
New York. James Gulliver Hancock lebt in Brooklyn, ist Mitte 30 und ein so begabter wie fleißiger Zeichner, kein Zweifel. Ob er genug Stehvermögen für sein Langzeitprojekt "All The Buildings in New York" hat, wird sich freilich erst weisen - so in den nächsten 20 bis 40 Jahren. Der gebürtige Australier, der in seiner Heimatstadt Sydney Visuelle Kommunikation studierte und heute internationale Marken an seinem Grafikdesign-Know-how teilhaben lässt (zu seinen Kunden zählen etwa Coca Cola, Dell und der Verlag Simon&Schuster), hat sich vorgenommen, alle Häuser von New York City zu zeichnen. Nicht bloß die berühmten, die vor allem auf der Insel Manhattan herumstehen, sondern auch die aller anderen Stadtbezirke - die von Brooklyn, der Bronx, von Queens und Staten Island. Laut Schätzungen des Census Bureau, dem statistischen Bundesamt der USA, beherbergt die größte Stadt Amerikas heute etwa 3,3 Millionen Häuser, auf die sich rund 8,2 Millionen Einwohner verteilen. Größenwahnsinnig? "Klar. Aber genau dieser Größenwahn passt zu New York", sagt Hancock, der über sich selber sagt, dass er "krank wird, wenn ich nicht zeichne". Der Mann scheint unbeirrbar und das macht ihn, bei aller angebrachten Skepsis, was die Vollendung seines Opus Magnum angeht, erst mal grundsympathisch. Nachschauen, in Auftrag geben und erstehen lassen sich Hancocks Werke auf der Website allthebuildingsinnewyork.com.
"Wiener Zeitung": Herr Hancock, Sie haben sich vorgenommen, alle Häuser von New York City zu zeichnen. Warum? Und wie weit sind Sie bis jetzt gekommen?
James Gulliver Hancock: Als ich vor drei Jahren hergezogen bin, war ich von der hiesigen Architektur erst einmal schlicht überwältigt. Das Lustige war aber, dass mir die Häuser, so unterschiedlich sie sind, irgendwie alle bekannt vorkamen. So gehts wahrscheinlich den meisten Menschen, die nach New York kommen: Wir haben viele Gebäude einfach schon so oft in Filmen und im Fernsehen gesehen, von außen und von innen. Ich wollte mich von dieser Filmfassade aber nicht beeindrucken lassen, ich wollte stehen bleiben, die Häuser anschauen - und sie mir anschließend mittels einer Zeichnung quasi zu eigen machen. Bisher habe ich rund tausend Häuser gezeichnet. Wenn ich heute durch die Stadt fahre, erkenne ich viele davon wieder, so, wie man einen alten Freund wiedererkennt, den man eine Zeit lang nicht gesehen hat.

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