachtgott, aber kein Todesgott, vor Welt warn keine Seelen auch kein Gott!", schrieb August Walla (1936 bis 2001) fast beschwörend gegen die Lehren der Kirche und seine Todesangst auf eine seiner zahlreichen Arbeiten. Seine Mutter hatte ihn im Krieg als Mädchen verkleidet, weniger wegen der Bedrohung der Nationalsozialisten gegenüber Behinderten, sondern wegen ihrer Angst vor dem Kriegseinsatz von Kindern. Erst in der russischen Besatzungszeit wurde Walla zum Buben und erklärte sich das als Geschlechtsumwandlung. Deshalb ist das Hakenkreuz Zeichen für Weiblichkeit, Hammer und Sichel steht für die Männlichkeit.

Information

Ausstellung
august walla.! weltallende
Johann Feilacher (Kurator)
Museum Gugging
bis 28. Oktober

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Er trieb sich in der Au und durch Klosterneuburg mit seinem Holzwagen voller bemalter Donaukiesel herum, bemalte auch Bäume und Straßen, Wände und Zimmer. Die Ausstellung "Weltallende" versucht dem gerecht zu werden und integriert auch seine eigenwilligen Fotografien und Aufnahmen seiner Graffiti-Tätigkeit, sogar ein Stück Asphalt, das er bemalt hat, wurde integriert.

Art-brut-Künstler mit Wandertrieb
Der Art-brut-Künstler kam 1983 nach Gugging, wo ihm Leo Navratil ein Zimmer zur Verfügung stellte. Ganz konfliktfrei kann es aber mit seinem Aufenthalt nicht immer gelaufen sein, denn manche seiner Schriften verraten Spannungen - Wallas Wandertrieb ließ ihn wohl nicht zur Ruhe kommen. In Gugging entschied man sich schließlich auch, seine alte Mutter aufzunehmen.

Unermüdlicher Schaffensrausch

Am Zeichentisch: August Walla 2001.

Am Zeichentisch: August Walla 2001. Am Zeichentisch: August Walla 2001.

Was Walla in 3000 Zeichnungen, 100 Leinwänden und Räumen wie auf meist hölzernen Sammelgegenständen festhielt, erstaunt immer wieder. Das "Wallaland am Planet Merkurius" hat oft Ähnlichkeiten mit Klosterneuburg, selbst die Kaiserkrone am Stift taucht auf. Unter allen bunten Farben, deren Einsatz er ebenso virtuos beherrschte wie den formalen Wechsel von abstrakt zu figürlich, von Schrift und Bild, war ihm Rosa am liebsten. In einem unermüdlichen Schaffensrausch malte er alles zu, ein "all over" ähnlich amerikanischer Gegenwartskunst, aber auch antiker "Horror vacui". Dazu mischte er aktionistisch Körperflüssigkeiten, aber auch Milch und Honig mit Pigmenten. "Lulumilchloser Doppelbube" und "Brunzhonig" erzählen davon.

Walla schockte seine Umgebung auch mit Nacktläufen und Körpergeräuschen; mit seinen Kollegen Johann Hauser und Hans Garber lieferte er sich malerische Revierkämpfe. Dann wurde Garber zum Teufel mit Doppelpenis - zu sehen auf einem bekannten Bild; die drei Streithähne wurden unter Navratil und Nachfolger Johann Feilacher eine Weltmarke in Sachen Kunst. Die Preise für Originale Wallas sind heute noch enorm. Sammler wie Helmut Zambo liehen daher ihre früh erworbenen Hauptwerke.

Informationsmix als persönlicher Kosmos
Viele Wiener Künstler der Nachkriegszeit kamen nach Gugging und nahmen sich die Frische und den Schaffensdrang der Art- brut-Künstler Künstler zum Vorbild - Arnulf Rainer oder Peter Pongratz sind da zu nennen. Walla war nicht ungebildet, er vermischte aber Informationen aus Kirche, Politik und Wissenschaft mit Alltagsproblemen und Werbung zu einem unvergleichlichen persönlichen Kosmos, in dessen Mittelpunkt er als zweiter Jesus, als "Christkind Walla" neben seiner Mutter, die er mit Bannspruch verjüngen wollte, aber auch "Adolfe" (Hitler) auftaucht. Da es keinen Vater gab, war die Stimme des Diktators im Radio Ersatz. Hakenkreuz und das Sowjetsymbol von Hammer und Sichel mengte er umgedeutet seinen Selbstdarstellungen und Götterfiguren wie Igel, Zebra, Hasen oder Bisamratten bei.

In seinem Götterhimmel gibt es Zeuss, Woddan, Saboth, Schiwa und Allah und er erfand sich einen Gespenstergott Kappar und einen Weltallendegott Sattus. Als "Glücksteufel" ist er fast so variationsreich wie die alten Ägypter. Dazwischen tauchen Bundespräsident Franz Jonas, ein Kochrezept oder auch die Satanspolizei auf.

Alles das passierte im "Hexenhaus von Oberhofrat, der ein Zauberer" - so seine berührende Widmung an Navratil, den er daneben auch ironisch als "Hofratius" neben "Meffisto Walla" und Nietzsches Übermensch stellte. Aneignungskunst übte er mit Albrechts Dürers Nashorn-Holzschnitt und der Melancholie. Da hätte der Nürnberger Meister wohl gestaunt, was Walla alles zu ihm einfiel.

Das Museum Gugging veranstaltet am 24. Juni ab 10 Uhr ein Walla-Fest bei freiem Eintritt, mit Führungen, Kinder-Workshops, Kulinarischem à la Walla, Musik und der Uraufführung des Walla-Hörspiels "Gott ist brav - Zauberrevolfer" von Krok und Petschinka. Ein eigener Shuttle-Dienst soll "Wallafahrer" aus Wien nach Gugging bringen.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-10 16:17:08
Letzte Änderung am 2012-04-10 18:01:02


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