Die ungarische Künstlergruppe "A Nyolcak" (Die Acht) wagte ab 1901 durch direkten Kontakt mit den Fauves und Nabis in Paris den Ausbruch aus spätimpressionistischen, akademischen Traditionen in ihrem Heimatland. Sie standen ab ihrer ersten Skandalschau 1909 in Verbindung mit den Komponisten Béla Bartók und Zoltán Kodály, mit dem Philosophen György Lukács und dem Schriftsteller Endre Ady. Dieser Kreis propagierte ein Ende der Naturkopie und einen neuen Denkansatz beim Malen. Das ist in seinen Werken ebenso spürbar wie die direkten Kontakte zu Henri Matisse (in Zeichnung und Farbe) und die formalen Anleihen bei Paul Cézanne und den Kubisten.

In Wien waren "Die Acht" 1914 vom Künstlerhaus eingeladen, doch entsprachen die Beiträge von den heutigen Matadoren Róbert Berény und Lajos Tihanyi nicht den Vorstellungen der konservativen Jury; der Slowake Bertalan Pór trat mit beiden Abgewiesenen danach aus Protest aus der 1909 gegründeten Gruppe aus. Der Aufbruch war zwar getan, aber der Zusammenhalt der Avantgardisten bröckelte.
Als geschmacklos gescholten
Vor einem Jahrzehnt zeigte das Ungarische Kulturinstitut eine erste Erstaunen erregende Schau in Wien - nun kehren die einstigen Vordenker in einer großen Kooperation mit den Museen in Budapest wieder. Die Hoffnung besteht, dass nach vielen Jahrzehnten des Vergessens durch die politische Entwicklung im 20. Jahrhundert "Die Acht" endlich ihren Siegeszug im Westen antreten. In Sachen klassische Moderne gibt es an den Rändern auch sonst nichts mehr zu entdecken.
Die Eigenarten der konservativeren Mitglieder Ödön Márffy, Károly Kernstok und Dezsö Orbán sind allerdings zwischen 1901 und 1914 noch nicht so stark spürbar - gemeinsam mit Béla Czóbel und Dezsö Czigány haben Berény, Tihanyi und Pór die von den Franzosen gut zu unterscheidende, fast manieristische Auffassung der Figur.
In Farbgebung bei Stillleben und Landschaften unterscheiden sie sich aber wenig von den Fauves, verbinden dazu sichtbare Anklänge an Cézanne. Besonders ihre Badenden oder die qualitätvollen Porträts haben französisches Flair. Erst in großformatigen Wandarbeiten von Kernstok zeigt sich dann ab 1911 die Orientierung in Richtung Klassizismus nach expressiven Anfängen.
Die Kritik in Ungarn sprach 1909 von Extremen und einer "Schule der Geschmacklosigkeit", die Primitivität von Apachen wurde als Rüge bemüht, die kubistisch-futuristischen Kanten der Figuren wurden als pathologisch abgetan. Doch die Gründung einer neuen Kunstzeitschrift "Nyugat" (Westen) zeigt die Entschlossenheit, mit der diese Kunstreform Platz greifen konnte. Damit traten die unkonventionell grelle Farbgebung, die Auflösung der Formen und die neue Thematik aus Paris ihren Siegeszug an.
Die Verbindungen waren vor den Weltkriegen über ganz Europa intensiver, als sie es heute in Zeiten von World-Art sind. Dass erst so spät wieder zusammenkommt, was damals geistigen Aufbruch in Europa bedeutete, ist kaum begreifbar.
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