• vom 07.08.2012, 17:08 Uhr

Kunst

Update: 07.08.2012, 17:37 Uhr

Kunstkritik

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Von Claudia Aigner

  • Mirror Brain, Fishbag

Insekten im Krabbelalter


(cai) In der Galerie Michaela Stock schaut’s aus wie auf einer Säuglingsstation. Einer Säuglingsstation in einem Horrorfilm. Wo eine Sado-Schwester die Babys bei lebendigem Leib häutet. Die Pelle zappelt ja praktisch noch. Oder sind das leere Kokons? Von Säuglingen, die sich wie Insekten verpuppt haben, und als sie geschlüpft sind, ist entweder das große Krabbeln losgegangen, weil dann waren sie im Krabbelalter, oder sie waren erwachsen?

Baby als Nadelkissen: Da kommt wohl jede Mutterliebe zu spät. Elisabeth Weissensteiners "Pin Baby".

Baby als Nadelkissen: Da kommt wohl jede Mutterliebe zu spät. Elisabeth Weissensteiners "Pin Baby".© Galerie Michaela Stock Baby als Nadelkissen: Da kommt wohl jede Mutterliebe zu spät. Elisabeth Weissensteiners "Pin Baby".© Galerie Michaela Stock

Keine Angst: Elisabeth Weissensteiner ist eh keine Krankenschwester. Und kein Baby ist zu Schaden gekommen. Das drastische "Peeling" will uns wohl auch nicht sagen, dass die Neugeborenen immer gleich aus der Haut fahren, wenn ihnen was nicht taugt. Oder dass das Bewusstsein ein Schmetterling ist. (Wenn der davonflattert, wird man ohnmächtig.) Da geht’s um die Wahrnehmung. Die Haut als Membran zwischen dem Ich und der Welt. Und ein geiler Soundtrack beruhigt die Nerven. (Also kein Babygeschrei.) Die Komposition stammt gar von der Honigbiene. (Deren Spitzname ist trotzdem nicht "die Biene Wolfgang Majadeus".) Der Klang des Honigs? Zumindest sind die Töne ziemlich zähflüssig, sprich: meditativ. Na ja, eigentlich hat ein Neurobiologe den Bienen beim Riechen ins Hirn gespechtelt und das Ganze vertont. Elisabeth Weissensteiner war nämlich bei den Bienenforschern der Uni Bremen zu Gast. Bei der Wissenschaft.

Der zweite Teil der Schau (Künstlerhaus, Videogalerie) ist eine geradezu romantische Antwort aufs MRT. Im Finstern läuft man mit einer Schüssel rum (der Hirnschale) und versucht verzweifelt, eine diffuse Projektion aufzufangen und zu enträtseln. Inspirierend. Jetzt weiß ich, wie das Denken funktioniert. In völliger Umnachtung probiert man, seine eigenen Gedanken zu lesen.

Galerie Michaela Stock
(Schleifmühlgasse 18)
"Mirror Brain"
bis 25. August
Di. - Fr.: 16 - 19 Uhr
Sa.: 11 - 15 Uhr

Gräte mal, wer zum Essen kommt

(cai) Ein bissl erinnert das ja an "Big Brother". Nur halt mit viel mehr Gräten. Eine WG (nur halt mit Fischen) ist unter permanenter Kamerabeobachtung, und keiner kann auch bloß furzen, ohne dass dieses Ereignis sofort live übertragen wird. Aber die potenziellen Furzenden bleiben hier wenigstens anonym. Erscheinen auf dem Monitor als Fischsymbole. (Ach, vermutlich eh nicht zum Schutz ihrer Privatsphäre.)

Also. Irgendwo in Wien kriegt ein Aquarium ständig frisches Donauwasser, und die Goldorfen dort drin teilen den Forschern jenseits des Glases mit, wie die Wasserqualität ist. Quasi in Gebärdensprache. Weil es sich diese Sensibelchen immer gleich anmerken lassen, wenn Schadstoffe sie stressen. Daraus hat Corinna Studer nun mit einem Programmierer (Peter Melchart) eine Chimäre aus Wissenschaft und Kunst gemacht: Die Messdaten bestimmen die Handlung in ihrem Echtzeit-Öko-Animationsfilm, der im Schaufenster vom Peithner-Lichtenfels läuft. Ja, verglichen mit dem Nemo sind die Fische mickrig. Und auf die Action, dass das Wasser grün und rot wird, Panik ausbricht und einer nach dem andern aus der Fisch-WG hinausgewählt wird (leider nicht von der Klospülung, die sterben halt weg), hab ich vergebens gewartet. Die Donau ist eben einfach zu sauber. Doch dafür kann ja die Künstlerin nix. Die Bescheidenheit trügt sowieso. Die soll wohl vom gigantischen organisatorischen und technischen Aufwand ablenken, der getrieben worden ist, damit jetzt jeder Trottel das aktuelle "Donauwetter" ablesen kann.

Galerie Peithner-Lichtenfels
Schaufenster
(Sonnenfelsgasse 6)
"Fishbag"
bis 23. August
Täglich 0 - 24 Uhr




Schlagwörter

Kunstkritik, Galerien, Kunst

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2012-08-07 17:14:06
Letzte Änderung am 2012-08-07 17:37:09



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