Der Name klingt zwar nicht danach, doch Wilhelm Sasnal ist Pole. Sein Studium an der Kunstakademie in Krakau hat der heuer 40-Jährige 1999 abgeschlossen.
Dass er von der Kritik auch schon mal als eine Art polnischer Roy Lichtenstein wahrgenommen wird, mag an manchen seiner Motive liegen. Es hat wohl auch mit der seit jeher ausgeprägten polnischen Orientierung in Richtung Westen zu tun. Was immer schon auch die USA einschloss. Gleichwohl besteht Sasnal in seinen Bildern vor allem auf der Malerei und ihren Möglichkeiten, auf die Welt zu reagieren.
Aus dem Alltagsleben
Sicher werden da triviale Vorlagen aus dem Alltagsleben ebenso zum Bildmotiv wie die entsprechenden Angebote von Massenmedien in ihrer ganzen modernen Bandbreite, vom Comic über klassische Pressefotos bis hin zum World Wide Web. Bei Sasnal führt das Spiel mit diesen Vorlagen aber nicht zu einem Rückzug von den historischen Wunden, die etwa der Krieg oder der Holocaust im kollektiven Bewusstsein hinterlassen haben, oder von aktuellen politischen Fragen.
Ebenso subversiv wie spektakulär sind beispielsweise seine "Maus"-Bildnisse ("Maus" 1-5, 2001), mit denen sich der Maler auf den Tier-Comic bezieht, in dem Art Spiegelman die Juden als Mäuse, die Nazis als Katzen und die Polen als Schweine darstellte und damit die bis dahin von den Polen reklamierte exklusive Opferrolle erstmals provozierend in Frage stellte. In der Ausstellung finden sich aber auch aktuelle, vor allem kleinformatige Bilder aus dem letzten Jahr wie "Gaddafi" 1-3, die das Ende des Despoten belegen, oder eine kleine Serie über den legendären Kardinal Wyszynski (2005), gleich neben dem mit dickem grünen Pinselstrich verblüffenden "Shoa (Forest)" (2003).
Mehr als ein Gedankenspiel
Für Sasnal ist Malerei erklärtermaßen mehr als nur ein Gedankenspiel. Das Aufgreifen gesellschaftspolitischer Themen gleitet dabei nie in eine laute plakative Botschaften-Kunst ab, sondern bleibt souverän bei einer ästhetisch moderaten Lautstärke.
Mit der großzügig gehängten Auswahl von über 60 der im letzten Jahrzehnt entstanden Werke gibt das Münchner Haus der Kunst einen imponierenden Überblick über ein Schaffen, bei dem die gedämpfte Farbigkeit und der zu Abstraktion und Vereinfachung tendierende Strich zwar eine Art Kontinuum sind, in dem sich aber zugleich auch stilistisch ganz unterschiedliche Einflüsse und Inspirationen niederschlagen. Dass jeder Maler auf den Schultern seiner Vorgänger steht, versucht Sasnal nicht zu verheimlichen, sondern thematisiert es in unmittelbarer Auseinandersetzung. Das schließt auch ganz klassische Porträtstudien ein, die wie bei den Meistern seiner Zunft auch seine eigene Familie nicht auslässt.
Die von der Londoner Whitechapel Gallery übernommene Ausstellung belegt, wie autonom sich die Malerei in verschiedenen Handschriften fortschreibt, sie erinnert aber auch daran, dass Polen mitten in Europa liegt.
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