Sprüche von Leonardo da Vinci und Ludwig Wittgenstein an der Wand korrespondieren mit einem Text von Elfriede Jelinek zum reduzierten Werk des Keramikers Kurt Ohnsorg (1927-1970) im statt eines Kataloges dienenden Beiheft des Mak/zines. Für die Ausstellung "Dinge. schlicht & einfach" gibt es im MAK neue Vitrinen für die geometrisch angeordnete Präsentation und drei zuständige Kuratoren aus dem Haus. Die Initiative zur Schau komme - so der Kustode für Asien, Johannes Wieninger - aus häufigen Besucherwünschen. Diese verwundern nicht, denn asiatische Schlichtheit, Biedermeier und Kunst um 1900 treffen den heute breit anzutreffenden minimalistischen Geschmack.
Wieningers teils politische Thesen eines revolutionären bürgerlichen Hangs zum Reduzieren der Form im Osten entsprechen nicht immer den Grundthesen der Kollegen für westliche Abteilungen, Sebastian Hackenschmidt und Elisabeth Schmuttermeier, die für Möbel, Metall und Wiener Werkstätte zuständig sind. Das heißt, diese Schau ist eigentlich dreigeteilt, auch wenn es Berührungspunkte gibt.
Einer ist die Präsentation von Gegenwartskunst zu bis ins 11. Jahrhundert zurückgehenden Exponaten. Die Möbelpräsentation setzt mit wenigen Beispielen aus dem Biedermeier an, um vor allem Firmen wie Thonet und die großen Heroen von 1900 bis 1930 zu Wort kommen zu lassen. Natürlich gibt es erstaunlich Schlichtes von Otto Wagner, Adolf Loos, Josef Hoffmann, Frank Lloyd Wright, Oskar Strnad, aber auch Positionen wie die von Marcel Breuer, Josef Frank, Karl Schwanzer und Donald Judd fehlen nicht.
Zu Schmuckstücken teils bekannter österreichischer Künstler wie Helfried Kodré kommen Metallkannen, Töpfe, Reiseutensilien und Bestecke ab 1400; dazu bezieht Schmuttermeier auch Textil und Glas mit ein - sie pocht auf den Spruch "Form follows function" für die Küche und den alltäglichen Gebrauch, egal ob Adel oder einfache Leute.
Asiatische Einflüsse
Dabei startet sie mit einem roten Samtpluviale der Renaissance und einem französischen Kavaliersmäntelchen des Barock und zeigt, dass Weingläser sich heute nicht viel von jenen in Venedig um 1700 unterscheiden. Die politische Toleranz gegenüber den Protestanten sowie Pendelbewegungen in Moden sind für sie Stimulans der Einfachheit. Die Abstraktion eines Pinselstrichs für den Mond oder nur eines Musters für Blätter ist in Japan schon auf Rollbildern des 19. Jahrhunderts zu finden - lange, bevor Europa den Aufbruch der Malerei ins Gegenstandslose wagte. Die chinesische Keramik stellt bis heute eine starke Inspirationsquelle dar. Lucie Rie hat 1926 mit ihren Schalen ebenso an Lösungen der Qianlong Periode (1736-1795) angeknüpft wie der von Jelinek gelobte Ohnsorg.
Plaids, Kimonos, Seidenschals und Stoffmuster sind mit Mäßigung im Luxus auch im Westen längst einem puristischen Ideal auf der Spur, das Wieninger in China durch die Übernahme der Verwaltung durch Gelehrte und Beamte nach den Militärs im 11. Jahrhundert und schon davor begründet sieht.
Auch in Japan gab es im Privaten eine Neigung zur simplen Schönheit - zur Demonstration dessen gibt es Neuankäufe von 2012 aus Kyoto und Osaka und die Interventionen eines Gegenwartskünstlers, Karl Kriebel, mit Wandzeichnungen.
Der tiefe Blick der drei Kustoden, nicht nur in entfernte Ecken der Depots, hat sich gelohnt und bleibt in seinen teils widersprüchlichen Ansätzen methodisch hinter dem derzeitig viel diskutierten Documenta-13-Ansatz nicht zurück: Zeige viel, erkläre nicht zu viel.
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