• vom 11.09.2012, 16:29 Uhr

Kunst

Update: 11.09.2012, 17:02 Uhr
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Galerie Michaela Stock + Fotogalerie Wien

Rundgang durch Galerien


Von Claudia Aigner

Maturieren mit zwölf Buchstaben

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(cai) "Weil es könnte ja jemand auf Besuch kommen, der nix trinken will." He, das wär eine geile Pointe für einen Blondinenwitz! (Kennen sie den? Warum hat eine Blondine immer eine leere Flasche im Kühlschrank?) Okay, die Pointe hab ich in der Galerie Michaela Stock nirgends gelesen. Doch dafür quasi die letzten Worte von einem intellektuellen Blondinenwitz (also von einer Blondine mit Brille): "I’m drunk but you’re still ugly." He, das wär ein geiler Spruch für ein T-Shirt! Diana Deu beschriftet trotzdem keine Leiberln.

Sie darf. (Was Nina Hagen nur kann.) Bild von Diana Deu. (Und die ist keine Bitch.)

Sie darf. (Was Nina Hagen nur kann.) Bild von Diana Deu. (Und die ist keine Bitch.)Galerie Stock Sie darf. (Was Nina Hagen nur kann.) Bild von Diana Deu. (Und die ist keine Bitch.)Galerie Stock

Obwohl T-Shirts mit einer gefährlichen Drohung drauf ("See you in Disneyland") locker weggingen wie die warmen Winde bei einem Bohneneintopfgelage. Aber ein Leinwandbild ist ja auch ein Stück Stoff. Rotzig sprayt und pinselt sie ihre Statements hin. Ein Luder mit Weintrauben macht ein intimes Geständnis: "50 Weintrauben in 15 Minuten." Ähm, das kann doch jeder. Ach, ist ja nicht meine Viertelstunde Ruhm. Und müssen nicht alle wie die Nina Hagen live im TV maturieren. (Maturieren? Hoppala. Bei meinem Rekordversuch "Zwölf Buchstaben mit zwei Fingern in drei Sekunden" hab ich das s und das b nicht getippt.) Die Trauben sind natürlich . . . eine Metapher? Oder Selbstironie. Die Künstlerin hat nämlich irgendwann (gut, mit Assistenten) in 15 Minuten 50 Jägermeister gekippt. Und lebt jetzt eben gesünder. Den Ausstellungstitel ("Not A Bitch") meint sie womöglich ebenfalls nicht ernst. Vielleicht ist sie eh "schlampig". Ihre Technik ist jedenfalls sexy. Wie sie mit Bleistift und Tusche diverse Lustobjekte hingebungsvoll anbetet (Models, Serienkiller), um dann die kitschige Schönheit mit dem Pinsel oder der Spraydose zu züchtigen. Rollenklischees, freche Zitate, Lack, Acryl, Bleistift und Klebefolie verdichten sich zu einer hübschen, kleinen Orgie.

Galerie Michaela Stock
(Schleifmühlgasse 18)
"Not A Bitch"
bis 15. September
Di. - Fr.: 16 - 19 Uhr
Sa.: 11 - 15 Uhr

Cowboy putzt den Wilden Westen

(cai) Der Titel ist ziemlich abschreckend: "Aneignung Teil II: Re-enactment - Neukontextualisierung." (Aneignung, neuer Kontext: Aha, da geht’s ums Klauen.) Klingt ja wie "Mission Impossible 2: Mach’s noch einmal, Tom" auf Gscheitsprech. Und hätte "Ocean’s Twelve - Twelve Is The New Eleven" so massenuntauglich geheißen, wäre 13 bestimmt nie das neue Zwölf geworden.
Die Schau selbst (zum Thema: Kreativer Umgang mit vorsätzlich gefundenem Material) ist aber eh spannender. In einem spektakulären Coup stehlen Studenten und Lehrer der Wiener Kunstakademie sogar ein Gemälde, ohne es von der Wand zu nehmen. Sie verfilmen es "einfach" als Kostümschinken, wo die Akteure stillhalten, als wären sie in Totenstarre. Wenn Rita Nowak hingegen Meisterwerke nachstellt, grenzt das eher an Regietheater. Aus Bouchers Mäderl, das auf der Tuchent brustschwimmt, wird so was wie ein schwuler Laurentius auf dem Lattenrost. Ich muss gleich rokokotzen. Nein, eigentlich find ich die Interpretation originell. Fast so originell, wie übers Geräuschemachen einen Stummfilm zu drehen. (Benjamin Tomasi und Bernhard Garnicnig) Und Christopher Richmond hat sich die Bildsprache des Westerns angeeignet. Baut die Gleich-passiert’s-Stimmung subtil auf. Nur dass sein Western bleifrei ist. Ein Cowboy mit Putzzwang reinigt sein Gewehr so gründlich, dass er nie zum Abdrücken kommt. Unerträgliche Spannung. Nach zehn Minuten wartet man nur noch auf den Gnadenschuss. Dass er endlich wen abknallt. (Den Kameramann eventuell?)

Fotogalerie Wien
(Währinger Straße 59)
"Aneignung II"
bis 29. September
Di. - Fr.: 14 - 19 Uhr
Sa.: 10 - 14 Uhr




Schlagwörter

Kunstkritik, Galerien, Kunst

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-11 16:36:16
Letzte Änderung am 2012-09-11 17:02:31


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