Frankfurt. Ein wenig geht es dem Frankfurter Städel Museum wie einem seiner Hauptwerke, dem Goethe-Porträt von Tischbein - Andy Warhol hat es 1982 vierfach interpretiert. Das Gebäude bekam 1878 einen Gartenflügel, dann 1990 den Zubau von Gustav Peichl, und nun wurde eine unterirdische Halle unter dem Garten 2009 bis 2012 vom Frankfurter Architektenteam schneider+schumacher realisiert. Die Werke der Gegenwartskunst für diese "weiße Stadt unter der Erde" füllen Listen mit mehr als 20 Seiten und das flexible Galeriesystem für deren Hängung schuf das bekannte Architekturbüro Kuehn Malvezzi.
Spendenaktion
In Wien, aber auch in anderen deutschen Städten, können Museen von einem solchen 52 Millionen Euro teuren Projekt nur träumen, auch davon, die Hälfte aus privaten Mitteln zu bekommen: Frankfurts Bürgerengagement kommt nicht nur von Bankern und Unternehmern, sondern von vielen kleinen Spenden über Aktionen in Schulen und Bars, das Signet nach außen waren gelbe Gummistiefel. Direktor Max Hollein wird nachgesagt, angesichts der mit Baubeginn eingetretenen internationalen Finanzkrise bei seinen zahlreichen Mäzenen besonders hartnäckig gebettelt zu haben - das für die Stadt legendäre Bürgerbewusstsein für Kultur nahm jedenfalls zu. So konnten mit Wiener Charme in Frankfurt auch besondere Leihgaben von Raffael oder Guercino privaten Sammlern entlockt werden.

Mit Sylvia von Metzler machte Hollein eine Bankerin zur erfolgreichen Leiterin des Museumsvereins, in dem nach ihr benannten Raum sind die Spender in eine Tafel eingeschrieben, Hertie bekam in den Gartenhallen einen eigenen Schriftzug im Boden. Die Deutsche Bank gab 2008 bereits 600 Werke aus ihrer Sammlung der Gegenwartskunst als Dauerleihgaben - dabei klingende Namen wie Georg Baselitz, Joseph Beuys, Anselm Kiefer oder Gerhard Richter. Dazu kommen 220 wichtige Fotografien von Olafur Eliasson, Jeff Wall, Andreas Gursky oder Cindy Sherman aus der Deutschen Zentralbank.
Ein Teil der Leihgaben wird in der spektakulär-schlichten weißen Kunstgrotte unter 195 Oberlichtern einer auf zwölf Stützen geschwungenen Decke medial gemischt. Ihre organische Abrundung ermöglicht besonderen Lichteinfall für die Blickgassen in die zweite Moderne ab 1945. Kurator Martin Engler beginnt mit Wilhelm Nays "Rotklang" und Josef Albers Hommage an das Quadrat als Wegbereiter und streicht die geometrisch-kontruktivistische Strömung neben der körperbetonten abstrakten Malerei des Informel hervor.
Fortgesetzt wird mit erweiterter Malerei, die von Günther Uecker über Isa Genzken bis zur jungen Leni Hoffmann die Leinwand mit Alltags- und Industriematerialien zum Relief wachsen lässt oder eingebaute Bögen (von Michael Beutler) spannt.
Österreichische Künstler
Picasso oder Baselitz, Neo Rauch und Daniel Richter sind zu den Figurativen Skulpturen von Alexander Calder oder Otto Freundlich kombiniert. Der zentrale Platz in der flexiblen "weißen Kellerstadt" bleibt jedoch frei. Von den Österreichern finden sich hier Hermann Nitsch, Maria Lassnig, Arnulf Rainer, Fritz Wotruba, Walter Pichler oder die jüngeren Lois Weinberger und Peter Kogler.
Rosemarie Trockel täuscht uns einen Malewitsch in Textil vor, Sherrie Levine feminisiert Degas, ein minimales Konzept von Donald Judd oder Joseph Kosuth nähert sich Fotos von Valie Export oder Dan Graham an. Hängeexperimente sind eher rar, die Durchmischung mit Fotografie wird aber als internationaler Aspekt neuen Ausstellens versucht.
Füllung einer Wand mit Bildgruppen in sogenannter Petersburger Hängung gibt es in der Gegenwart nicht, aber das Stiegenhaus des Altbaus lässt vor starken Wandfarben wie Blau, Grün oder Violett eine vergnügliche Neubegegnung mit Albrecht Dürer, Rembrandt, Tizian oder dem Neuzugang von Cranach, einem Porträt Martin Luthers, zu.
Eigene Räume für Dan Flavins Neonlicht-Skulptur und Thomas Demands Vorhangsverrätselung des Metzler-Saals bieten sich zur derzeit laufenden Claude-Lorrain-Schau als Lockmittel für einen Besuch in diesem etwas anderen Frankfurt an.
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