Francis Picabia (1879 bis 1953) war ein Meister der klassischen Moderne und Mitbegründer von Dada in New York mit Marcel Duchamp - Picabia wirkt jedoch als Querdenker auf heutige Nachfahren des postmodernen "Bad Painting". Er löste sogar eine Revision der Moderne durch Nachfolger wie Sigmar Polke, Gerhard Richter oder Martin Kippenberger aus. Durch ihn - den Provokateur, der festgelegte Stile ablehnte, weil er sie als Stagnation betrachtete, sich statt Zeitgeist lieber Hakenschlägen vor und zurück verschrieb -, fandauchAndyWarholseinenWeg. Zufall und strikte Absagen an das Genie sind inbegriffen, er propagierte stattdessen den Künstler als Lebemann, Versager und Hanswurst, was in seinen Schriften und Nonsens-Gedichten im Kreis Gertrude Steins nachzulesen ist.
Von Vorwürfen freigesprochen
Die 190 Werke für diese erste Retrospektive in Österreich aufzutreiben, die zum Großteil in Sammlungen von Künstlern und Prominenten sowie immer noch am Kunstmarkt zu finden sind, ist Kunsthallen-Direktor Hans-Peter Wipplinger in relativ kurzer Zeit gelungen - nicht nur dazu ist ihm zu gratulieren. Die Forschung hat Picabia zuletzt von frühen Vorwürfen, ein Antisemit zu sein und nach dem Realismus der Diktaturen in den 40er Jahren geschielt zu haben, freigesprochen. Die Porträts und erotischen Frauenakte dieser Jahre sind aus teils pornografischen Magazinen abgemalt und neigen sich eher subversiv ironisch dem Kitsch zu, der von Susan Sontag und Vilem Flusser ab 1968 in die Kunst der Postmoderne eingemeindet wurde. So gesehen ist Picabia auch der Vorfahre von Jeff Koons. Trotzdem gilt er eher als Spieler zwischen Trivialität und Zufallsfaktor, nicht als Hellseher.
Seine spätimpressionistische Landschaftsmalerei nach Anklängen an die Schule von Barbizon waren erfolgreiche Nachahmungen, aber erst sein Wechsel zu Kubismus und in Surrealismus und Dada brachten den Durchbruch.
Doch Picabia dachte nicht daran, die strengen Regeln eines Andre Breton zu befolgen, er brach noch radikaler mit dem Surrealismus als Marcel Duchamp. Mit ihm und Alfred Stieglitz traf er 1913 in New York zusammen und gründete die Zeitschrift "291", die seine bekannten Maschinenzeichnungen (Mechanomorphien) enthält. 1923 erbte er ein Vermögen, kehrte nach Südfrankreich zurück, arrangierte Feste und warf schon 1924 der Moderne vor, Angst vor ihrem eigenen Ende zu haben. Parallelaktionen wie die süßlichen Damenporträts der "Espagnoles", die wie ihre männlichen Macho-Pendants der Stierkämpfer zahlreich in Krems versammelt sind, und der "Monster" zeigen weitere Brüche. Sie sind teils mit Zündhölzern, Hühneraugenpflaster oder Makkaroni collagiert und zeigen wie die Zusammenarbeit mit Erik Satie und René Clair für den Experimentalfilm "Entracte" neue Wege des Künstlers.
"Mich hat die
Kunst enterbt"
Nach den von Botticelli, Michelangelo, römischen und romanischen Fresken aus Pompeji und Spanien beeinflussten "Transparenzen", die ab 1927 entstanden sind, folgte der Schwenk in das, was er selbst polemisch reaktionär nannte und mit dem Statement "Mich hat die Kunst enterbt" versah: Die Porträts und erotischen Frauenakte aus Trivialmagazinen - von der Kritik als "Kloake der Bilderwelt" bezeichnet - gelten sie heute als subtiler Protest gegen Kommerz, aber auch die strengen Vorgaben der Moderne. Der nur scheinbar unpolitische Picabia stilisierte sich als Erfinder und signierte auch mit seinem Alter Ego namens Rastaquär und nahm als letzte Phase mit den abstrakten Punktbildern noch eine Richtung ein, die die junge École de Paris mit Pierre Soulages als typische existenzialistische Reaktion auf den Zweiten Weltkrieg verstanden hat. Mit Duchamp als Zulieferer veranstaltete er Aktionen und verschleuderte seine Bilder - das erinnert nicht nur an Damien Hirst, es hat auch Charakteristiken eines performativen Auftritts.
Do You Speak Pingpong?(cai) Schlägertypen können sich hier so richtig austoben. Mit den Tischtennisschlägern. (Was haben Sie denn geglaubt...weiter
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