• vom 06.05.2012, 17:40 Uhr

Kunst

Update: 06.05.2012, 18:51 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Das Architekturmuseum in München zeigt das Œuvre des Architekten John Pawson

Pawsons Œuvre in München: Meister des Minimums


Von Bettina Louise Haase

Alles andere als barock: Pawsons Architektur im Kloster Nový Dvur in Böhmen.

Alles andere als barock: Pawsons Architektur im Kloster Nový Dvur in Böhmen.© Jens Weber Alles andere als barock: Pawsons Architektur im Kloster Nový Dvur in Böhmen.© Jens Weber

Seit der Antike wird das "Prinzip Einfachheit" als das Wesen der Natur bezeichnet, die alles auf bestimmte, geordnete, kürzeste und am besten mögliche Weise gestaltet. Diesem Prinzip folgen viele kulturelle Leistungen vom Zen-Buddhismus über die Zisterzienser bis zu den Shakern; Simplizität fordert in diesen Fällen unerbittliche Arbeit am Einfachen ein; Abschweifungen oder persönliche Eitelkeit werden nicht geduldet.

Information

Ausstellung
John Pawson
Architekturmuseum München,
Pinakothek der Moderne
bis 20. Mai

Werbung

Der britische Architekt John Pawson, geboren 1949 in Halifax, steht in dieser Tradition: Er ist ein großer Meister der Gestaltung eines Minimums, das eine maximale Fülle an Klarheit und Reinheit liefert. Seine Bauten sind grandios schlicht; Pawson wird zurzeit als Superminimalist gefeiert und entwirft so ziemlich alles, was gut und teuer ist: Häuser, Galerien, Brücken, Jachten, sogar Kerzenhalter und Kochtöpfe.

In der Münchner Pinakothek der Moderne ist dem 62-Jährigen jetzt eine Ausstellung gewidmet. Im ersten Raum zeigen großformatige Fotos das wohl beeindruckendste Werk des Architekten: 1999 erhielt Pawson seinen ersten Sakralbau-Auftrag von der Zisterzienserabtei Sept-Fonds in Burgund. Die Mönche hatten einen Calvin-Klein-Store von Pawson gesehen und fanden den Stil des Architekten passend für Umbauten an ihrem Kloster "Unserer Lieben Frau" von Nový Dvur in der ländlichen Region Böhmens.

Fast Buddhist geworden
Pawson verbrachte Anfang der 70er Jahre einige Zeit in einem buddhistischen Kloster und zog damals sogar in Erwägung, Mönch zu werden, was ihm dann aber doch ein allzu hohes Maß an Askese bedeutete. Mit den Lehren der Zisterzienser war er bestens vertraut. In Nový Dvur erhielt er einige der alten Klostergebäude und fügte eine freistehende Kapelle in den Klosterkomplex ein, der nun wie ein Gesamtkunstwerk wirkt. Die Kirche ist jetzt das kompromisslose zeitgenössische Bauwerk der Anlage. Das hoch aufragende, nach Osten ausgerichtete Halbrund ihrer Apsis erhebt sich über einen flachen Sockel. Drei kleine bodennah angebrachte Öffnungen betonen die Stärke der Mauern. Die geschwungene Form bricht mit der strikten Auslegung des von Bernhard von Clairvaux im 12. Jahrhundert für die Zisterzienserorden entwickelten Architekturkanons. Doch seit langem gibt es andere Beispiele für einen Bruch mit der Tradition wie die romanische Kirche der Abtei von Le Thoronet in Frankreich. Im Inneren der Kapelle von Nový Dvur modelliert das Licht die Formen. Es intensiviert die Atmosphäre und verändert die Art und Weise, in der Oberflächen und Übergänge wahrgenommen werden.

Das Spiel mit Licht und Fläche setzt Pawson auch in einem eigens für die Ausstellung konzipierten Raum fort, der die Form eines höhlenartig abgeschlossenen Ovals mit einem Lichtschlitz an der Decke hat.

Gewaltiges Fotoarchiv
Wichtiges Gestaltungsmittel bei den Entwürfen ist eine Digitalkamera, mit der Pawson alles festhält, was ihn interessiert. Sein Archiv birgt eine Viertelmillion Bilder: ein Tagebuch und Inspirationsquell. Die Ausstellung in München zeigt im vorletzten Raum, stets paarweise angeordnet, Pawsons künstlerische Fotoaufnahmen. Orte, Gebäude, Landschaften, Objekte: Pawson fotografiert zum Beispiel eine türkisfarbene Tür und setzt parallel dazu das Foto eines Landhauses mit einer Tür, die mit der türkisfarbenen korrespondiert. In diesen Tableaus gelingt es ihm immer wieder, die Schönheit der Form durch Parallelen sichtbar zu machen.

Bei Pawson geht es nicht nur um Licht und Schatten, sondern auch darum, kleinste Nuancen der Textur und der Töne zu erkennen. In München hat man nun die Gelegenheit dazu.




Schlagwörter

Architektur

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-06 17:47:07
Letzte Änderung am 2012-05-06 18:51:10


Beliebte Inhalte



Mit dem "Ring" in Wien zum Erfolg: Franz Welser-Möst. - epa
  • Wie viele Arten es doch gibt, Richard Wagners 200. Geburtstag zu begehen.
  • weiter

Georges Moustaki bei einem Auftritt in Frankfurt (1983). - APAweb / EPA/NABIL MOUNZER
  • Edith Piafs Welterfolg "Milord" stammt aus seiner Feder.
  • weiter

Verteidigt Wagner und kritisiert die Klassikwelt scharf: Endrik Wottrich. - Newald
  • Tenor Endrik Wottrich über Wagner, Schlingensief und kleine Stimmen.
  • weiter

Das Duo Daft Punk findet sein Glück in der Disco-Ära: "Lose yourself to dance!" - David Black
  • Auf "Random Access Memories" regiert der Disco-Sound von seinerzeit.
  • weiter

Jon Bon Jovi stand glücklich im Regen. - APAweb/Herbert Pfarrhofer
  • Pollen konnten dem Sänger diesmal nichts anhaben.
  • weiter

Nachdem sich mehrere Zuschauer, von den drastischen Bühnenvorgängen geschockt, sogar in ärztliche Behandlung begeben hatten, ersuchte Meyer den Regisseur, seine Inszenierung zu modifizieren. Kosminski lehnte ab. - Foto: APAweb/Deutsche Oper am Rhein
  • Bühnenvereins-Präsident Zehelein kritisiert scharf die Düsseldorfer Oper.
  • weiter

Am 22. Mai jährt sich der Geburtstag von Richard Wagner zum 200. Mal. Hier die Büste von Arno Breker in der Nähe des Festspielhauses in Bayreuth. - Foto: epa/Daniel Karmann
  • Auseinandersetzung mit Themen wie Individualismus, Außenseitertum und Aufarbeitung von Geschichte.
  • weiter

Das Duo Daft Punk findet sein Glück in der Disco-Ära: "Lose yourself to dance!" - David Black
  • Auf "Random Access Memories" regiert der Disco-Sound von seinerzeit.
  • weiter

An den Namen Brosd Koal erinnert man sich noch über die FM4-Sendung "Im Sumpf". Nachdem mit Karl Schwamberger der Motor hinter dem Dialekt-Pop-Projekt...weiter

Natalia Kelly will es in Malmö "shinen" lassen. - APAweb / EPA, Janerik Henriksson Malmö/Wien. Natalia Kelly, Österreichs Vertreterin beim Song Contest 2013 in Malmö, ist ein unbeschriebenes Blatt...weiter




Werbung




Galerie

Renate Habinger

"Die Arbeit mit Papier ist ein starkes sinnliches Erlebnis. Beim Illustrieren ist es ähnlich; verschiedene Techniken erfordern verschiedene... weiter




Galerie

Christina Starzer

"Die Künstlerin geht in ihrer zeichnerischen und skulpturalen Arbeit meist von vorgefundenen Materialien und Objekten aus... weiter




Galerie

Silvia Ulrich

"Erst im Licht- oder Elektronenmikroskop zeigt sich diese verborgene kleine Welt in ihrer wahren Größe und Formenfülle... weiter



Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

Es sollte die Suche nach dem Ursprung des Universums werden - oder zumindest etwas Ähnliches. Medienkünstler Peter Weibel lud zum Auftakt in den Klangraum Minoritenkirche, um sich einem "3D-Rausch-Konzert" hinzugeben. Ostern ist zwar schon vorbei, aber der Hase hat nach wie vor Saison. (Probenfoto)

Kein Engel, sondern Justin:  Ein Countdown auf dem Bühnen-Screen kündigte gegen 21.00 Uhr den  Pop- und Social Media-Stars an, rund 14.000 Fans kreischten  im Minutentakt  Das Museumsquartier war am Sonntag Schauplatz der weltweiten Live-Premiere des 13. Albums "Delta Machine" der britischen Synthie-Popper "Depeche Mode".


Werbung