
Wieder einmal ist mit einem der Hauptvertreter der Minimal-Art, Dan Flavin (1933-1996), die Erfahrung zu machen, dass nicht alles so reduziert und rational ausfällt, wie die Anfänge dieser Richtung es eigentlich gerne für die Kunst bestimmt hätten. Auf vier Ebenen - dazu die beiden eigenen Exponate des Mumok in der Sammelausstellung "Poesie der Reduktion" im Kellergeschoß des Hauses - verschreibt sich das Museum ganz den Anfängen von reduzierten Konzepten ab den sechziger Jahren. "Dan Flavin - Lights", kuratiert von Spezialist Rainer Fuchs, bringt viele der Hauptwerke des Künstlers nach Wien und im Anschluss in das Kunstmuseum St. Gallen.
Daniel Nicholas Flavin hatte seinen ersten Job mit seinem Zwillingsbruder als Wetterexperte der amerikanischen Luftwaffe, danach studiert er Kunstgeschichte, nimmt einen neuen Job als Aufsichtskraft und Fahrstuhlführer im Museum of Modern Art in New York an und wird erst durch den Kontakt mit Donald Judd, Sol LeWitt, Robert Ryman oder Lucy Lippard zur eigenen künstlerischen Arbeit angeregt.
Leuchtstoffröhren als Licht-Zeichen
Mit der Idee, handelsübliche Leuchtstoffröhren (kein Neonlicht) als Kunstmaterial zu nützen, kam Flavin sehr schnell in wichtige Galerien und Museen. Die Diskussion, ob die Minimal-Art so viel Farbe einsetzen darf, wie es farbige und nicht nur weiße Röhren gibt, erregte zusätzlich Aufsehen in der Szene. Flavin widmete viele seiner Arbeiten sehr persönlich Freunden wie Judd; Jasper Johns bekam "pink out of a corner", Purist Sol LeWitt zwei von vier möglichen Weiß als Säule, oder aber Henri Matisse eine vierfarbige Röhrenkombination. Für Cy Twombly kreuzte Flavin zwei kaltweiße Tageslichtleuchtstoffröhren, und für Ad Reinhardt kombinierte er passend dunkles Blau und Violett. Damit nahm er Formen und Aussagen der anderen mit auf. Zuweilen wird man den Eindruck nicht los, dass neben politischen Äußerungen ein wenig Ironie gegen allzu viel Objektivitätsforderung hinter seinen Konzepten getarnt ist.
Der katholische Hintergrund in seiner Familie machte es für ihn wichtig, von der sakralen zur profanen Wirkung des Lichts vorzustoßen, obwohl heute doch gerade bei seinen ersten Werken, den sogenannten "icons", die Erinnerung an Lichtmystik anhält. Flavin widmet seine erste diagonale, gelbe, reine Lichtarbeit Constantin Brancusi und dessen Endlossäule, 1963 taucht aber ebenso der Name William von Ockham zu "the nominal three" auf. Der mittelalterliche Nominalist Ockham faszinierte ihn als Abweichler in die Rationalität. Flavins Kampf gegen den Vietnamkrieg kann man in seiner Arbeit aus weißen Ringen für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Georg McGovern 1972 und in den blutroten "monument 4 for those who have been killed in ambush" ablesen.
Das Durchwandern der Räume lässt die starke Veränderung der Wahrnehmung am eigenen Körper erfahren, besonders sind dabei aber zwei Geschoße zu erwähnen - eines mit den weißen "monuments" für Vladimir Tatlin, die als Art skulpturale Häusermodelle an dessen Entwürfe für die "III. Internationale" 1920 erinnern. Die verlorene Illusion des Revolutionsprojekts, aber auch Tatlins Scheitern mit seinem Flugobjekt, ist integriert.
Die zweite ist die Eingangsebene, die einem Bilderrahmen ähnelnde Leuchtobjekte mit Widmungen an befreundete Paare in neun möglichen Farben der "fluorescent lights" zum changierenden Erlebnis macht. Zeichnungen und Konzepte für Installationen ergänzen eine Schau, die den dunklen Museumsraum zur Reklame seiner selbst verwandelt.
Do You Speak Pingpong?(cai) Schlägertypen können sich hier so richtig austoben. Mit den Tischtennisschlägern. (Was haben Sie denn geglaubt...weiter
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