Fliegen sind auch nur Menschen
(cai) Zuerst ist man vielleicht ein bissl schockiert. Wenn man anfängt, die Leichen zu zählen. Okay, der Thomas Feuerstein bringt eh nur Fliegen um, aber er hat immerhin den Rekord vom tapferen Schneiderlein gebrochen. (Sieben auf einen Streich.) Und seine Fliegenfalle war kein banales Marmeladenbrot. Mit unsichtbarer Tinte (einer sehr klebrigen Zuckerlösung) hat er den Grundriss vom Louvre oder vom Taj Mahal aufgezeichnet und die Zeichnung nachher sichtbar gemacht, indem er arglose Fruchtfliegen aufs Papier gehetzt hat. Und jetzt sind die Minkerln Bildpunkte.

Tja, müsste man diese Grafiken in Worte fassen, wären sie Zungenbrecher: Wenn Pixel wie Pickel neben Pixeln picken, picken Pixel wie Pickel neben Pixeln. Sicher eine Allegorie der Gesellschaft. (Of flies and men.) Schließlich werden anarchistisch herumflatternde Insekten diszipliniert. Die Menschheit lungert auf dem Planeten Erde ja herum wie eine Fliegenplage auf der Kuhflade, doch wenn man sie motiviert, kriegt sie sogar etwas hin, was man Kultur nennt. Feuersteins "Fly Room" ist ein Labor. Da gibts Kreuzungen aus Lampe und Zimmerpflanze ("Pflampen"?). In den Schläuchen, die sich um die Lichtquelle schlingen, braut sich was Grünes zusammen: Plankton. Das kann man jetzt bei der Photosynthese beobachten. Wie es also Sauerstoff und jene Substanz erzeugt, die die Fliegen gekillt hat: Zucker! (Trotzdem sind Insektensprays zuckerfrei.) Gut, man könnte auch einfach daheim den Gummibaum anstarren, aber bei dem hängen nicht so geile Schläuche raus. Hm. Der Feuerstein machts einem nicht leicht. So viele Anspielungen. Sogar Hegel-Zitate. Womöglich erzählt er uns nix weniger als eine kurze Geschichte von fast allem. Und das nicht durch die Blume, sondern durch die Fliege. Echt fliegenial.
Galerie Thoman Wien
(Seilerstätte 7)
"Fly Room"
bis 15. September
Di. - Fr.: 12 - 18 Uhr
Sa.: 11 - 16 Uhr
Stille Aquarelle sind tief
(cai) Kennen Sie den? Treffen sich zwei Freunde. Fragt der eine: "He, wie war der Urlaub?" Antwortet der andre: "Verdammt, jetzt hab ich die Pointe vergessen. Irgendwas mit der Zimmernummer." - "Würds dir helfen, wenn ich sagen tät: ,Du bist so schön braun?" - "Vielleicht." - "Okay: Du bist so schön braun." - "Nein, klick machts noch immer nicht." -
Diesen Witz finden Sie ziemlich unbefriedigend (auch wenn Sie sich doch denken können, dass die Hotelzimmernummer 100 war und irgendein Komiker den Einser wegretouchiert hat und der Urlaub also besch. . . war)? Na ja, genauso unbefriedigt fühlt man sich nach Martin Dammanns 40-Sekunden-Film "Blinder Fleck". Da gehts ebenfalls um Erinnerungslücken. Treffen sich ein Künstler und sein Vater im Schlafzimmer. Künstler: "So, Papa, erinnerst du dich daran, wie Philipp immer geheult hat als kleiner Junge und keiner wusste warum?" Vater: "Nee, überhaupt nich." Ende. Zum Glück ist der Dammann als Maler besser als als Regisseur. Seine imposanten, rohen Aquarelle sind jedenfalls bewegtere Bilder. Und jetzt sucht man natürlich überall die Tränen von seinem Bruder Philipp. Verweint schauen die Blätter eh aus. Die Details zerrinnen und die lieblichen Farben trüben sich ein, werden depressiv. Hat der Künstler früher wildfremde Vergangenheiten "bewältigt" (alte, anonyme Privatfotos in gschmackige bunte Flecken übersetzt), so blickt er diesmal ins eigene Fotoalbum. Sabotiert die Familienidylle mehr oder weniger diskret. Weihnachten ist ein Haus am Abhang. (Die heile Welt muss zum Psychiater!)
Georg Kargl Fine Arts
(Schleifmühlgasse 5)
"Blind Spot"
bis 8. September
Di. - Fr.: 11 - 19 Uhr
Sa.: 11 - 16 Uhr
Do You Speak Pingpong?(cai) Schlägertypen können sich hier so richtig austoben. Mit den Tischtennisschlägern. (Was haben Sie denn geglaubt...weiter
Was eine Retrospektive zum 70. Geburtstag des Malers und Fotografen Manfred Bockelmann werden sollte, reduziert sich jetzt auf zwei Serien mit...weiter
"Die Arbeit mit Papier ist ein starkes sinnliches Erlebnis. Beim Illustrieren ist es ähnlich; verschiedene Techniken erfordern verschiedene...
weiter
"Die Künstlerin geht in ihrer zeichnerischen und skulpturalen Arbeit meist von vorgefundenen Materialien und Objekten aus...
weiter
"Erst im Licht- oder Elektronenmikroskop zeigt sich diese verborgene kleine Welt in ihrer wahren Größe und Formenfülle...
weiter