Ein Lächeln, das wohl jeder kennt. Es ziert Kaffeetassen, Bleistifte und Notizheftchen, findet sich auf Taschen, T-Shirts und sonstigem Allerlei. Kaum ein Gegenstand scheint zu gering, um nicht mit dem berühmten Motiv zu verschmelzen: mit Leonardo da Vincis "Mona Lisa". Während Generationen von Kunsthistorikern über die Identität der Porträtierten grübelten, wurde "La Giocanda" zum Superstar, der die heiligen Hallen des Louvres längst verlassen hat, um die Bühne der Souvenirläden und Museumsshops zu erobern. Doch die vielfältigen Transformationen, welche die rätselhaft Schmunzelnde in den vergangenen Jahrzehnten durchlaufen hat, tun der Aura des Originals offensichtlich keinen Abbruch. Nach wie vor drängeln sich zig Museumsbesucher täglich vor dem Meisterwerk. Gerade so, als würden die unzähligen Kinkerlitzchen, Posters und Postkarten die immerwährende Bedeutung des Gemäldes überhaupt erst bekräftigen.
Wer noch immer glaubt, dass Kunst nichts mit dem Leben zu tun hat, der sei nun eines Besseren belehrt: Der Morgen beginnt mit einem Kaffee und Picasso, dessen "Les Demoiselles dAvignon" vom Häferl stieren. Nach dem Duschen hüllt man sich in einen Handtuch gewordenen Frauenakt von Matisse und kleidungstechnisch ist der Seidenschal à la Bruegel das Tüpferl auf dem I. Schnell noch die dazu passende Tasche mit der darauf applizierten "Winterlandschaft" umgehängt, bevor es ins Büro geht, wo man dann die Mouse über den Caravagio-Pad zieht.
Klimt-Hundemäntelchen
Für einen dergestalt von Kunst durchdrungenen Alltag braucht es gar kein Jubiläumsjahr. Dass ein solches die Merchandising-Industrie dennoch florieren lässt, macht das diesjährige Klimt-Jubiläum überdeutlich. Am 14. Juli jährt sich der Geburtstag des Jugendstilkünstlers zum 150sten Mal. Die "Marke Klimt" sorgte aber auch schon vorher für satte Absatzmargen. Klimt-Tassen und Klimt-T-Shirts, Klimt-Pralinés und Klimt-Regenschirme, Klimt-Seidentücher, Marmeladegläser, Sektflaschen, Teddies und sogar Hundemäntelchen mit Klimtmotiven gibt es im Sortiment des Klimt-Kitsch-Universums. Auch fein kuscheln lässt es sich dank Gustav Klimt. Mindestens ein Dutzend Polster in Scheinweberei mit Kuss-Motiv liefere er wöchentlich in ganz Wien aus, erzählte der Postmann des Belvedere unlängst der Kollegin, welche die Kunstkritiken für diese Zeitung schreibt.
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