Wien. Es riecht nicht nach frisch gebackenem Brot, zumindest nicht an diesem Tag. Und das, obwohl sich die heute noch auf einem Teil des Geländes betriebene Ankerbrot-Fabrik in unmittelbarer Nachbarschaft befindet. Etwa die Hälfte der 30.000 Quadratmeter großen Fläche in der Absberggasse im 10. Bezirk hat Walter Asmus mit seinen Partnern im Jahr 2009 im Zuge eines Bieterverfahrens gekauft. Der weltoffene Allrounder wollte nicht nur Raum für Kreative schaffen - nach dem Vorbild der Loft-Projekte in London oder New York -, er wollte diese Fabrik auch "retten", wie er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" sagt. Es wäre schade gewesen, etwas abzureißen, was es seit 1891 gibt. Und so rettete er die alte Fabrik mit zwei Partnern.

Backsteingebäude, hohe Räume, 100 Jahre alte Türen - Ziel ist es, das Alte so weit wie möglich zu erhalten. So wird in der 2200 Quadratmeter großen Expedithalle auf demselben Boden Theater gespielt, wo früher Pferdewagen standen und mit Brot befüllt wurden. Die Loftcity bietet Lofts für Kreative zum Kauf an, von Architektenbüros bis zu Galerien will sie "eine Ergänzung zum Kulturangebot der Stadt" sein.
Einer der ersten Käufer war die Galerie Hilger. Es folgten weitere wie Ostlicht, die Dependance der Fotogalerie Westlicht, oder die Galerie Anzenberger. Zwischen Häusern, an denen noch gebaut wird - insgesamt gibt es zwölf Objekte -, füllen schon viele Galerien, Kunsträume oder Werkstätten die einzelnen Etagen.
Auch die Caritas hat hier Fläche gekauft. Das Atelier 10 bietet Menschen mit sozialer und psychologischer Beeinträchtigung und künstlerischer Begabung Raum für ihre Kreativität. Die Caritas wird mit dem Verein Superar wohl ein wichtiger Teilnehmer sein, der den Bogen von der hohen teuren Kunst zur Bevölkerung des 10. Bezirkes spannen wird. Mit einem Projekt, bei dem Kinder von der Straße geholt werden, um mit ihnen musikalisch zu arbeiten, soll die Schwelle, dieses Gelände zu betreten, niedrig werden. Ähnlich des aus Venezuela stammenden Projektes "El Sistema", vor allem bekannt durch den Film "Rhythm is it", in dem Dirigent Simon Rattle in Berlin mit Kindern aus benachteiligten sozialen Verhältnissen arbeitete.

Hilger: "Man fängt an, sich zu durchmischen"
Dass ein Kunst-Standort in einem Bezirk mit hohem Migrantenteil sehr gut funktioniert, ist Galerist Ernst Hilger überzeugt. "Ich finde das spannend, weil ich glaube, dass man den Leuten hier diese neue Umgebung vor die Nase setzen muss", sagt er. "Man fängt schon ganz langsam an, sich zu durchmischen." Es sei ein Ort, der noch nicht überfüllt ist mit Trends. Hier könne man noch etwas verändern. Und die Türen würden immer und für jeden offen stehen. Für den Galeristen ist die Zukunft der Kunst ein Ort und nicht einzelne verstreute Räume. "Die Sammler von heute gehen viel gezielter und konkreter vor." Mittlerweile hat die Brotkunsthalle von Hilger 50 bis 60 Besucher am Wochenende.

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