• vom 12.07.2012, 17:19 Uhr

Kunst

Update: 12.07.2012, 17:40 Uhr
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Klimt: Ein Kuss, ein Bruch und viele iPads


Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • Die Ausstellungen "150 Jahre Gustav Klimt" im Oberen Belvedere und "Ohne Klimt" im Künstlerhaus

Eine elegante Präsentation der Ikone: "Der Kuss" im Belvedere.

Eine elegante Präsentation der Ikone: "Der Kuss" im Belvedere.Belvedere Eine elegante Präsentation der Ikone: "Der Kuss" im Belvedere.Belvedere

Wer meint, es wäre nun alles erforscht um Gustav Klimt, muss umdenken. Die weltweite Aufmerksamkeit und die heurige Ausstellungskonkurrenz der Museen in Wien spornen die Forschung an und auch private Leihgeber lassen bislang unveröffentlichte Bilder und Briefe des Secessionsgründers doch an die Öffentlichkeit. Im Nachlass Emilie Flöges haben sich nicht nur die bekannten Postkarten, sondern auch sieben Liebesbriefe Klimts von 1895 bis 1899 an sie erhalten. Die Annahme einer frühen erotischen Beziehung zwischen beiden, die durch seine vielen Affären und Kinder abbrach, um in eine Freundschaft zu münden, gilt damit als gesichert. Die Briefe sind postlagernd und mit Tarnnamen wie Emilie Nickl versehen, ihr Inhalt verrät Klimts Drängen und Annäherung an seine junge Schwägerin. Das Signet an der Vitrine verrät, dass der Besucher weitere Information über die Entstehungsorte der Bilder mittels iPad erhalten kann.

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Der Kuss als Selbstporträt
in passender Ästhetik

Zu dieser Neuerung für junges Publikum und Technikbegeisterte sind auch die üblichen Informationsebenen durch viele Wandtexte vorhanden. Eine elegante Gestaltung mit schwarzer Umbauung der barocken Türen und Sockelzonen und ebensolchen Vitrinen lässt die Moderne und vor allem die große Ikone, das Gemälde "Der Kuss", in passender Ästhetik erscheinen; es wäre schön, wenn diese Gestaltung über die Jubiläumsausstellung "150 Jahre Gustav Klimt" hinaus in der Schausammlung des Oberen Belvedere vor allem für dieses Gemälde bestehen bleiben könnte.

Für Kurator Alfred Weidinger ist neben der Inszenierung und der Anpassung an neue Anforderungen der Kunstvermittlung die kulturwissenschaftliche Schiene mittlerweile entscheidender für Ausstellungen als die ohnehin selbstverständlichen, rein kunsthistorischen Fakten. Der Klimtbestand im Belvedere, anfangs 1903 mitinitiiert von Carl Moll und dem Künstler als "Neue Galerie", ist von ehedem über hundert Gemälden und Zeichnungen durch Museumsreform 1922, Kriegsverlust, unglückliche Tauschaktionen vorheriger Direktionen und zuletzt Restitution auf 24 Gemälde geschrumpft. Nach dem vieldiskutierten Abgang der Sammlung Bloch-Bauer kamen aber zwei wesentliche Bilder erst letztes Jahr als Legat aus der Sammlung Peter Parzer ans Belvedere. "Die Familie" und "Die Sonnenblume" bilden nun auch Mittelpunkte von neuen Vergleichsgruppen mit Egon Schiele und den französischen Landschaftsmalern wie Claude Monet.




Schlagwörter

Kunstkritik, Klimt

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-12 17:26:08
Letzte Änderung am 2012-07-12 17:40:26


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