• vom 17.04.2012, 15:53 Uhr

Kunst

Update: 17.04.2012, 18:23 Uhr
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MAK

Die Vorfahren der Moderne im Kunstblättersaal


Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • MAK widmet sich Entwurfszeichnungen der Danhauser’schen Möbelfabrik

Joseph Ulrich Danhauser Werkstatt, Stuhlkatalog, 1814-29 - Foto: MAK

Joseph Ulrich Danhauser Werkstatt, Stuhlkatalog, 1814-29 Foto: MAK

Bei der Qualität von Biedermeiermöbel waren sich sogar Adolf Loos und Josef Hoffmann einig. Ornamente sind hier selten, es gibt zwar Rüschen und Schnörkel, kleine Engel und Mohren, aber auch ganz schlichte Formen. Vor allem damalige Gebrauchsmöbel gelten heute noch als Vorfahren der Moderne - das sind vor allem Sessel, Klapptische, aber auch Spucknäpfe. Von "aller Gattungen Möbel" stellte in Wien ab 1814 die erste große Möbelfabrik der Familie Danhauser etwas her.

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Landesweiter Möbelvertrieb
Der an der Akademie zum Bildhauer ausgebildete Josef Ulrich Danhauser hatte 1804 mit einem Zulieferbetrieb von vergoldeten und versilberten Bildhauerwaren an Tischler begonnen, 1807 hatte er bereits 130 Mitarbeiter und 1914 erwarb er als einziger von 270 Konkurrenten und immerhin 166 Möbelfabriken in Wien das Privileg, einen landesweiten Möbelvertrieb zu eröffnen. Er expandierte nach Graz und Budapest, kaufte das Palais Czernin-Althan, um darin vom Tischlerhandwerk über Schneiderei, Tapezierer und Gipswerkstatt alles zu versammeln, was eine große Möbelfirma braucht.

Information

Ausstellung

... aller Gattungen Möbel ...
Entwurfszeichnungen der Danhauser’schen Möbelfabrik
Kathrin Pokorny-Nagel (Kuratorin)
MAK Kunstblättersaal
bis 1. Juli

Dazu zeichnete er tausende Entwürfe, die unzählige Varianten von Sesseln und Tischen, Spiegeln und Ofenschirmen, Beleuchtungskörpern, Ruhebetten und Pfeifenständer in einer Ausstellung im Kunstblättersaal des Museums für angewandte Kunst (MAK) versammeln. Eigene Kategorien bilden Möbel für Kinder, Spieltische und gesamte Interieurs, die auch an die Hocharistokratie geliefert wurden. So hat Erzherzog Karl die Albertina von Danhauser einrichten lassen. Bei aller Einfachheit waren die Danhausermöbel also nicht für die breite Masse, sondern nur Privilegierte ab dem gehobenen Mittelstand konnten sich auch Eckdiwane, Reitersessel, exotische Tafelaufsätze oder geschwungene Bibliotheksschränke leisten.

Die 2541 Zeichnungen kamen 1931 durch Bruno Gryksa zum Teil als Schenkung ans MAK und sind nun alle auf der Online-Datenbank abrufbar. Sohn Josef Franz Danhauser war 1831 bis 1840 als Entwerfer tätig, allerdings hauptberuflich Maler, und führte die Fabrik auch durch die aufwendige Erhaltung des Palais schon 1842 in den Ruin.

Kopie oder Original?
Nach dem Tod des Vaters 1829 scheint auch der sich wandelnde Geschmack für die zu groß gewordene Firma ein Problem geworden zu sein. Allerdings kopierten die Wiener Tischlerbetriebe munter nach diesen Entwürfen, weshalb es heute nicht immer einfach ist, Originale zu erkennen. Spezialisten sprechen von sorgfältig gearbeiteter Furnier als Kriterium, allerdings erhofft sich das Team der Ausstellung auch die Mithilfe des Publikums, da sich in der Stadt wohl jede Menge ungehobene Schätze aus dem Hause Danhauser befinden und an den Skizzen erkannt werden können. Von 95 Typisierungen von Möbeln werden mit ihren Mappen 52 gezeigt. Die Einzelblätter in dieser großen Anzahl zu sehen, ist spannend, jedoch sind alle sehr kursorisch datiert, obwohl es bereits genaue Vorarbeiten von Christian Witt-Döring und auch im Bundesmobiliendepot gab. Das MAK selber besitzt vor allem in seiner Sammlung im Geymüllerschlössel Beispiele, die nun in einer Publikation verglichen werden könnten. Es gibt also noch einiges zu entdecken und weiter zu forschen an diesem enormen Konvolut, das auch in der großen Ausstellung über schlichte und einfache Dinge in der Ausstellungshalle des MAK ab Juni eine nicht unwesentliche Rolle spielen wird.




Schlagwörter

Kunstkritik, MAK, Kunst

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-17 15:38:03
Letzte Änderung am 2012-04-17 18:23:05


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