• vom 09.05.2012, 14:06 Uhr

Kunst

Update: 09.05.2012, 20:13 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Theatermuseum Wien: die Nuda Veritas und ihr Verteidiger

Kritische Ikone


Von Brigitte Borchardt-Birbaumer

"Nuda Veritas", eins von Klimts Hauptwerken.

"Nuda Veritas", eins von Klimts Hauptwerken. "Nuda Veritas", eins von Klimts Hauptwerken.

Die "Nuda Veritas" gehört zu Gustav Klimts Hauptwerken zur Zeit der Secessionsgründung. 1900 kaufte der Dichter Herrmann Bahr das eigenwillige Gemälde einer nackten jungen Frau mit Spiegel, Schleier und Schlange, beschriftet mit einem Spruch aus Friedrich Schillers "Xenien". Das Modell war wohl Marie Zimmermann, die auch in "Schubert am Klavier" auftaucht - trotz allegorischem Thema also eine skandalös realistische Interpretation.

Werbung

1903 gab Bahr gemeinsam mit Kolo Moser und Hoftheaterdirektor Max Burckhard eine Sammlung aller Pamphlete im Zusammenhang mit den "Fakultätsbildern" und dem Beethovenfries Klimts heraus, hielt mehrere öffentliche Verteidigungsreden für ihn und die Secession und machte sich bis ins Alter für das Werk des Malers stark, auch wenn er selbst von der Avantgarde in Salzburg um 1920 ins konservative Lager gewechselt war.

Kleine Überraschungen
Durch Bahrs Witwe, die Opernsängerin Anna Bahr-Mildenburg, kam sein Nachlass ans Theatermuseum und wird mit dieser Ausstellung erstmals präsentiert. Anna hatte 1911 für ihren Mann eine Zeichnung in zarter Klimtmanier samt Signatur angefertigt, die lange als Original galt. Neben dem Gemälde besaß Bahr die kleine Zeichnung einer "Hexe" in roter Kreide, die Klimt für eine Folge von "Ver Sacrum", der Publikation der Secession, 1899 entwarf. Sie wurde in einer Tür der Bahr-Villa in Ober St. Veit aufbewahrt, die als Leihgabe der heutigen Besitzer in der Schau mit dem Original nach 100 Jahren wieder vereint werden konnte. Eine weitere kleine Überraschung sind die Originalpläne des Architekten Joseph Maria Olbrich, auch für die Wandvertäfelung des Arbeitszimmers, die für die "Nuda Veritas" angefertigt wurde. In einer zurückhaltenden Gestaltung von Gerhard Veigel werden nicht nur die Tagebücher und Kalender Bahrs, einige Briefe von Klimt, Fotografien der Protagonisten von Moriz Nähr Viktor Spitzer und Aura Hertwig, sondern auch die wenigen Originale neben der kopierten Schmähschrift und den veröffentlichten Verteidigungen präsentiert. Dazu kommen Relikte aus dem Haus, so der Briefkasten und ein Blumentisch. Das Modell Marie Zimmermann war nicht nur Klimts Geliebte und Mutter seiner zwei Söhne, sie versuchte sich über Bahr auch nach dem Tod des Malers für Ausstellungen seines Werks einzusetzen. Dazu erklärte sie ihm in Briefen um 1930 ihre Rolle als "Nackte Wahrheit". Bahr versuchte es vergeblich in der Münchner Pinakothek, doch es gab erst 1943 in der Wiener Secession eine Personale mit teils arisierten Gemälden Klimts.

"Geschäftemacher"
Da war auch Bahr nicht mehr am Leben, der von Karl Kraus schon 1903 in "Die Fackel" polemisch als sich anbiedernder "Geschäftemacher" rund um die Skandale Klimts beschimpft und später wegen des Grundstückspreises für seine Villa sogar als bestechlicher Kritiker geklagt wurde. Kraus verlor den Prozess. So ist das mit dem Spiegel, den uns die Wahrheit vorhält: Er kann blind sein vor ereiferndem Zorn und es gibt mehrere Sichtweisen auf diese nackte Dame mit rotem Haar und Weisheitsschlange. Sie soll auch nach dem Klimtjahr zukünftig ständig im Museum aufgestellt werden.

Ausstellung
Gegen Klimt
Kurt Ifkovits, Andreas Kugler (Kuratoren)
Theatermuseum
bis 29. Oktober




Schlagwörter

Kunstkritik, Klimt

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-09 19:11:13
Letzte Änderung am 2012-05-09 20:13:10


Beliebte Inhalte



Das Duo Daft Punk findet sein Glück in der Disco-Ära: "Lose yourself to dance!" - David Black
  • Auf "Random Access Memories" regiert der Disco-Sound von seinerzeit.
  • weiter

Die Konkurrentinnen Adalgisa und Norma. - Salzburger Festspiele Am Ende wird der Horst der Freischärler, die Schule, von ihnen selbst abgefackelt. Die Matratzen und Schulmöbel werdend um Norma und Pollione...weiter

Schorsch Kamerun untersucht in Wien den öffentlichen Raum als Heimstätte von  Demos und Flashmobs. - © Wiener Zeitung / Christa Hager
  • Der deutsche Musiker und Regisseur über Kunst, Politik und Sponsoring, Klischees in der Rockmusik, Facebook und seine Theaterarbeit.
  • weiter

Aus dem Wunderkind Hilary Hahn ist eine der besten Geigerinnen geworden. - Foto: P. Miller
  • Wenige Stunden vor ihrem Auftritt mit den Wiener Philharmonikern ist Stargeigerin Hilary Hahn zu Gast im Ö1-"Klassik-Treffpunkt" im RadioKulturhaus.
  • weiter

Nachdem sich mehrere Zuschauer, von den drastischen Bühnenvorgängen geschockt, sogar in ärztliche Behandlung begeben hatten, ersuchte Meyer den Regisseur, seine Inszenierung zu modifizieren. Kosminski lehnte ab. - Foto: APAweb/Deutsche Oper am Rhein
  • Bühnenvereins-Präsident Zehelein kritisiert scharf die Düsseldorfer Oper.
  • weiter

Nachdem sich mehrere Zuschauer, von den drastischen Bühnenvorgängen geschockt, sogar in ärztliche Behandlung begeben hatten, ersuchte Meyer den Regisseur, seine Inszenierung zu modifizieren. Kosminski lehnte ab. - Foto: APAweb/Deutsche Oper am Rhein
  • Bühnenvereins-Präsident Zehelein kritisiert scharf die Düsseldorfer Oper.
  • weiter

Am 22. Mai jährt sich der Geburtstag von Richard Wagner zum 200. Mal. Hier die Büste von Arno Breker in der Nähe des Festspielhauses in Bayreuth. - Foto: epa/Daniel Karmann
  • Auseinandersetzung mit Themen wie Individualismus, Außenseitertum und Aufarbeitung von Geschichte.
  • weiter

Das Duo Daft Punk findet sein Glück in der Disco-Ära: "Lose yourself to dance!" - David Black
  • Auf "Random Access Memories" regiert der Disco-Sound von seinerzeit.
  • weiter

Natalia Kelly will es in Malmö "shinen" lassen. - APAweb / EPA, Janerik Henriksson Malmö/Wien. Natalia Kelly, Österreichs Vertreterin beim Song Contest 2013 in Malmö, ist ein unbeschriebenes Blatt...weiter

 Natalia Kelly sang. - EPA/Janerik Henriksson
  • Österreichs Beitrag von Natalia Kelly konnte Europa mit ihrem Song "Shine" nicht überzeugen.
  • weiter




Werbung




Galerie

Renate Habinger

"Die Arbeit mit Papier ist ein starkes sinnliches Erlebnis. Beim Illustrieren ist es ähnlich; verschiedene Techniken erfordern verschiedene... weiter




Galerie

Christina Starzer

"Die Künstlerin geht in ihrer zeichnerischen und skulpturalen Arbeit meist von vorgefundenen Materialien und Objekten aus... weiter




Galerie

Silvia Ulrich

"Erst im Licht- oder Elektronenmikroskop zeigt sich diese verborgene kleine Welt in ihrer wahren Größe und Formenfülle... weiter



Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

Es sollte die Suche nach dem Ursprung des Universums werden - oder zumindest etwas Ähnliches. Medienkünstler Peter Weibel lud zum Auftakt in den Klangraum Minoritenkirche, um sich einem "3D-Rausch-Konzert" hinzugeben. Ostern ist zwar schon vorbei, aber der Hase hat nach wie vor Saison. (Probenfoto)

Kein Engel, sondern Justin:  Ein Countdown auf dem Bühnen-Screen kündigte gegen 21.00 Uhr den  Pop- und Social Media-Stars an, rund 14.000 Fans kreischten  im Minutentakt  Das Museumsquartier war am Sonntag Schauplatz der weltweiten Live-Premiere des 13. Albums "Delta Machine" der britischen Synthie-Popper "Depeche Mode".


Werbung