Der Züricher Sammler Hubert Looser hat Meisterwerke vom Surrealismus über den abstrakten Expressionismus bis zur Minimal Art und Arte Povera im Laufe von 50 Jahren erworben. Wie er der "Wiener Zeitung" erklärt, verdankt sich sein Verständnis für Gegenwartskunst nicht dem Elternhaus, sondern erst Reisen nach Paris und Mexiko. Plakate weckten seine Neugier auf die Originale, und er kaufte anfangs, neben Werken aus der Schweiz, Kunst von Arshile Gorky als Gegenüberstellung. Diese Dialoge werden - neben Werkgruppen einzelner Künstler - nun aus seinem Privathaus ins Kunstforum übernommen.
Looser gab parallel zur Wiener Eröffnung in Zürich die Widmung seiner Foundation an die Schweizer Stadt bekannt. Sofern sich die Bürger den Bau eines Museums leisten wollen, bekommen sie diesen Schatz geschenkt. Der viele Hilfsorganisationen weltweit unterstützende Sammler hat für sich einen klar definierten Auftrag gegenüber der Gesellschaft als Vermögender definiert. Wegen langer Verbindung zum Kunstforum, besonders dem leidenschaftlichen Kunstdiskurs mit Kurator Florian Steininger, hat er sich für die Erstpräsentation in Wien entschieden.
Sammeln als zweiter Beruf begann für Looser mit dem Verkauf seiner Firmen. Von Pablo Picasso reicht ihm ein Werk, die bemalte Metallskulptur "Sylvette"; von Andy Warhol tun es zwei gar nicht poppige Zeichnungen; zu Alberto Giacometti suchte er eine außereuropäische Entsprechung in einer Shivafigur aus Kambodscha. Es geht um Kaufen nach Modulen und Dialogen, nicht nach Vorgaben der Kunstgeschichte oder Werten am Kunstmarkt.
Neue Bezüge knüpfen
Sensible Bezüge haben in Loosers Haus und Garten am Zürichberg viel Raum. Auch dort sind Plastiken von John Chamberlain mit der Malerei von Willem de Kooning konfrontiert. Dem Dialog expressiv-männlicher Geste des abstrakten Expressionismus schließt Steininger im Kunstforum einen fast sakralen Raum mit Bildern und Skulpturen von Cy Twombly an. Ihn hält Looser für den größten Künstler des 20. Jahrhunderts; De Kooning, von dem er auch rare Skulpturen besitzt, nennt er seinen Fixstern. Dies ist das Herzstück seiner Passion.
Eigenart auf Höchstniveau setzt sich mit den Künstlerinnen Agnes Martin, Roni Horn und Yayoi Kusama fort. Den weiblichen Part des Minimalismus zu sammeln ist so ausgefallen, wie Warhol mit Henri Matisse zu vereinen. Die Lorbeerblätterinstallation von Penone, Körperabdruckbilder von Yves Klein und Skulpturen von Lucio Fontana stellen neue Bezüge zwischen Stilen und Künstlern her. Konstellationen zwischen Europa und Amerika bilden einen anderen Aspekt.
Obwohl Museen Looser viel für Einzelstücke bieten, ist die Sammlung für ihn geistiger Wert - ab nun ein an seine Mitbürger überschriebener. Glückliches Zürich!
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