Kunst

06.02.2013, 20:23 Uhr
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Fragilität und Vergänglichkeit


  • Takeuchi Seiho (1864-1942), Kakifrüchte (Kaki no mi), Seide, Japanpapier, Tusche und Farbe, Rollbild - Sammlung / Collection Genzõ Hattori Kanō Tanyū, Der chinesische Hofbeamte und Literat Han Yu, auf seinem Weg in die Verbannung vom Hof (Kan Taishi) - © Sammlung Genzõ Hatto Anonym, Getreide vor der Ernte (Bakushū) - © Sammlung Genzõ Hattori Okamoto Ippei und Freunde, Skizzen von einer Tōkaidō-Reise, Skizzenbuch mit 55 aquarellierten Zeichnungen, 1921 - © Sammlung Genzõ Hattori Yamamoto Shunkyo, Kiefer im Schnee (settchū matsu) - © Sammlung Genzõ Hattori Ando Hiroshige, Schwertliliengarten bei Horikiri, aus der Serie "100 berühmte Ansichten von Edo" - © Privatbesitz, Wien Ando Hiroshige, Kinuta-Klopfen am Fluss Tama in der Provinz Settsu, Blatt 1 aus der Serie "6 Tamagawa / Juwelenflüsse", 1857 - © Privatbesitz, Wien Katsushika Hokusai (1760-1849), Die große Welle vor Kanagawa, aus der Serie  "36 Ansichten des Berges Fuji", ca. 1830. - Privatbesitz, Sammlung Leopold II


In dieser Welt zu leben -
womit mag ich's vergleichen?
Wie ein Boot, das
früh hinausgerudert
keine Spur zurücklässt. 

(cra) Prägnanter kann Vergänglichkeit wohl nicht dargestellt werden als in diesem Gedicht des japanischen Poeten Sami Mansei aus dem 8. Jahrhundert. Angesichts der vielen Katastrophen, die seit Jahrhunderten die japanischen Inseln heimsuchen, ist die Brüchigkeit des menschlichen Lebens dort Teil der Lebensanschauung. Aus diesem Charakteristikum heraus entstand eine eigene Ästehtik, die anders als die europäische Kunstauffassung nicht die Figur in den Vordergrund setzt, sondern dem Raum als solchen Bedeutung schenkt.

Einige Repräsentanten dieses Verständnisses sind in der aktuellen Schau "Fragilität des Daseins" im Museum Leopold in Wien ausgestellt, die noch bis zum 18. Februar 2013 zu besichtigen ist. Die traditionellen Tuschemalereien auf Seide, Kalligrafien und Wandschirme spiegeln neun Begrifflichkeiten aus der japanischen Lebensart und Kunstauffassung wider: darunter das Nichts, die Reinheit, Einsamkeit und Strenge. Mehr als 50 Exponate aus acht Jahrhunderten wurden dafür aus der Privatsammlung des Unternehmers und SEIKO-Gründers Genzo Hattori für die Öffentlichkeit auserwählt. Als hervorstechendes Beispiel sei Yokoyama Taikans "Käuzchen vor Goldgrund" genannt, der großformatige Wandschirm in goldener Pracht.

Aus der Privatsammlung des Sammlers Rudolf Leopold (Sammlung Leopold II) runden in dem Ausstellungsraum die Miniaturen aus Elfenbein, Netsuke genannt, die Schau ab. Schade nur, dass diese bemerkenswerten Skulptürchen nicht wie andere Werke ihrer Art auch von allen Seiten zu betrachten sind; der Blick auf die Details bleibt auf die Vorderansichten beschränkt.

Momentaufnahmen

Sollte man noch nicht genug an fernöstlicher Feinheit genossen haben, so sind in einem weiteren Raum nicht minder schöne Kunstwerke aus Japan zu sehen, darunter Farbholzkunstschnitte wie die berühmte "Welle vor Kanagawa" von Hokusai. Und hier spannt sich der Bogen zum fragilen Dasein weiter: zum einen in der Kunst der Holzschnitte, die im Schaffensprozess letztendlich in der Zerstörung seiner Originiale kulminieren, sowie thematisch in der Darstellung von Naturkatastrophen oder der Momentaufnahmen sexueller Lust und Höhepunkte.

Doch zurück zur Sammlung Hattori, die alles in allem prächtige Stationen  japanischer Lebensart präsentiert und die eine/n noch nach der Schau zu beeindrucken vermag. Für ein mögliches tiefer gehendes Verständnis ist man allerdings auf den Katalog angewiesen, denn weiterführende und erklärende Erläuterungen fehlen neben den ausgestellten Kunstwerken leider.

Siehe auch: Philosophie im Pinsel von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Information:
Ausstellung "Japan. Fragilität des Daseins. Meisterwerke aus der Sammlung Genzo Hattori" noch bis 18. Februar 2013 im Leopold Museum, Museumsplatz 1, 1070 Wien, täglich außer Dienstag 10-18 Uhr, Do 10-21 Uhr. Katalog zur Ausstellung, hrsg. von Diethard Leopold, 168 Seiten, 24,90 Euro.

Link: leopoldmuseum.org


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