Daniel Spoerri tritt als performativer Meister der Assemblage oft und schon seit den 60er Jahren in einen Dialog zwischen Kunst und Natur; wie in seinen Skulpturengärten in der Toskana und in Hadersdorf am Kamp gut zu sehen ist. Jedoch fühlt er sich weniger der Wissenschaft verpflichtet als dem Reanimieren von Flohmarktstücken und der ironischen Diskussion zwischen Kunst und Kitsch. Immer auf der Suche nach neuen Montageformen forscht er auch gerne in Depots von Museen und hinterfragt Expertenmeinungen wie etwa die Evolutionstheorie Charles Darwins ironisch mit "Darwins Nudlrad-Collection". Oder er nimmt sich Sparten wie die Mineralogie, Zoologie, Botanik und Anthropologie als Anregungen für seine künstlerischen Verfremdungen.
Durch ein Leihansuchen ist das Naturhistorische Museum (NHM) vor einem Jahr mit Spoerri in Berührung gekommen und hat ihm Recherchen in fünf Kellergeschossen ermöglicht, die auch für das Haus Neues ans Licht brachten. In zwei großen Sälen findet nun eine Konfrontation seiner Kunst mit eigenen Exponaten statt. Der fragende Titel der Schau in den fast zum White Cube von Architekt Martin Kohlbauer umgestalteten Räumen lautet: "Ein inkompetenter Dialog?", doch ist das kokett und relativ in Anbetracht, dass nahezu jedes Museum in Wien die Gegenwartskunst nützt, um auf die eigenen Sammlungen aufmerksam zu machen.
Alltagsgegenstände als Wunderwesen
Für Spoerri ist Inkompetenz kein Nachteil und die schürfende Methode der Archäologie, vergleichbar mit Sigmund Freuds Psychoanalyse, eine große Triebfeder. Er zeigt sein 1983 nahe Paris vergrabenes "Frühstück im Grünen", das er zuletzt wieder ausgegraben hat, um die Fundstücke von damals neben prähistorische Grabungsrelikte zu positionieren. Daneben auch seinen Film "Resurrection", bei dem Ausscheidungen wieder zurück in den Körper und zum Ursprung auf der Wiese wandern.
Doch vor allem montiert Spoerri mit Leidenschaft und macht Alltagsgegenstände aus der Küche, Spielzeug und Tierpräparaten zu irrationalen neuen Wunderwesen. Sie erinnern zuweilen mahnend an falschen Umgang mit Natur, Tod und Leben. Bei Spoerri wird der Narwal wieder ein mythisches Einhorn, der Storch bringt statt einem Baby ein Skelett in weißem Spitzentuch, Fischmäuler werden zur "Vagina dentata" und Totenköpfe neben Masken auf Kindersesseln präsentiert. Aus dem Spiel mit Tabubruch, Gegensatz und Widerspruch und Wortspielen, gewinnt der Künstler seine "Krickerl-Kümmerlinge" oder Anhäufungen von Schildkrötenschädel, zum Teil auf fahrbare Kultwagen montiert.
Die wilde Mischung kommt nicht ohne seine Spezialität, das "Fallenbild" aus, hier ein Tapirskelett der "Sevilla Series", kombiniert mit einem abgegessenen Esstisch, der zur Erinnerung "präpariert" wird - wie die Tiere im Museum. Noch ist Spoerri nicht auf das Einmachglas als weitere Kunstform gekommen, aber das erledigen ja schon andere wie Damien Hirst, die Gelitins oder Iris Andraschek. Dafür durfte er in Formaldehyd eingelegte Fische aus Südamerika aus ihrem Kellerdasein befreien, die als seltene Typenträger ihrer Art gelten und daher wie wertvolle Zeichnungen kaum an Tageslicht kommen. Ein besonderes Vergnügen bereiten die fantasievollen Köpfe wie "Hirnkoralle" oder "Haifischzunge", die Untersätze für Meteoriten, die Herbarien und ein von ihm umgestaltetes Präparat einer Tigerpython, die bis jetzt ohne Kopf ihr Kellerdasein führte. 2012 bekam sie von Spoerri einen Tigerschädel mit Vogel im Maul verpasst, die ungeklärten Besitzverhältnisse dieses Objekts werden bis zum Ende der Schau ein Rätsel bleiben. Im Katalog bezeichnet Bazon Brock passend Spoerri als "Dadaisten in der Wissenschaft"
Do You Speak Pingpong?(cai) Schlägertypen können sich hier so richtig austoben. Mit den Tischtennisschlägern. (Was haben Sie denn geglaubt...weiter
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